> > > Adolph Bernhard Marx: Mose: GewandhausChor, camerata lipsiensis, Gregor Meyer
Freitag, 5. März 2021

Adolph Bernhard Marx: Mose - GewandhausChor, camerata lipsiensis, Gregor Meyer

Vokal unterbesetzt


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die im Orchesterpart historisch informierte Einspielung eines wichtigen Oratoriums des 19. Jahrhunderts krankt an nicht hinreichender vokaler Charakterisierung.

Nicht nur als Komponist, auch als Musikhistoriker war Adolph Bernhard Marx (1795–1866) von beachtlicher Bedeutung; 1830 wurde er Musikprofessor an der Berliner Universität, er war Musikkritiker der Vossischen Zeitung, Gründungsmitglied des Berliner Tonkünstlervereins sowie Mitbegründer des Stern’schen Konservatoriums. Er profilierte sich unter anderem als Beethoven-Biograf und gab Werke von Händel und Bach heraus. Auch sein Name fällt (neben jenem Mendelssohn Bartholdys) regelmäßig bei der Betrachtung der Wiederaufführung von Bachs Matthäus-Passion 1829.

Von eigenem Charakter

Als Komponist war Marx lange fast vollständig vergessen, so dass die Einspielung des 1841 in Breslau uraufgeführten 'Mose'-Oratoriums nun umso willkommener ist. Das dreiteilige Werk lässt sich gleichberechtigt Mendelssohn Bartholdys 'Elias' und 'Paulus' zur Seite stellen, ist aber doch ganz eigenen Charakters. Der Bezug zu Bach ist gerade in harmonischer Hinsicht offensichtlich, doch instrumentatorisch hören wir die neueren Entwicklungen Spohrs, Mendelssohns, Schumanns oder Loewes. Interessant ist Marx‘ Entscheidung, dass die Stimme Gottes vom Chor gesungen wird.

Die Solopartien sind vornehmlich lyrisch besetzt – auch Daniel Ochoa als Mose sowie Felix Schwandtke als Aaron beginnen mehr mit schönem Stimmgesang als individueller Charakterisierung (vor allem das große Rezitativ Mose‘ im III. Teil hätte noch mehr Profil vertragen) – allerdings steigern sie sich zu ihrem gemeinsamen Höhepunkt 'Lass mein Volk ziehn'. Auch die Sopranistinnen Julia Sophie Wagner (Mirjam) und Johanna Knauth (Königin) bringen wenig eigene vokale Charakteristik ein – im Gegenteil mangelt es ihnen (besonders Knauth) gar an jener stimmlichen Kultiviertheit und Sicherheit, die ihre Kollegen auszeichnet. Am überzeugendsten unter den Damen ist Henriette Gödde als Mutter des Pharao – ihre Szene mit Pharao (Tobias Hunger) im III. Teil gerät zu einem Höhepunkt der Einspielung.

Leider charakterisiert auch der GewandhausChor bei allem Engagement viel zu wenig, so dass der Chorpart einen etwas pauschalen Eindruck vermittelt – für ein ‚Chororatorium‘ bleiben in diesem Bereich zu viele Wünsche offen. Dies ist umso bedauerlicher, als der Orchesterpart mit hörbarem Engagement und Verständnis für die Musik exekutiert wird: Die camerata lipsiensis spielt historisch informiert und hebt vorzüglich die charakteristischen Orchesterklangfarben hervor. Die Textverständlichkeit des Chors ist durch nicht ganz optimale Mikrofonierung nicht immer gewährleistet – ein weiteres Mal gerät das Orchester etwas zu stark in den Vordergrund, eine gute Klangbalance besteht nur zwischen Solisten und Orchester.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Adolph Bernhard Marx: Mose: GewandhausChor, camerata lipsiensis, Gregor Meyer

Label:
Anzahl Medien:
cpo
2
Medium:
EAN:

CD
761203514526


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Marx, Adolph Bernhard
 - Mose - Die Berufung
 - Mose - Die Berufung
 - Mose - Die Berufung
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 - Mose - Die Berufung
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Dirigent(en):Meyer, Gregor


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
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Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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