> > > Werke von César Franck und Richard Strauss: Ekaterina Litvintseva, Nordwestdeutsche Philharmonie, Jonathan Bloxham
Mittwoch, 14. April 2021

Werke von César Franck und Richard Strauss - Ekaterina Litvintseva, Nordwestdeutsche Philharmonie, Jonathan Bloxham

Schwungvoll, aber auch etwas rabiat


Label/Verlag: Profil - Edition Günter Hänssler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ekaterina Litvintseva ist eine gute Solistin in konzertanten Werken von Franck und Strauss, doch die übertriebene Dramatik des Orchesters unter Jonathan Bloxham tut den beiden Werken nicht gut. Etwas besser sieht es bei den Tondichtungen aus.

Was haben César Franck und Richard Strauss gemeinsam? Nicht viel, außer dass sie eben beide Komponisten waren, möchte man zunächst meinen. Dennoch wirkt die Koppelung von Werken der beiden Tondichter auf dieser CD schlüssig, vor allem, wenn man sich die zwei Schöpfungen für Klavier und Orchester ansieht: In beiden Fällen handelt es sich um kein ‚richtiges‘ Klavierkonzert, bei Franck explizit als 'Symphonische Variationen' betitelt, bei Strauss als 'Burleske' – und doch sind die Stücke in den meisten Fällen (etwa im Konzertsaal) an der Stelle des ‚richtiges‘ Klavierkonzertes präsent. Beide Werke entstanden auch zur gleichen Zeit, am Ende des 19. Jahrhunderts – 1885 bei Franck, zum Jahreswechsel 1885/86 bei Strauss. Da die beiden Kompositionen eine CD nicht füllen, lag es wohl nahe, je eine weitere Tondichtung von Franck ('Le Chasseur maudit') und Strauss ('Tod und Verklärung') mit hineinzunehmen, so dass der Tonträger in jedem Fall gut gefüllt ist. Es musiziert die Nordwestdeutsche Philharmonie unter der Leitung von Jonathan Bloxham, Solistin am Klavier ist Ekaterina Litvintseva.

Francks Tondichtung 'Le Chasseur maudit' bildet den Auftakt. Das heute relativ selten gespielte Werk wurde 1883 durchaus erfolgreich uraufgeführt, woran die unmittelbare Eingängigkeit der meisten Themen einen großen Anteil haben dürfte. Schon das einleitende Horn-Signal erleichtert dem Hörer die Assoziation mit dem Thema ‚Jagd‘, ähnlich deutliche Motive durchziehen das gesamte Werk. Bisweilen wirkt Francks Tonsprache hier allerdings etwas grob und hölzern, deutlich weniger subtil als in seinen besten Werken (etwa der Violinsonate). Bloxham dirigiert das Werk schwungvoll und mit beachtlichen dynamischen Steigerungen, die teilweise regelrecht erschütternd wirken. Der Orchesterklang ist klar und transparent, die im Werk prominent vertretenen Hörner können sich wiederholt auszeichnen. Wenn aber gelegentlich das Becken geradezu dazwischenfährt, bleibt die Balance doch ein wenig auf der Strecke. Insgesamt wirkt die Tondichtung fast etwas rabiat, sowohl im Vergleich mit den ungleich gelungeneren Variationen von Franck selbst als auch im Vergleich mit Strauss. Die (sehr solide musizierte) Aufnahme macht, wohl etwas unfreiwillig, klar, warum das Werk nicht zum Kern-Repertoire gehört.

