> > > Die Späth-Orgel in St. Oswald Regensburg: Roman Emilius, Orgel
Samstag, 10. April 2021

Die Späth-Orgel in St. Oswald Regensburg - Roman Emilius, Orgel

Interessantes Orgelporträt eines versierten Organisten


Label/Verlag: TYXart
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Späth-Orgel in St. Oswald zu Regensburg, die auf dieser CD vorgestellt wird, weist einige Besonderheiten auf. Ihre Disposition lässt eher an eine romantische Orgel denken als an ein Instrument, das 1750 eingeweiht wurde.

Die Späth-Orgel hat eine merkwürdige Disposition: Auf dem Hauptwerk finden sich fünf 8‘-Register, nur ein 4‘-Register und die Klangkronen. Das zweite Manual verfügt demgegenüber nur über ein 8‘-Register. Die Namen der Register sind in Italienisch abgefasst, für den deutschen Orgelbau absolut unüblich. Außerdem fehlen im Pedal einige Töne in der untersten Oktave. Es handelt sich um ein Instrument süddeutscher Bauart. Bei den leisen Registrierungen hört man den Anschlag der Tasten auf das Holz. Das führt zu einem perkussiven Effekt, der in vielen historischen Orgeln zu hören ist. Das ist kein Mangel, sondern eine Bereicherung. Nicht umsonst enthalten viele alte Orgeln diesen Effekt.

Lebenslust und Feuer

Das Programm dieser CD entsprich dem Charakter der Orgel. Das älteste Werk wurde von Heinrich Scheidemann (1596-1663) komponiert. Alle anderen Kompositionen fallen in die Bach-Zeit. Auch von Johann Sebastian Bach selbst sind zwei Stücke vertreten, 'Nun komm der Heiden Heiland' BWV 659 und Fantasie a-Moll BWV 561. Bei letzterer Komposition ist die Urheberschaft Bachs strittig; sie wurde auch kaum einmal auf CD eingespielt. Es handelt sich wahrscheinlich um ein Jugendwerk des Komponisten und es sprüht geradezu vor Lebenslust und Feuer. Die Verwandtschaft mit Pachelbel ist unverkennbar, ebenso der Einfluss der norddeutschen Orgelschule. Es finden sich aber auch schon erste Anzeichen für den italienischen Einfluss, der später so bedeutsam wird. Eine umfangreiche Choralpartita über 'Freu dich sehr, o meine Seele' stammt von Georg Böhm. Diesen Komponisten lernte Bach während seiner Schulzeit in Lüneburg kennen. Es finden sich weitere Preziosen von Pasquini, Neufville und Krebs. Das jüngste Werk ist eine Bearbeitung des Adagios für Glasharmonika KV 356 von Mozart. Er hatte die Klaviere von Späth und Johann Andreas Stein, der an dem Bau der Orgel mitbeteiligt war, in einem Brief lobend erwähnt. Deshalb ist sein Erscheinen auf dieser CD durchaus sachgerecht.

Tiefsinnige Unterhaltung

Roman Emilius ist der Organist dieser CD. Es ist erstaunlich, mit welcher Könnerschaft er die ausgewählten Werke darbietet. Die Fantasia a-Moll geht er mit ungewöhnlicher Registrierung an. In ihrem Verlauf wird die Komposition immer virtuoser. Mit untadeligem Anschlag eilt der Organist durch das Werk, bringt hier noch einen Triller, dort noch eine Verzierung an – wahrhaft meisterhaft gespielt. Seine Registrierungskunst bietet er vor allem in der Choral-Partita auf; bei dem merkwürdigen Registerangebot dieser Orgel gar nicht so einfach. Von Pasquini erklingt die überaus reizvolle Toccata con lo Scherzo del Cucco, also ein Stück über den Kuckucksruf. Auch hier wird abwechslungsreich musiziert mit offensichtlichem Humor – ein Paradestück für tiefsinnige musikalische Unterhaltung. Mit ähnlichem Verve werden auch die Stücke von Krebs gespielt. So ist eine hochinteressante CD entstanden, ein spannendes Orgelporträt mit meist unbekannten Kompositionen, meisterhaft und virtuos dargeboten von einem sehr guten Organisten – ein Ohrenschmaus in jeder Hinsicht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Die Späth-Orgel in St. Oswald Regensburg: Roman Emilius, Orgel

Label:
Anzahl Medien:
Spielzeit:
TYXart
1
64:32
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4250702801443
TXA19144


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"CD "Die Späth-Orgel in St. Oswald Regensburg"

Werke von Scheidemann, Bach, Mozart, Krebs u. a.

Roman Emilius, Orgel



Frantz Jacob Späth wurde 1714 in Regensburg geboren und starb am 23. Juli 1786 daselbst. Er erbaute in Regensburg 1750 die Orgel der Oswaldkirche und 1758 die Orgel der Dreieinigkeitskirche. Von dieser sind lediglich das Gehäuse und einige wenige Pfeifen erhalten. Berühmt wurde Späth allerdings wegen seiner Klaviere, v. a. wegen der Erfindung des Tangentenflügels. Das Instrument, zwischen Cembalo und dem Hammerklavier stehend, begründete den internationalen Ruhm der Firma. Bis heute sind noch ungefähr 20 Klaviere dieser Bauart in den wichtigsten Instrumentensammlungen erhalten. Wie andere Klavierbauer seiner Zeit experimentierte er auch: 1770 bewarb er in einer Anzeige sein Clavecin d'Amour, ein Kombinationsinstrument mit Saiten und einem Orgelregister (Flauto traversiere) auf zwei Manualen.

