> > > Mariss Jansons: Last Concert at Carnegie Hall: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons
Freitag, 22. Januar 2021

Mariss Jansons: Last Concert at Carnegie Hall - Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons

Bleibende Erinnerung


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese CD hält Mariss Jansons' letzten Auftritt mit dem BRSO fest.

Überwiegend kein positives Echo rief der Auftritt des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks am 08. November 2019 in der New Yorker Carnegie Hall in der lokalen Presse hervor. Dafür gab es einen Grund: Chefdirigent Mariss Jansons war zu diesem Zeitpunkt gesundheitlich äußerst angeschlagen – Orchestermusiker ahnten nach eigener Aussage (ebenso wie wohl er selbst) bereits bei der überaus beschwerlichen Anspielprobe, dass sie vielleicht nicht mehr viele Konzerte mit ihrem Chefdirigenten erleben würden. Tatsächlich war es Jansons‘ letztes, auch während des Auftritts wurde er durch die Bühnentür hindurch beständig ärztlich beobachtet, seine geschwächte Konstitution war nach außen hin deutlich erkennbar.

Schwierige Bedingungen

Die Konfrontation mit solch einer Situation geht natürlich auch am Orchester nicht spurlos vorüber, daran kann man deutlich die – vor allem im ersten Programmteil – auftretenden Unstimmigkeiten festmachen, die man so vom BRSO sonst nicht kennt. Von Koordinationsproblemen und verschwommenen Konturen ist Richard Strauss‘ erstes von vier symphonischen Zwischenspielen ('Reisefieber und Walzerszene') aus 'Intermezzo' op. 72 geprägt. In die versonnene Idylle der zweiten Episode ('Träumerei am Kamin. Ruhig schwebend') versenkt sich das Orchester danach durchaus mit kantabler Intensität, das kammermusikalische Flair rund um das sensibel intonierte Violinsolo wird gut charakterisiert. 'Am Spieltisch' und 'Fröhlicher Beschluss' geraten jedoch vom Klangbild her wiederum relativ wackelig. Im Anschluss gab es an jenem Abend Strauss‘ Vier letzte Lieder' TrV 296, in denen allerdings Solistin Diana Damrau, wie dem Publikum zuvor angekündigt, zusätzlich erkältungsbedingt hörbar indisponiert war. Wohl deswegen wurde dieser Teil des Konzerts auf der CD ganz ausgespart.  

Zum Abschied Brahms

Nach einer beunruhigend in die Länge gezogenen Pause stand Brahms‘ Symphonie Nr. 4 e-Moll op. 98 auf dem Programm. In deren Kopfsatz wirken die Tempi zuweilen etwas schleppend. Wer Jansons und seine sich stets bedingungslos hingebende, inspirierte Art zu musizieren kennt, weiß, dass bei ihm derlei Ungenauigkeiten unter normalen Umständen undenkbar gewesen wären. Insgesamt lässt sich aber doch eine deutlich erhöhte Präsenz und Sicherheit im Vergleich zum ersten Teil konstatieren, das 'Andante moderato' gelingt mit homogener Streicherwärme. Im 'Allegro giocoso' und im Schlusssatz setzt Jansons dann auch wirklich nochmals dynamische Energien und emotional gebündelte Kräfte frei. Spielfreudig mitreißende Verve besitzt schließlich die Zugabe: Brahms‘ 'Ungarischer Tanz' Nr. 5 g-Moll (in der Bearbeitung von Albert Parlow) ist das letzte Stück, das Jansons öffentlich dirigiert hat. Bei allen situationsbedingten musikalischen Defiziten, die diese Interpretationen aufweisen: Die Veröffentlichung war eine gute Entscheidung, sie ist ein wertvolles, bleibendes Dokument der Erinnerung an das letzte gemeinsame Konzerterlebnis des BRSO und seines langjährigen Chefdirigenten. Und sie ist eine Reverenz an einen sowohl für Musiker als auch Publikum unvergesslichen Ausnahmedirigenten. Sie ist gleichsam die klingende Quintessenz einer diesen Klangkörper maßgeblich prägenden Ära.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mariss Jansons: Last Concert at Carnegie Hall: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
1
06.10.2020
072:20
2019
Medium:
EAN:
BestellNr.:
Booklet
CD
4035719001921
900192


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Brahms, Johannes
 - Symphonie Nr. 4 -
Strauss, Richard
 - Intermezzo -