Auf Augenhöhe

Dies ist bei den 'Symphonischen Variationen' schon eher der Fall, jedenfalls liegt das Stück in einer Vielzahl von Einspielungen vor. Der Titel verrät schon die Distanz Francks zum traditionellen Virtuosenkonzert: Der Klavierpart ist zwar anspruchsvoll, aber nicht hyper-virtuos, und steht einem (mindestens) gleichberechtigten Orchester gegenüber. Entsprechend sollten Klavier und Orchester auf Augenhöhe musizieren, was in dieser Aufnahme gut gelingt. Litvintseva übertreibt es nicht mit der pianistischen Kraftentfaltung, so dass die Orchesterinstrumente mühelos mit ihr dialogisieren können. Bei der einen oder anderen orchestralen Steigerung im Laufe des Werkes entsteht aber auch hier der Eindruck einer gewissen forcierten Übertreibung, die dem Werk nicht gut bekommt. Fast scheint es, als wolle Bloxham dadurch die hier bewusst fehlende Brillanz ausgleichen – das passt nur bedingt zum eher kühlen Stil Francks, dessen Effekte ganz aus der intensiven motivisch-thematischen Arbeit entstehen sollten. An der souveränen Pianistin liegt es jedenfalls nicht, wenn die Wirkungen des Stückes hier teilweise verpuffen.

Die 'Burleske' von Richard Strauss ist rein technisch gesehen anspruchsvoller als die Franck-Variationen und stellt das Klavier auch deutlicher in den Vordergrund. Litvintseva kommt dies insofern entgegen, als sie hier ihre technische Brillianz voll ausspielen und sich virtuos entfalten kann. Ihr Spiel wirkt kraftvoll und robust, sie hat keine Probleme, sich gegen das leider auch hier manchmal etwas lärmende Orchester zu behaupten. Vor allem an den Stellen, an denen das Blech schmettert und dröhnt, vermisst man bisweilen die orchestrale Balance, die eigentlich Hauptaufgabe eines Dirigenten sein sollte. Nicht auszuschließen allerdings, dass es ebenso an dem etwas halligen Gesamtklang liegen könnte. Der Eindruck ist so gemischt: Einerseits wird sehr sauber und akkurat musiziert, andererseits bekommt die etwas aufgesetzt wirkende orchestrale Kraft dem Werk nicht gut. Bloxham, so scheint es, will hier einfach zu viel. Darunter leidet auch die Balance zwischen Solistin und Orchester ein wenig.

Effektvolle Tutti-Ausbrüche

Das dramatische Pathos des Dirigenten wirkt gelungener beim abschließenden Strauss-Werk, der Tondichtung 'Tod und Verklärung'. Hier können die Musiker der Nordwestdeutschen Philharmonie – zumal die Blechbläser – endlich mit jenen kraftvollen Steigerungen punkten, die in den beiden konzertanten Werken eher hinderlich waren. Das langsame Anschwellen vom kaum hörbaren Pianissimo bis hin zu den effektvollen Tutti-Ausbrüchen wurde auch klanglich gut eingefangen, Details wie beispielsweise das Violin-Solo (ab T. 37) kommen fein ausbalanciert zur Geltung. Auch vom insgesamt straffen Tempo, das Bloxham anschlägt, profitiert das Werk. Als abschließendes Stück einer insgesamt eher ungewöhnlichen Zusammenstellung steht 'Tod und Verklärung' auf jeden Fall an der richtigen Stelle – jedes sich hier noch anschließende Stück würde angesichts der klanglichen Opulenz und dynamischen Wucht der Tondichtung verfehlt wirken.

Insgesamt wirkt sich die schwungvolle Dramatik, die bei den Tondichtungen angebracht sein mag, auf die 'Symphonischen Variationen' und die 'Burleske' eher ungünstig aus. Da auch die klangliche Balance nicht immer optimal ist, ist das Fazit eher mittelprächtig. Mit Ausnahme von Francks 'Le Chasseur maudit' sind die Werke auch schon in einer großen Zahl von Einspielungen erhältlich. Wen die ungewöhnliche Kombination von Franck und Strauss jedoch reizt, der könnte die Zusammenstellung dennoch mit Gewinn hören.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Werke von César Franck und Richard Strauss: Ekaterina Litvintseva, Nordwestdeutsche Philharmonie, Jonathan Bloxham

Label:
Anzahl Medien:
Profil - Edition Günter Hänssler
1
Medium:
EAN:

CD
881488200607


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Franck, César
Strauss, Richard


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