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Sonntag, 26. September 2021

Moments Musicaux - Yeseul Kim, Klavier

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Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Yeseul Kims Debüt-Album trifft musikalisch ins Schwarze.

Unter dem Titel 'Moments musicaux' hat die koreanische Pianistin Yeseul Kim beim Label Genuin ihr erstes Album vorgelegt. Von Augenblicken und Zuständen ist im Booklet bezüglich der konzeptionellen Werkauswahl zu lesen – beides hält Kim von Anfang an in Schuberts gleichnamiger Sammlung D 780 meisterhaft fest: Hier lässt sie die Musik in sich ruhen, dort inspiriert fließen, dazwischen entlädt sich (wie etwa im Mittelteil des 'Andantino') dynamisches Temperament. Wunderbar weich gefedert gelingt ihr die getupfte Bass-Figur in der linken Hand des bekannten 'Allegro moderato', bei Akzentuierungen bevorzugt sie eher zurückhaltende Gesten – ohne deshalb an Ausdruckskraft zu verlieren. Im cis-Moll-'Moderato' formt sie eindringlich pulsierende Begleitbewegungen und breitet die Akkorde des Mittelteils kontemplativ reflektierend aus. Im 'Allegro vivace' brechen sich aus der Stille heraus kraftvolle Emotionen Bahn, feinfühlig betont sie die rhythmisch tänzelnden Impulse. Im 'Allegretto' schließlich spannt sie weit geschwungene, lyrisch empfindsame Bögen.

Wer diese Stücke schon von Grigory Sokolov oder Alfred Brendel gehört hat, könnte meinen, danach könne nichts mehr kommen – Kim widerlegt diese Theorie: Gerade Brendel als einer der großen Schubert-Pioniere hat immer wieder betont, Musik komme aus der Stille. Kim hat dieses interpretatorische Prinzip definitiv verstanden und in dieser Aufnahme stilsicher umgesetzt. Mit zusätzlich atmungsaktiver Phrasierung und statisch aufgeladenen, vollgriffigen Akkorden nimmt ihr Spiel den Hörer unweigerlich gefangen.

Kontrastreiche Stimmungsbilder

Spannungsgeladene, ineinander übergehende Zustände bilden auch die 'Moments musicaux' des koreanischen Komponisten Uzong Choe (*1968) ab. Eigens auf Bitte der Pianistin hat er diese angefertigt. Bewusst sind sie nicht als in sich geschlossene Stücke konzipiert, vielmehr handelt es sich um fragmentarische Skizzen mit improvisatorischer Haltung. Was in der Trackliste aussieht wie eine wirre Aufeinanderfolge von Zahlen, ist denn auch eine numerisch aufgeführte Auswahl von 10 aus 29 dieser Stücke, die dem Spieler in puncto Anschlagsintensität und sogar Vortragsfolge weitreichend freie gestalterische Hand lassen. Einzig mit der Nummer 29 abzuschließen war der erklärte Wunsch des Komponisten. Mit breit gefächerten Stilmitteln wie plastisch dargestellten Sekundreibungen, filigranen Diskant-Dimensionen oder abrupten Eruptionen zeichnet Kim denkbar kontrastreiche Stimmungsbilder. Sogar im Moment der Aufnahme bot sich ihr, wie sie im Begleittext erzählt, Raum für spontane Veränderungen – allein schon aus diesem Blickwindel eine spannende Rarität.

Klangsensibles Seelenleben

Den dritten Komplex bilden Rachmaninoffs 'Sechs Moments Musicaux' op. 16 in der (ersten) Fassung von 1896. Die unverzichtbare technisch anspruchsvolle Basis besitzt Kim ohne Frage – die musikalische auch. Perlende Sechzehntelketten taucht sie schon im 'Andantino' in ein atmosphärisch dichtes Licht, im 'Andante cantabile' dringt sie klangsensibel in dessen tief melancholisches Seelenleben vor. Im 'Presto' bringt sie die nötige Portion Virtuosität mit, im 'Maestoso' setzt sie geballte pathetische Kräfte frei. Mit stets transparenter Klangschichtung entwirft sie eine durchweg lebendige Dramaturgie.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Moments Musicaux: Yeseul Kim, Klavier

Label:
Anzahl Medien:
Genuin
1
Medium:
EAN:

CD
4260036257250


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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