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Samstag, 25. Juni 2022

Weinberg: String Quartets No, 2, 5 & 8 - Arcadia Quartett

Weinberg für den Mainstream


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Fulminante, aber emotional wenig involvierte erste Folge einer neuen Gesamteinspielung von Mieczyslaw Weinbergs Streichquartetten.

An Einspielungen der Streichquartette von Mieczysław Weinberg herrscht auf dem Tonträgermarkt gegenwärtig kein Mangel. Nach dem Quatuor Danel (cpo) und dem Silesian String Quartet (Accord) beginnt nun also das in Rumänien gegründete Arcadia Quartet mit einer Werkschau. Die drei hier vorgestellten Werke entstanden 1939-40 (rev. 1987, mit der doppelten Opuszahl 3 und 145), 1945 (Op. 27) und 1959 (Op. 66). Das zweite Quartett in G-Dur ist Mutter und Schwester gewidmet, die zu jener Zeit bereits von den Nazis ermordet worden waren. Das Arcadia Quartet betont weniger die emotionalen Tiefen des Werks als ihre spieltechnische Virtuosität und ihre Verortung im europäischen Musikleben und der europäischen Musikgeschichte. Der langsame Satz ist fast naturgemäß Zentrum der Komposition, und trotz etwas zu starkem Vibrato vor allem in der Viola beeindruckt der Satz durch expressive Dichte. Das intermezzo-artige Scherzo changiert zwischen Schostakowitsch und Reger und ist nicht zuletzt durch seine besondere Konzeption im Bereich der Dynamik von großem Reiz, während das turbulente Presto-Finale an Prokofjeff frühe Schlusssätze denken lässt.

Das fünfte Quartett in B-Dur umfasst fünf Sätze und ist in der Klangsprache weitaus reifer als das zweite, Weinbergs Freundschaft zu Schostakowitsch ist an wenigen Stellen hörbar. Auch hier erleben wir unmittelbare Freude an Kontrapunktik, mit Genuss und Verve ausmusiziert durch das Arcadia Quartet. Das Spiel der vier Musiker ist, vergleicht man mit dem Quatuor Danel, womöglich spieltechnisch noch ausgereifter – doch eine gewisse raue, widerborstige Komponente fehlt dieser Lesart, selbst im überbordenden zentralen Scherzo. Das durchkomponierte achte Quartett in C-Dur erfährt zwar eine eindrucksvolle, aber keine emotional mitreißende Wiedergabe, wie sie das Silesian String Quartet oder auch das Quatuor Danel vorgelegt haben. Emotionen werden nicht ausgespielt, das Arcadia Quartet begnügt sich (auf höchstem Niveau) damit, die Musik als Musik wiederzugeben, mögliche biografische oder auch nationalstiltypische Eigenheiten scheint's bewusst außer Acht zu lassen. Ein Vergleich mit dem Borodin Quartet, dem die Komposition gewidmet ist, zeigt besonders eklatant, wie viel mehr in der Musik steckt als wir hier zu hören bekommen.

Obschon von einem Weinberg-Spezialisten verfasst, fehlen dem Booklettext einige wesentliche Informationen zu den Werken. So bleibt vor allem die vorzügliche Aufnahmetechnik zu loben, die aber die nicht die nicht hinreichende interpretatorische Tiefe nicht ausgleichen kann.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Weinberg: String Quartets No, 2, 5 & 8: Arcadia Quartett

Label:
Anzahl Medien:
Chandos
1
Medium:
EAN:

CD
095115215821


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Weinberg, Mieczyslaw


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Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


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