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Freitag, 5. März 2021

Liszt/Schubert: Schwanengesang - Can Cakmur, Klavier

Liszts Lieder ohne Worte


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Schubert-Liszt in einer virtuosen, aber vor allem melodischen Interpretation: Can Çakmur brilliert mit dem 'Schwanengesang', den Liszt 1840 kongenial für Klavier solo arrangiert hat.

Warum sollte man überhaupt eine Lied-Transkription spielen? Der türkische Pianist Can Çakmur beantwortet diese Frage im Fall der hier versammelten Schubert-Transkriptionen von Franz Liszt sehr schlüssig: ‚A masterful arrangement becomes a work of its own‘, schreibt er im Beiheft, eine herausragende Transkription beginnt also, ein Eigenleben als Werk zu führen. Für einige Liszt-Arrangements von Schuberts Liedern gilt dies ohne Zweifel, z. B. für den 'Erlkönig', aber der von Çakmur für diese SACD ausgewählte 'Schwanengesang' hat bisher kaum ein solches Eigenleben geführt. Selten ist eine der Bearbeitungen im Konzertsaal zu hören, noch seltener der ganze Zyklus. Auch die 'Quatre Valses oubliées' (ein Originalwerk, keine Transkription) gehören nicht gerade zu den Liszt-Klassikern, insofern hat sich Çakmur ohne Zweifel für eine ungewöhnliche Zusammenstellung entschieden. Wie klingt seine Interpretation?

Die Reihenfolge der 14 Lieder hat Çakmur so angepasst, dass eine – wie er es nennt – ‚emotional journey‘ entsteht, er beginnt zwar wie üblich mit der 'Liebesbotschaft' und endet mit der 'Taubenpost', wandelt aber die Abfolge dazwischen ab. Der virtuose Anspruch der Transkriptionen ist durchgehend hoch, wie man es bei einem Liszt-Arrangement auch kaum anders erwarten wird. Zwar gibt es einzelne, eher lyrisch-sanfte Transkriptionen wie etwa 'Ihr Bild' (Track 3) oder das 'Ständchen' (Track 7), doch die Mehrzahl der Bearbeitungen bietet viel Gelegenheit zur pianistischen Kraftentfaltung. Çakmur verfügt über diese Kraft, lässt es aber zum Glück nicht bei virtuosem Tastendonner bewenden. Ihm gelingt vor allem die Hervorhebung der Melodiestimme hervorragend, auch dann, wenn diese bisweilen in Akkord- und Oktav-Girlanden unterzugehen droht. Die Lied-Transkriptionen wirken so in erster Linie als Lieder (wenngleich ohne Text) und erst in zweiter Linie als pianistische Werke – fast schon ein bisschen wie die 'Lieder ohne Worte' von Mendelssohn, allerdings deutlich virtuoser. Hinzu kommt eine höchst differenzierte dynamische Gestaltung des Pianisten, die ihm fulminante Steigerungen ebenso ermöglicht wie zart hingehauchte Abschlüsse.

Ohne Fehl und Tadel

Sind die 14 'Schwanengesang'-Transkriptionen unmittelbar zugänglich, so kann man dies von den 'Quatre Valses oubliées' nur bedingt behaupten. Ungetrübte Walzer-Seligkeit war Liszts Sache eher nicht, die Stücke irritieren durch abrupte Brüche und rhythmische Stockungen, sie erscheinen düster-verrrätselt. Çakmur absolviert alle vier Kompositionen ohne Fehl und Tadel, kann aber nicht verhindern, dass diese im Kontrast zu den genialen Schubert-Arrangements recht blass wirken. Insofern darf man die Koppelung als etwas unglücklich bezeichnen. Interpretatorisch gelungen ist dieses Plädoyer für Liszts Spätwerk allemal – und die beiden ausgewählten Zyklen zeigen dem Hörer auch, wie vielfältig dessen kompositorisches Schaffen ist.

Akustisch unterstützt wird der exzellente Gesamteindruck der SACD von einem Klangbild, das den Klavierton klar und natürlich wirken lässt, ohne eine Spur von Hall. Selbst im rasanten, aufbrausenden 'Atlas' (Track 8) bleibt alles gut durchhörbar. Ohne die 'Quatre Valses oubliées' schmälern zu wollen, ist es doch der 'Schwanengesang', der diese Silberscheibe bemerkenswert macht. Was Peter Gülke in seiner Schubert-Biographie über Liszts Arrangements schreibt – 'immerhin war in Liszts Transkriptionen genug Original gewahrt, dass kein Zweifel blieb, was gemeint war, dass es, in welchem Aufputz auch immer, Schubert blieb, der da redete' (Franz Schubert und seine Zeit, S. 156) – wird von Çakmur kongenial umgesetzt. Das Arrangement steht in seiner Interpretation gleichwertig neben dem Originalwerk.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Liszt/Schubert: Schwanengesang: Can Cakmur, Klavier

Label:
Anzahl Medien:
BIS Records
1
Medium:
EAN:

CD SACD
7318599925301


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Liszt, Franz


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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