> > > Antonio Rosetti: 3 Violin Concertos: Lena Neudauer, Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim, Johannes Moesus
Mittwoch, 14. April 2021

Antonio Rosetti: 3 Violin Concertos - Lena Neudauer, Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim, Johannes Moesus

Kantabilität vor Virtuosität


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Antonio Rosettis drei Violinkonzerte strotzen nicht gerade vor Innovationskraft, betonen dafür aber umso stärker das lyrisch-kantable Element. In Lena Neudauers Interpretation kommt dieses Element hervorragend zur Geltung.

Der Mozart-Zeitgenosse Antonio Rosetti (1750 bis 1792) ist vor allem als Komponist von Instrumentalkonzerten im musikalischen Gedächtnis geblieben. Während seine übrigen Werke weitgehend vergessen sind, erfreuen sich die Konzerte (unter anderem für Oboe und Fagott) neuerdings einer gewissen Beliebtheit, sie liegen teilweise in mehreren Einspielungen vor. Die Geigerin Lena Neudauer hat auf der vorliegenden CD drei Violinkonzerte ausgewählt, die formal wenige Überraschungen aufweisen: Sie folgen der bewährten Dreisätzigkeit, orientieren sich an der gängigen Harmonik des späteren 18. Jahrhunderts und sind in der Gegenüberstellung von Solo und orchestraler Begleitung so strukturiert, wie man es von einem Konzert erwartet. Rosetti war diesbezüglich kein großer Innovator. Dass er von seinen Zeitgenossen dennoch geschätzt wurde, dürfte vor allem an seiner melodischen Begabung liegen: Die ganz auf das Soloinstrument zugeschnittenen Stücke bieten der Violine großzügige Gelegenheit zur lyrisch-sanglichen Entfaltung, die instrumentale Virtuosität ist zwar vorhanden, tritt aber gegenüber dem kantablen Element eindeutig zurück. Neudauer wird vom Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim unter der Leitung von Johannes Moesus begleitet.

Bestens eingefangener Charakter

Alle drei Konzerte stehen in einer Dur-Tonart und präsentieren sich im Wesentlichen in heiter-gelöster (aber niemals trivialer) Stimmung, die dramatischen Abgründe, die sich bei Mozart immer wieder auftun, fehlen bei Rosetti gänzlich. Der rasante, vorwärtstreibende Charakter der Kopfsätze wird in dieser Interpretation bestens eingefangen: Die von Moesus gewählten, relativ raschen Tempi passen sehr gut ins Gesamtbild und kontrastieren effektvoll mit den Mittelsätzen (zweimal Adagio, nur im F-Dur-Konzert 'Andante moderato'), wo es die Musiker etwas langsamer angehen lassen. Die meist relativ schlichten Begleitaufgaben überfordern die Orchestermitglieder nicht gerade, sie erledigen ihre Aufgabe souverän und rollen so gleichsam den roten Teppich für Neudauer aus. Die Geigerin lässt sich nicht zweimal bitten und entfaltet in allen drei Stücken ein raffiniertes violinistisches Panorama, wobei sie über eine beachtliche dynamische Schattierungsfähigkeit verfügt. Vom zarten Pianissimo bis zu kraftvollen Fortissimo-Steigerungen ruft sie ein breites Spektrum ab. Dabei steht ihr Instrument klanglich deutlich im Vordergrund, was aber bei einem Solokonzert vollkommen in Ordnung ist. Größere Balance-Probleme gibt es angesichts des schmal besetzten Orchesters (neben Streichern nur Oboen und Hörner) ohnehin nicht.

Rosettis drei Konzerte (im Murray-Verzeichnis die Nummern C5, C7 und C11) entpuppen sich so als musikalische und interpretatorische Glücksfälle, über deren lange Vernachlässigung man sich nur wundern kann. Gewiss erreichte er nicht ganz Mozarts Niveau, darf aber mit einigem Recht gleich dahinter eingeordnet werden. Wie so oft, ist die Interpretation ein entscheidender Faktor – zunächst mal ganz schlicht die Frage, ob die Werke eines Komponisten überhaupt gespielt werden, und dann natürlich die Frage, wie sie gespielt werden. Die letzte Frage kann im vorliegenden Fall mit einem schlichten ‚hervorragend‘ beantwortet werden. Die im Beiheft erwähnte ‚kraftvoll-frische Melodik‘ ist ein zentraler Faktor für die Attraktivität von Rosettis Musik. Neubauer, Moesus und das Pforzheimer Orchester bringen diese Melodik wunderbar zur Geltung.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Antonio Rosetti: 3 Violin Concertos: Lena Neudauer, Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim, Johannes Moesus

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203538126


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Rosetti, Antonio
 - Violin Concerto in C Major, Murray C5 - Allegro molto
 - Violin Concerto in C Major, Murray C5 - Adagio
 - Violin Concerto in C Major, Murray C5 - Rondeau. Allegro
 - Violin Concerto in D Major, Murray C7 - Allegro molto
 - Violin Concerto in D Major, Murray C7 - Adagio molto
 - Violin Concerto in D Major, Murray C7 - Rondeau. Allegretto ma non presto
 - Violin Concerto in F Major, Murray C11 - Allegro moderato
 - Violin Concerto in F Major, Murray C11 - Andante moderato
 - Violin Concerto in F Major, Murray C11 - Rondo. Andante. Allegro


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Dirigent(en):Moesus, Johannes
Orchester/Ensemble:Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim
Interpret(en):Neudauer, Lena


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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