> > > Romantische Klaviertrios: Pallas-Trio
Donnerstag, 18. Juli 2019

Romantische Klaviertrios - Pallas-Trio

Eine Entdeckung wert


Label/Verlag: Musicaphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


...

Drei Klaviertrios unbekannter romantischer Tonsetzer vereint diese CD des Labels ‚Mediaphon’. Zwei der Komponisten, Friedrich Kiel (1821-1885) und Friedrich Ernst Koch (1862-1927) weisen in der Biographie gewisse Parallelen auf: beide genossen als Pädagogen höchstes Ansehen, ihre Kompositionen sind heute jedoch vergessen. Zumindest Kiels Schaffen verdiente eine Renaissance; zu Lebzeiten wurde er in einem Atemzug mit Brahms genannt und wurde nicht nur als Lehrer, sondern auch als Komponist bei seinen Kollegen anerkannt und geschätzt. Der dritte im Bunde ist einer der Tonsetzer, die mitunter als ‚letzter Romantiker’ apostrophiert werden: Hans Pfitzner (1869-1949). Von ihm ist auf der CD ein ausgesprochenes Frühwerk zu hören, nämlich das mit 17 Jahren komponierte Klaviertrio B-Dur, das vor jugendlichem Überschwang geradezu überschäumt und noch nichts vom asketischen Stil des späten Pfitzner erahnen lässt. Kiels hier präsentierte Komposition ist das Klaviertrio A-Dur op. 65/1, eine vom klassischen Formmodell ausgehende und vom romantischen Geist beseelte, dabei handwerklich überaus sicher gearbeitete Komposition. Kochs Beitrag zu dieser CD ist in diesem Sinne kein Klaviertrio; beim ‚Waldidyll’ op. 20 handelt es sich vielmehr um drei Charakterstücke für die typische Klaviertrio-Besetzung, betitelt ‚Mondandacht’, ‚Nixenspuk’ und ‚Waldesrauschen’. Sind bei den beiden anderen Werken in formaler Hinsicht die klassischen Vorbilder unverkennbar, handelt es sich bei Kochs kleinem Zyklus wohl um die ‚romantischste’ der drei Kompositionen.

Das Pallas-Trio, bestehend aus Kathrin Rabus (Violine), Wolfram Geiss (Cello) und Wolfgang Wagenhäuser (Klavier) präsentiert die drei Werke frisch und unmittelbar ansprechend. Das Ensemble präsentiert sich technisch auf hohem Niveau, das Spiel ist technisch makellos, die Intonation sicher und der Gesamteindruck, beispielsweise in Sachen Dynamik, homogen. Die Interpretationen bleiben aber in bloßer Technik nicht stecken, der Ton ist stets warm und beseelt, bestens geeignet also, den Funken auf den interessierten Hörer überspringen zu lassen und Werbung für die unbekannten Stücke und Komponisten zu machen. Der besonders den beiden ‚klassischen’ Klaviertrios innewohnenden vorwärtsdrängenden Energie wird ebenso Rechnung getragen wie dem romantischen Ausdruckswillen des Waldidylls, der, ebenso wie die verhaltene Lyrik der langsamen Sätze der anderen Stücke, in großen Bögen überzeugend herausgearbeitet wird.

Der Klang der drei Instrumente ist auch aufnahmetechnisch bestens aufeinander abgestimmt, niemand dominiert im Gesamtklang über Gebühr. Darüber hinaus kommt die Qualität dieser 1989 entstandenen Aufnahme allerdings über gehobeneren Durchschnitt nicht hinaus, der Klang könnte insgesamt etwas natürlicher sein. Immerhin trüben keine Störgeräusche oder sonstige Mängel das Gesamtbild.
Das Booklet sieht auf den ersten Blick ziemlich dürftig aus, versorgt den Hörer aber immerhin doch durch recht kompakt geschriebene Texte mit den wichtigsten Informationen über Komponisten, Werke und Ausführende. Warum allerdings ein so kränkliches Gelb, das sich zudem mit dem Landschaftsbild reibt, als Grundfarbe für das Cover gewählt wurde, bleibt fraglich. Wenn es auch keine Einbußen nach sich zieht, verwöhnt es doch zumindest das Auge eines potentiellen Käufers nicht gerade.

