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Sonntag, 17. Oktober 2021

Tobias Zeutschner: Weihnachtshistorie - Weser-Renaissance, Manfred Cordes

Schlesische Weihnacht


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine schöne Weihnachtsgabe von Weser-Renaissance Bremen und Manfred Cordes, mit durchaus abseitigem, gleichwohl charmantem Repertoire. Es kann sehr schön auch schlesisch weihnachten. Wer Alternativen zu allzu Gängigem sucht – hier wird er fündig.

Auf seiner aktuellen Weihnachtsplatte widmet sich Manfred Cordes mit seinem Ensemble Weser-Renaissance Bremen beim Label cpo einer schlesischen Stimme des 17. Jahrhunderts: Tobias Zeutschner kommt zu Wort, 1621 in der Grafschaft Glatz geboren, mit seiner Familie aus konfessionellen Gründen zur Abwanderung gezwungen, wie es in jener Zeit nicht nur Schlesiern widerfahren konnte, seit 1649 in Breslau zu finden, ab 1655 als Organist an St. Maria Magdalena, seiner Lebensstellung. Diese zweite der großen Kirchen der Stadt bot Zeutschner jene Umgebung, in der sein Talent gedieh, nicht nur das organistische – ein bedeutendes musikalisches Zentrum der Region, dem er etliche Impulse verdankte.

Das weihnachtliche Programm zeigt ihn als Schöpfer klangschöner Werke, zumeist geistlicher Konzerte, die fein gearbeitet sind, inspiriert und auf der Höhe der Zeit. Auch einige anonyme Überlieferungen hat Manfred Cordes in das Programm integriert, zum Beispiel ein elaboriertes 'Hosianna Filio David', vor allem aber das große Magnificat am Schluss, das durch volkstextliche Einschübe zwischen den lateinischen Versen aufgelockert ist. Ob nun Zeutschner oder einer seiner Kollegen – vielleicht Michael Büttner oder Bernhard Beyer – Urheber waren: Der Qualität tut das fehlende Wissen um die Urheberschaft keinen Abbruch. Der ‚Vermarktbarkeit‘ vielleicht schon – insofern gelingt Cordes und seinem Ensemble nebenher ein schönes Plädoyer für die unvoreingenommene Akzeptanz der Musik nicht namentlich bekannter Meister.

Im Zentrum steht eine Weihnachtshistoria von Zeutschner, unter dem Titel 'Die Geburth unsers HERRN und Heylandes Jesu Christi' zu 18 instrumentalen und vokalen Stimmen. Es ist im Grunde ein ausgedehntes geistliches Konzert, chorisch gerahmt, mit einem kompakt erzählenden Evangelistenbericht, abgewechselt vom Engel und den Hirten, dazu instrumental mit allem Gepränge versehen, dessen die Zeit fähig war, immer wieder in kompakte rhythmische Wirkungen mündend. Wer also barocke Pracht in einer halbstündigen Weihnachtsgeschichte erleben möchte, ist hier richtig: Sehr schöne, repräsentative Musik.

Souverän und stilsicher

Diese Wirkung entfaltet sie natürlich auch wegen der hohen Qualität der Interpreten. Vokal sind im Sopran Marie Luise Werneburg und Magdalena Podkoscielna zu hören, im Altus David Erler und Beat Duddeck, Tenor singen Mirko Ludwig, Christian Volkmann und Nils Giebelhausen, Bass Franz Spenn und Carsten Krüger. Es ist eine Reihe exzellenter Könner, getragen von Stilbewusstsein und affektiver Dezenz. Aus diesem feinen Ensemble treten einzelne Akteure mit solistischen Gesten von Substanz hervor, zum Beispiel Mirko Ludwig als eloquenter Evangelist oder David Erler in dem lateinischen Konzert 'Ecce nunc benedicte'. Im beschließenden Magnificat meint man im Wechsel der lateinischen und deutschen Texte die sängerische Imaginationskraft besonders deutlich zu hören. Insgesamt wird mit einer großen Selbstverständlichkeit gesprochen, in einer natürlichen Geste, was die Musik auch artikulatorisch trägt. Denn die Instrumente – Streicher, Zinken, Posaunen, Trompeten, Pauke, Chitarrone und Orgel – greifen diese Impulse in einer farbigen Szenerie auf, technisch souverän und spielerisch in der Inspiration. Vor allem die Violinen sind mit ihrem silbrigen Charme prägend, die Posaunen mit gedeckten Tönen, die Trompeten mit mild glänzendem Strahl, dazu ein lebendiger Basso continuo mit Substanz und Struktur.

Manfred Cordes führt das Ensemble in frisch bewegten Tempi durch die kurzweilige Musik. Dynamisch werden die gar nicht knappen Mittel der Formation mit Geschmack und Sinn für die klug gesetzte Pointe entfaltet. Intoniert wird unangestrengt leicht, solistisch wie im Ensemble. Klanglich schlägt die Stiftskirche in Bassum als bewährter Aufnahmeort positiv zu Buche: Schöne Räumlichkeit verbindet sich mit klarer Gliederung und plastischer Detailtiefe. Eine schöne Weihnachtsgabe von Weser-Renaissance Bremen und Manfred Cordes, mit durchaus abseitigem, gleichwohl charmantem Repertoire. Es kann sehr schön auch schlesisch weihnachten. Wer Alternativen zu allzu Gängigem sucht – hier würde er fündig.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Tobias Zeutschner: Weihnachtshistorie: Weser-Renaissance, Manfred Cordes

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203536825


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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