> > > O Nata Lux: The Zurich Chamber Singers
Freitag, 5. März 2021

O Nata Lux - The Zurich Chamber Singers

Weihnachtsmischung


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Zurich Chamber Singers mit einem ansprechenden, stilistisch durchaus gemischten Programm zu Advent und Weihnachten, ebenso schön gesungen, mit kleinen Reserven.

Die 2015 von Christian Erny und Emanuel Signer gegründeten Zurich Chamber Singers haben nach ihrem Plattendebüt 'Passio' beim Label Ars Produktion jetzt bei Berlin Classics ein adventlich-weihnachtliches Pendant dazu auf den Markt gebracht. Es ist programmatisch eine Mischung aus klassischen Anteilen – Praetorius‘ Röslein ist ebenso zu hören wie Osianders 'Nun komm, der Heiden Heiland', einige Bearbeitungen von Bachs Schemelli-Gesängen oder das stimmungsvolle 'Maria durch ein‘ Dornwald ging'. Dazu gibt es kontrapunktische Großkaliber zu hören, etwa Tomás Luis de Victorias 'O magnum mysterium', Thomas Tallis‘ titelgebendes 'O nata lux' oder das ausgreifende Magnificat im fünften Ton aus der Feder von Hieronymus Praetorius. Außerdem sind schöne Ausdeutungen traditionellen französischen Materials durch Joseph Bovet und Madeleine Perissas zu erleben, dann eine ‚Abteilung‘ mit Max Bruch, Gustav Holst und der betörenden 'Hymn to a virgin' von Benjamin Britten. Und Gegenwärtiges nimmt einigen Raum ein.

Letzteres ist vertreten mit Rhiannon Randle (geb. 1993), deren Satz 'O nata lux' nah an oder gar in der tonalen Welt siedelt, gelegentlich rau ist und mit pointierten Farben aufwartet, immer aber verträglich und auch aus dem Kontext der anderen Bereiche heraus kaum je unstimmig wirkt. Im zweiten Teil steht mit 'O magnum mysterium' des 1979 geborenen Norwegers Marcus Paus ein Satz, der nicht nur dank seiner mehr als elf Minuten umfassenden Ausdehnung Eindruck macht: Das chorische Geschehen wird von einer Marimba begleitet, die viel mystisch-sphärische Akzente setzt; gelegentlich treten milde, dezent platzierte Irritationen hinzu – freilich verlässt auch dieses Stück nie den interpretatorischen Gesamtrahmen der anderen Kompositionen.

Engagiert und klangschön

Der hier neunzehnköpfige Chor verfügt über klar profilierte Register, vor allem die Randstimmen Sopran und Bass sind markant ausgebildet und zeichnen besonders klar, doch auch Alt und Tenor sind von überzeugender Kenntlichkeit. Ergebnis ist kein pauschaler Chorwohlklang, sondern eine Szenerie, die Charme und Klangsüße zu verströmen in der Lage ist. Besonders in den französischen Sätzen zahlt das deutlich auf das interpretatorische Konto ein, in schön gefassten Frauen- und Männerchören etwa. Auch bei Britten ist der Zugang geschmackvoll gewählt, wirkt aber doch um einen Moment zu verhalten, vielleicht zu kalkuliert. Am deutlichsten erweist sich ein Satz wie Bruchs 'Wiegenlied der Hirten' als ideales Medium. Die ‚Klassiker‘ von Osiander bis Bach werden mindestens rollendeckend geboten.

Bleiben neben den hörbar mit erheblichem Engagement und tragfähigem Zugang gesungenen Sätzen der Gegenwart noch die kontrapunktischen Anteile. Das Entrée mit Tallis gerät noch zu amorph, Linien bleiben zu wenig plastisch. Victoria gelingt weit ansprechender, und Praetorius ist dann mit den aus vergleichbarem Repertoire vertrauten interpolierten Anteilen von lateinischer Kontrapunktik und liedhafteren Einschüben auch in deutscher Sprache das interpretatorische Feld, auf denen sich das Ensemble deutlich heraustraut: Hier werden die dynamischen Kontraste plastisch ausgearbeitet, nachdem die große chorische Pranke zuvor – repertoirebedingt über weite Strecken durchaus nachvollziehbar – stecken gelassen wurde. Hier sind es dann auch frischere Tempi, die für die Deutung einnehmen. Zuvor will es scheinen, als hätte gerade manchem der längeren Sätze in dieser Hinsicht etwas mehr Differenz gutgetan.

Verlässlich und frei

Gelegentlich kippt die chorische Balance im Männerbereich zugunsten der famosen Bässe: Die vier Tenöre singen schöne Linien, müssen den kantigen sechs Stimmen in der Etage unter dem eigenen Register aber manchmal mehr Raum als nötig überlassen. Die Sprachduktus der Formation ist klar und leicht, wirkt fasslich und präsent. Sprache ist allerdings nicht immer das Vehikel für zündende Deutung, gerade in strophischen Stücken hätte mehr Differenz in der Diktion ertragreich sein können. Intoniert wird über weite Strecken verlässlich, stabil und frei, mit Wirkungen geschmeidiger Leichtigkeit. Kleinere Trübungen sind in einigen freien Einsätzen zu verzeichnen, die auch organisatorisch nicht komplett geschlossen wirken. Die Phrasierung ist dem Grunde nach wortorientiert, entfaltet sich aber in manchem Satz auch in lyrischer Geste bis zur wunderbar süßen Linie. Das Klangbild überzeugt mit Transparenz, klarer Präsenz aller Register und wirkt bei aller Klarheit nie skelettierend: Ein sehr schöner Gesamteindruck von Chor und Musik wird umschrieben.

Die Zurich Chamber Singers mit einem ansprechenden, stilistisch durchaus gemischten Programm zu Advent und Weihnachten, ebenso schön gesungen, mit kleinen Reserven.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    O Nata Lux: The Zurich Chamber Singers

Label:
Anzahl Medien:
Berlin Classics
1
Medium:
EAN:

CD
885470016016


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Bach, Johann Sebastian
Britten, Benjamin
Bruch, Max
Holst, Gustav
Praetorius, Hieronymus
Praetorius, Michael
Tallis, Thomas


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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