Gerade bei unbekannteren Werken oder Tonschöpfern wäre man etwas ausführlicheren Begleittexten sicher nicht abgeneigt. Die Interpretationen dieser sicher zu Unrecht unbekannten Werke sind aber auf jeden Fall überdurchschnittlich gut, das kompositorische Niveau der Stücke kann zudem durchaus mit dem bekannten Repertoire mithalten, so dass diese CD zwar vor allem, aber nicht nur dem Kammermusikfreund vorbehaltlos empfohlen werden kann.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Romantische Klaviertrios: Pallas-Trio

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Musicaphon
1
01.01.1996
58:31
1989
1994
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4012476568133
M 56813


Cover vergössern

Kiel, Friedrich
Koch, Friedrich E.
Pfitzner, Hans Erich


Cover vergössern

Interpret(en):Pallas-Trio,


Cover vergössern

Musicaphon

Ende der 50er Jahre gründete Karl Merseburger, Inhaber des Tonkunstverlages in Darmstadt, das Label CANTATE. Etwa zur gleichen Zeit rief Karl Vötterle (Bärenreiter-Verlag) in Kassel MUSICAPHON ins Leben. In beiden Fällen sollte vorrangig das jeweilige Verlagsprogramm auf Tonträgern dokumentiert werden. Nachdem Merseburger den Tonkunstverlag 1963 aufgeben mußte, übernahm Bärenreiter das Label CANTATE und führte beide gemeinsam unter dem Dach der 1965 gegründeten Vertriebsfirma "Vereinigte Schallplattenvertriebsgesellschaft Disco-Center" fort. Auf beiden Labels erschienen in den 60er und 70er Jahren bedeutende Aufnahmen. Besondere Schwerpunkte setzte Wilhelm Ehmann, Leiter der Westfälischen Kantorei in Herford, mit seinen historischer Aufführungspraxis verpflichteten Interpretationen der Werke von Heinrich Schütz. Bach-Kantaten wurden von Helmuth Rilling mit der Gächinger Kantorei und dem Figuralchor der Gedächtniskirche Stuttgart eingespielt. MUSICAPHON gewann daneben Profil mit der Veröffentlichung musikethnologischer Aufnahmen, herausgegeben von der UNESCO (Musik des Orients und Musik Afrikas) bzw. vom musikwissenschaftlichen Institut der Universität Basel (Musik Ozeaniens und Musik Südostasiens). 1994 erwarb der Musikwissenschaftler Dr. Rainer Kahleyss (Kassel) die Label, 1996 auch die Vertriebsfirma von Bärenreiter, die jetzt als "Klassik Center Kassel" firmiert. Seitdem werden auf CANTATE geistliche Musik, auf MUSICAPHON weltliche Musik vom Frühbarock bis zur Gegenwart veröffentlicht. Auch für die Rezeptionsgeschichte bedeutsame Aufnahmen der Altkataloge werden sukzessive auf CD umgestellt.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Musicaphon:

  • Zur Kritik... Verwandtschaftsverhältnisse: Hörbare Herzensangelegenheit in Sachen Nischenrepertoire – mit winzigen Schönheitsfehlern. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Jenseits des Scheins: Volle Hingabe an die Musik: Werke für Viola von Grey, Gorb, Britten, Bliss u.a. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Homogene: Programmtechnisch begibt sich der Violinist Alois Kottmann mit seiner neuen CD auf eine Reise quer durch Europa, dabei bleibt er aber seinen Eigenheiten im Spiel stets mehr als treu. Weiter...
    (Susanna Morper, )
blättern

Alle Kritiken von Musicaphon...

Weitere CD-Besprechungen von Christian Vitalis:

  • Zur Kritik... Bretonische Legende auf der Opernbühne: Ordentliche Aufnahme aus Liège der heute recht unbekannten Oper 'Le Roi d'Ys' von Édouard Lalo. Zwar nicht Referenzklasse-Niveau, angesichts der geringen Auswahl aber dennoch empfehlenswert, sofern man sich für die Oper interessiert. Weiter...
    (Christian Vitalis, )
  • Zur Kritik... Homogener als erwartet: Eine Gegenüberstellung von Orgelwerken finnischer Komponisten und solchen von J. S. Bach und Buxtehude bietet Kari Vuola mit dieser Platte. Faktisch fallen die im Titel versprochenen Kontraste geringer aus als erwartet. Weiter...
    (Christian Vitalis, )
  • Zur Kritik... Stille und Einkehr: Es sind hier drei Konzertstücke zu hören, deren Entdeckung eine lohnende Bereicherung ist. Der Japaner Toshio Hosokawa versteht sich auf Musik an der Grenze zur Stille. Gelungene Interpretationen aus Luxemburg. Weiter...
    (Christian Vitalis, )
blättern

Alle Kritiken von Christian Vitalis...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Musik aus Andalusien: Das Orquestra Baroca Sevilla bringt eine CD mit Trauermusik aus dem Andalusien des 18. Jahrhunderts heraus. Weiter...
    (Anneke Link, )
  • Zur Kritik... Les Rarissimes de Gina Bachauer: Die griechische Pianistin Gina Bachauer hätte eine vertiefte diskografische Erkundung verdient. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Klingende Jahreszeiten: Dmitri Kitajenko gibt mit der Zagreber Philharmonie eine Lehrstunde in musikalischer Poesie. Weiter...
    (Karin Coper, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/2019) herunterladen (2731 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Friedrich Schneider: Symphonie Nr.16 A-Dur - Finale. Allegretto vivace

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich