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Mittwoch, 17. August 2022

Josquin Desprez: Stabat Mater - Cantica Symphonia, Giuseppe Maletto

Marianisches vom Meister


Label/Verlag: Glossa
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wunderschöne Marienmotetten von Josquin Desprez, vom Ensemble Cantica Symphonia in mildem Glanz und all den Feinheiten geboten, die für Josquins wunderbare Musik prägend sind.

Josquin Desprez scheint in der Musikgeschichte zur Gattung der in gewisser Weise von äußerer Kritik Enthobenen zu gehören – in seiner Zeit ebenso wie im Blick der Nachfahren. Diese überragende Stellung ist in Anbetracht der üppigen Qualitäten seiner Musik bei genauerem Hinsehen und Hinhören alles andere als überraschend. Zu deutlich fällt sein äußerst sicherer, Möglichkeiten auslotender Satz auf, zu klar wird Josquin durch seine Werke als eine der frühesten Stimmen gekennzeichnet, die keinerlei ‚Übersetzungshilfe‘ in die Gegenwart benötigen – war er doch ein Komponist, der inmitten strenger, oft gar starrer Regularien zu einer erkennbar individuellen Stimme gefunden hat, der bloße Formelhaftigkeit überwand, das Übliche und Gesetzmäßige meisterlich sublimierte und sich Töne und Klänge gefügig machte. Martin Luther fasste es unnachahmlich und in gewisser Weise bis heute gültig zusammen: ‚Josquin ist der Noten Meister, die haben’s müssen machen, wie er wollt; die andern Sangmeister müssen’s machen, wie es die Noten haben wöllen.‘

Das illustriert das Programm der aktuellen Platte des italienischen Ensembles Cantica Symphonia unter der Leitung des Tenors Giuseppe Maletto eindrucksvoll. Getragen wird es von ausgreifenden marianischen Motetten wie dem groß angelegten fünfstimmigen 'Stabat Mater' oder dem vielfach interpretierten vierstimmigen 'Ave Maria', dazu die große siebenteilige Anlage des vierstimmigen Satzes von 'Vultum tuum deprecabuntur'. Gespiegelt wird das Vokale in der bei Josquin aufkeimenden Welt des Instrumentalen – Vielfalt explizierend und klingende Abwechslung garantierend.

Gesammelte Expertise

Cantica Symphonia vereint, angeführt vom Tenor Giuseppe Maletto, eine erfahrene Vokalistenriege mit mannigfacher Expertise, neben anderen aus so renommierten Formationen wie La Venexiana oder La Compagnia del Madrigale. Laura Fabris und Giulia Beatini im Sopran, Elena Carzaniga im Altus, Maletto selbst mit Gianluca Ferrarini, Massimo Altieri und Livio Cavallo im Tenor sowie Marco Scavazza und Matteo Bellotto im Bass formen einen charaktervollen Ensembleklang, kenntlich in jedem einzelnen der Register. Individualität verschwindet nicht in harmonischem Schönklang, manche der Stimme hat durchaus Momente des Körnigen. Doch dominiert dieser Zugang nicht, ergeben sich in zartester Stimmgebung wunderbare reduzierte Konstellationen, werden Gespinste von allerfeinster Anmutung ausgeformt. Dazu trägt die insgesamt gelungene Artikulation bei: Große Bögen werden sicher und ausgreifend durchmessen, in zugleich präzis formulierten Linien; allfällige Zäsuren sind das auf natürliche Weise von allen gemeinsam gefundene Ziel.

All das wird von wenigen, charakteristischen Instrumenten geschmackvoll kontrastiert oder gemeinsam erwogen. Orgel, Harfe, Fideln, Posaunen und Zugtrompete steuern mit hintergründiger Behändigkeit Klange von schlichter Größe, gesammelter Faktur und klar definierter Farbkraft bei, eher mürbe wirkend denn üppig nach außen gerichtet. All das entfaltet Giuseppe Maletto in frei fließenden Tempi, ohne Force. Das Klangbild der in verschiedenen Kirchen in Vicenza und Turin entstandenen Aufnahme ist gesammelt und geprägt von konzentrierter Klarheit, zugleich maßvoll räumlich nobilitiert.

Eine eher stille Platte mit feinem Programm: Wunderschöne Marienmotetten von Josquin Desprez, vom Ensemble Cantica Symphonia in mildem Glanz und all den Feinheiten geboten, die für Josquins wunderbare Musik prägend sind.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Josquin Desprez: Stabat Mater: Cantica Symphonia, Giuseppe Maletto

Label:
Anzahl Medien:
Glossa
1
Medium:
EAN:

CD
8424562319097


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Despres, Josquin


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Glossa

Spaniens renommiertestes Klassiklabel wurde 1992 von Carlos Céster und den Brüdern José Miguel und Emilio Moreno gegründet. Sein "Hauptquartier" hat es in San Lorenzo del Escorial in den Bergen nahe Madrid. Zahlreiche herausragende Künstler und Ensembles aus dem Bereich der Alten Musik (z.B. Frans Brüggen und das Orchestra of the 18th Century, La Venexiana, Paolo Pandolfo, Hervé Niquet und sein Concert Spirituel u.v.a.) finden sich im Katalog des Labels. Doch machte GLOSSA von Anfang an auch wegen der innovativen Gestaltung und Produktionsverfahren von sich reden. Zu nennen wären hier die Einführung des Digipacks auf dem Klassikmarkt und dessen konsequente Verwendung, der Einsatz von Multimedia Tracks oder die Platinum-Serie mit ihrem avantgardistischen Design. Innerhalb der vergangenen knapp zwei Jahrzehnte konnte GLOSSA so zu einem der interessantesten Klassiklabels auf dem Markt avancieren. Zu verdanken ist dies nicht zuletzt auch dem Spiritus rector und Gesicht des Labels, Carlos Céster.


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