> > > Franz Berwald: Septet, Serenade Piano Quartet: Franz Ensemble
Montag, 12. April 2021

Franz Berwald: Septet, Serenade Piano Quartet - Franz Ensemble

Musikalischer Querkopf


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Franz Ensemble spielt auf seiner neuen Platte groß besetzte und sehr eigenwillige Kammermusik von Franz Berwald.

Der Anspruch ist nicht gerade bescheiden: Das Franz Ensemble reklamiert für sich im Beiheft nicht weniger als eine ‚neue Art des Musizierens‘. Wollte man das wörtlich nehmen, so könnte das Urteil nur lauten, das Ensemble sei an seinem eigenen Anspruch gescheitert, denn was an ihrer Art zu musizieren nun grundsätzlich neu sein könnte, bleibt letztlich unklar. Fest steht indes, dass das junge Ensemble auf seiner zweiten Platte mit Musik von Franz Berwald ungewöhnliche Werke sehr überzeugend präsentiert.

Runder Klang

Im Septett, besetzt mit Klarinette, Horn, Fagott, Violine, Viola, Cello und Kontrabass, somit in der Nachfolge Beethovens, haben sich die Musiker für einen außerordentlich weichen Klang entschieden. Ein 'Allegro molto', wie der erste Satz überschrieben ist, könnte man sich allerdings wohl lebhafter vorstellen, dazu trägt auch der Eindruck bei, dass dynamisch eher mit halber Kraft gefahren wird. Doch Balance und Intonation sind tadellos, und vor allem wirkt der Klang wunderbar rund. Der Satz, der in einigen Abschnitten an Schubert erinnern könnte, erhält dadurch eine sehr idyllische Prägung. Das Gegenteil ist im Finale der Fall, einem 'Allegro con spirito', das schwungvoller kaum denkbar wäre. Einige Akzente im Horn scheinen grotesk überbetont und man hätte das sicher dezenter lösen können. Doch bereiten diese eigenartigen Akzente eine Episode vor, die von den Interpreten überhaupt unerwartet dramatisch gestaltet wird, innerhalb des sonst so harmlos wirkenden Satzes also eine Überraschung. Und der aus Stockholm stammende Berwald war vielleicht auch einfach ein Querkopf, man beachte nur den eigenartigen Schluss des Werkes.

Noch deutlicher tritt dieser Aspekt im Quartett op. 1 für Klavier, Klarinette, Horn und Fagott zu Tage. Es handelt sich um ein ziemlich verrücktes Werk voller höchst überraschender Wendungen, das daher, wie der Komponist selbst erwartet hatte, bei den Zeitgenossen auch prompt durchfiel. Die Interpreten betonen diese Verrücktheiten auch hier, indem sie Berwald beim Wort nehmen und zum Beispiel die Dynamik, jedenfalls meistens, so gestalten, wie der Komponist es in den Noten angegeben hat, mit ziemlich harten Kanten nämlich.

Querkopf Berwald

Berwald als Querkopf, der mit seinen in der Form allzu wilden Werken die Zeitgenossen nicht wirklich überzeugen konnte, dürfte wohl der einzige Komponist der Musikgeschichte sein, der in seinem wechselvollen Leben zeitweilig als Entwickler von orthopädischen Geräten sowie als Leiter einer Glashütte und einer Sägemühle arbeitete, bevor er schließlich auf eine Professur für Komposition berufen wurde – als alter Schwede mit 71 Jahren.

Man kann bei Berwald selbst im friedlichsten und sonnigsten Umfeld nie sicher sein, ob nicht bereits der nächste Takt in eine aufgewühlte, turbulente Stimmung umschlägt. Im Quartett ist das gut zu beobachten, und genau das geschieht auch im letzten Werk der Platte, der Serenade für Klarinette, Horn, Viola, Cello, Kontrabass und Tenor. Das ungewöhnliche, 14 Minuten dauernde Werk wird hauptsächlich von den Instrumenten bestritten, die fast alle mit solistischen Aufgaben hervortreten. Der Sänger, hier Patrick Vogel mit schlankem Tenor, steuert lediglich drei eher kurze Strophen bei – und die sind deutlich opernhaft, zugleich aber musikalisch überraschend schlicht gehalten. Erwähnt werden sollen noch der wie bei Dabringhaus und Grimm fast immer sehr gute Klang der Platte sowie ein ebenso gelungener Einführungstext im Beiheft.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Franz Berwald: Septet, Serenade Piano Quartet: Franz Ensemble

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Anzahl Medien:
MDG
1
Medium:
EAN:

CD
760623218960


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Berwald, Franz


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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