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"Am 8. November 2019, wenige Wochen vor seinem unerwarteten Tod, dirigierte Mariss Jansons während einer Gastspielreise mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks in der Carnegie Hall, New York (USA) sein letztes Konzert. Auf dem Programm standen die vier sinfonischen Zwischenspiele aus Richard Strauss’ Oper „Intermezzo“ sowie die vierte Symphonie von Johannes Brahms; als Zugabe erklang dessen berühmter Ungarischer Tanz Nr. 5. Die in der Carnegie Hall mitgeschnittene Live-Aufnahme, hier erstmals von BR-KLASSIK auf CD veröffentlicht, ist das klingende Vermächtnis des großen Dirigenten. Mit dem Tod von Mariss Jansons hat die Musikwelt vor einem Jahr eine ihrer größten Künstlerpersönlichkeiten verloren. Jansons, 1943 in Riga als Sohn des Dirigenten Arvῑds Jansons geboren, studierte am Leningrader Konservatorium und vervollständigte seine Ausbildung bei Hans Swarowsky in Wien und Herbert von Karajan in Salzburg. 1971 wurde er Preisträger beim Karajan-Wettbewerb und begann seine enge Zusammenarbeit mit den heutigen Sankt Petersburger Philharmonikern, zunächst als Assistent von Jewgenij Mrawinskij, später als ständiger Dirigent. Von 1979 bis 2000 war Jansons Musikdirektor des Philharmonischen Orchesters Oslo, von 1997 bis 2004 leitete er das Pittsburgh Symphony Orchestra; zur Spielzeit 2003/04 wurde er Chefdirigent von Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Mit der Saison 2004/05 begann zudem seine Amtszeit beim Koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam, die 2015 endete. Als Gastdirigent arbeitete er mit den führenden Orchestern in Europa und den USA zusammen. Seine Diskographie umfasst viele preisgekrönte Aufnahmen. Jansons war Ehrenmitglied bedeutender Musikgesellschaften; zu seinen Lebzeiten wurden ihm zahlreiche Auszeichnungen verliehen, darunter die Hans-von-Bülow-Medaille der Berliner Philharmoniker, der Bayerische Maximiliansorden für Kunst und Wissenschaft, der renommierte Ernst von Siemens Musikpreis oder das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern. Die letzten siebzehn Jahre seines Lebens – von 2003 bis 2019 – war Mariss Jansons Chefdirigent von Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Der Klangkörper wie sein Chefdirigent schätzten gegenseitig ihre enge künstlerische und menschliche Verbindung, die zu zahlreichen unvergesslichen Konzerten führte. Jansons unerbittlicher Anspruch an sich selbst und auch an seine Musiker, sein stets respektvoller Umgang mit seinen Kolleginnen und Kollegen und seine große Hingabe an die Musik standen stets im Vordergrund der gemeinsamen Arbeit. Mariss Jansons nimmt in der Geschichte des Orchesters einen Ehrenplatz ein, der ihm ein lebendiges und ehrendes Andenken bewahren wird. MARISS JANSONS Dirigent Chefdirigent von Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks von 2003 bis 2019 SYMPHONIEORCHESTER DES BAYERISCHEN RUNDFUNKS "


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BR-Klassik

Herausragende Musikaufnahmen der drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks werden unter einer gemeinsamen Marke den Musikfreunden angeboten. Das Label heißt BR-KLASSIK. Zum Start sind acht Tonträger sowie eine DVD am 18. September 2009 veröffentlicht worden. Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 150 Aufnahmen.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Münchner Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks genießen sowohl in der Region als auch international einen außergewöhnlichen Ruf in Bezug auf Qualität, künstlerische Kreativität und die Vermittlung von klassischer Musik. Im Konzertsaal und in Hörfunk- und Fernsehübertragungen sind die drei Klangkörper regelmäßig zu hören. Herausragende Konzerte, besonders gelungene Interpretationen und selten zu hörende Werke werden nun unter der gemeinsamen Marke BR-KLASSIK auf dem hauseigenen Label dokumentiert.

Das CD-Label BR-KLASSIK ist organisatorisch bei der BRmedia Service GmbH angesiedelt, dem für die Zweitverwertungen zuständigen Tochterunternehmen des Bayerischen Rundfunks, und wird von Stefan Piendl als Label-Manager geleitet. Mit ihm konnte der Bayerische Rundfunk einen erfolgreichen, externen Experten mit umfassender, internationaler Erfahrung für die Mitwirkung an seinem neuen Label BR-KLASSIK gewinnen.

In der Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE bringt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks historische Aufnahmen des Labels zu Gehör. Z.B. war an zwei denkwürdigen Konzertabenden die Pianistin Martha Argerich zu Gast, 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 unter Seiji Ozawa.

Im Vertrieb werden die Neuerscheinungen von BR-KLASSIK weltweit durch NAXOS betreut. Damit ist eine bestmögliche Präsenz auf allen wichtigen internationalen Märkten gewährleistet. Zu einer modernen Vertriebsstruktur gehört selbstverständlich auch die Möglichkeit des digitalen Downloads über Musikportale wie iTunes, Spotify u.a.. Auch dieser Vertriebsweg wird über die Firma NAXOS erschlossen. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit Tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK.


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