Die Orgel der Oswaldkirche wurde am 27. Dezember 1750 "mit Musiken von Trp. und Pauken" festlich eingeweiht. Der Neubau der Orgel steht im Zusammenhang mit dem Umbau der Kirche, der1708 mit der Barockisierung des Langhauses begann, sich 1724–26 mit der Umgestaltung des Chores fortsetzte und 1750 mit dem Einbau der Oratorien, in denen die Gesandten dem Gottesdienst beiwohnten, ihren Schlusspunkt fand. Dabei kam es schon 1707 zum Einbau einer Orgel, der wohl missglückte. Bittschriften an den Rat der Stadt bezeugen die ungenügende Situation. So wurdeschließlich ein Neubau beschlossen und Frantz Jacob Späth 1748 um einen Kostenvoranschlag für eine Orgel gebeten. Sein neues Instrument hat der Orgelbauer signiert, an unsichtbarer Stelle in der Positivwindlade: Durch Jesu Gnadentrieb soll meine Orgel klingen / gib Jesu deinen Geist, so wird es wohl gelingen.

Am Bau der Orgel war Johann Andreas Stein beteiligt, später ein berühmter Klavierbauer in Augsburg. Er stammte ebenfalls aus einer Orgelbauerfamilie, lernte bei Johann Andreas Silbermann in Straßburg, ehe er 1749/50 bei Späth in Regensburg arbeitete. Bei einer Bewerbung als Orgelbauer in Augsburg gab er als wichtige Referenz an: "...ist in Regensburg in der großen schönen Orgel von St. Oswald das ganze Pfeiffwercke, als das Wesen einer Orgel, von meiner eigenen Handt verfertiget und intonieret." So ergeben sich interessante Beziehungen von Silbermann in Straßburg, Späth in Regensburg und Stein in Augsburg, bis zu Mozart. Letzterer erwähnt Späth und Stein in einem Brief an den Vater nach Salzburg anlässlich eines Besuchs in Augsburg.

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts blieb die Orgel weitgehend unverändert erhalten. Erst bei einem Umbau der [...]
[Auszug aus dem CD-Booklet-Text, Roman Emilius]



CD-Programm / Trackliste:

HEINRICH SCHEIDEMANN (ca. 1596–1663)
Toccata in G

JOHANN SEBASTIAN BACH (1685–1750)
Nun komm, der Heiden Heiland BWV 659

GEORG BÖHM (1661–1733)
Freu dich sehr, o meine Seele Choralpartita

JOHANN JACOB DE NEUFVILLE (1684–1712)
Ciaccona h-Moll

JOHANN SEBASTIAN BACH
Fantasie a-Moll BWV 561

WOLFGANG AMADEUS MOZART (1756–1791)
Adagio C-Dur KV 356 für Glasharmonika

BERNARDO PASQUINI (1637–1710)
Toccata con lo Scherzo del Cuccó

JOHANN LUDWIG KREBS (1713–1780)
Fantasie in F Krebs-WV 419
Fantasia a gusto italiano Krebs-WV 422
Fantasie in F Krebs-WV 420-1


Ausführliche Informationen, Texte, Photos etc. im CD-Booklet, Texte 3-sprachig (DE, EN, FR)"


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TYXart ist es ein besonderes Anliegen, die emotionalen, geistigen und intellektuellen Anforderungen von Musikliebhabern mit hochwertigen künstlerischen Einspielungen zu erfreuen - und dass Tiefsinn, Humor, Stille, Kraft, Nachdenklichkeit, aber auch Lebensfreude, Jubel oder Trauer, also alles, was die musikalischen Befindlichkeiten des Menschen erhebt und befriedigt, in unseren Veröffentlichungen enthalten ist.

Es geht uns dabei nicht in erster Linie nur um "Berühmtheit" oder "Perfektionismus", sondern ums Humane, Originelle, Individuelle und um die begeisternden und begeisterten Interpretationen ungewöhnlicher Musiker, auch der ganz jungen. Jede CD ein Unikat! Das soll unser Motto sein. Dass sich unserem Konzept bereits mehrere außergewöhnliche und berühmte Künstler spontan anschließen, beruht auf deren Überzeugung von der Richtigkeit unseres Anspruchs.

Herausragende Musiker und Ensembles der Veröffentlichungen: Giora Feidman (Klarinette), Elena Denisova (Violine), Yojo (Klavier), Liana Issakadze (Violine), Alexander Suleiman (Violoncello), Corinne Chapelle (Violine), Carmen Piazzini (Klavier), Franz Grundheber (Bariton), Matthias Veit (Klavier), Nathalia Prishepenko (Violine), Alexandra Sostmann (Klavier), Franz Hummel (Komponist), Masako Sakai (Klavier), Ensemble del Arte (Kammerorchester), Vardan Mamikonian (Klavier), Jakob David Rattinger (Viola da Gamba), Werner Schneyder (Musik-Kabarett), TRIO ZERO, Sojka Quartett, Deutsches Saxophon Ensemble, Moscow Symphony Orchestra ...

Wir stellen zusammen mit unseren Künstlern in Serien wie z.B. "Modern Classics", "Rising Stars" oder "Crazy Edition" Aufsehen erregende Musikaufnahmen unserer Zeit ungewöhnlichen Interpretationen aus mehreren Epochen gegenüber, um ein breites Publikum auf die Lebendigkeit, Schönheit und Kühnheit neuer Kompositionen im Fokus radikaler oder besonders individueller Interpretationen traditioneller Werke aufmerksam zu machen. Lassen Sie sich auch jenseits von Mainstream-Bewegungen begeistern von den sensationellen Einspielungen der Künstler bei TYXart!


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