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Dienstag, 18. Mai 2021

Orgel in St. Jakob zu Stralsund - Martin Rost, Orgel

Eine Orgel im spätbarocken Stil wird vorgestellt


Label/Verlag: Querstand
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Programm enthält bekannte und unbekannte Werke aus der Zeit Bachs. Damit ist eine Darstellung der Orgel mit ihren Möglichkeiten verbunden.

Im Mittelpunkt dieser CD stehen nicht so sehr der Interpret oder die Kompositionen, sondern die Orgel in der Kirche St. Jakobi zu Stralsund. Die wechselvolle Baugeschichte dieser Orgel mit Gelingen und Misslingen wird ausführlich dargestellt. Die früheste Fassung dieser Orgel wurde 1741 von Christian Gottlieb Richter erbaut. Von dem Pfeifenmaterial, das er einbrachte, und von der inneren Technik blieb so gut wie nichts erhalten, alles fiel den Restaurierungen und zuletzt dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer. Der Neubau im alten Gehäuse durch die Firma Wegscheider in Dresden erfolgte in den Jahre 2017 bis 2020. Das wenige erhaltene historische Material wurde integriert.

Gestimmt wurde die Orgel nach dem System des spätbarocken Organisten und Theoretikers Johann Georg Neidhardt (1680-1739), der als einer der ersten forderte, dass jede mögliche Tonart auf der Orgel darstellbar sein müsse. Seine Stimmung lässt das zu, aber sie ist noch so beschaffen, dass eine Unterscheidung der Tonarten gerade noch möglich ist. Entstanden ist so eine imponierende Orgel mit drei Manualen und dem Pedal. Sie ist dem spätbarocken Stil verpflichtet und hat 51 Register. Sie ist auf 16‘ basiert, das heißt, dass das Grundregister eine Oktave tiefer ist als zum Beispiel die menschliche Stimme. Das Pedal enthält sogar ein 32‘-Register, klingt also nochmals eine Oktave tiefer, das kleinste Register ist 1 3/5‘ groß und reicht bis an die obere Hörgrenze. Damit deckt die Orgel fast den gesamten Bereich ab, der von einem menschlichen Ohr wahrgenommen werden kann. Sie steht in dem imposanten Gehäuse aus dem Jahr 1741.

Umfangreiche Klangmöglichkeiten

Organist dieser Aufnahme ist Martin Rost. Als Orgelsachverständiger hat er mehr als 80 Restaurierungen historischer Orgeln begleitet, als Virtuose bedient er ein reiches Repertoire von der Renaissance bis zum 20. Jahrhundert. Entsprechend ist seine Vorstellung der Orgel geprägt von seiner souveränen Technik und Klangvorstellung, die weithin untadelig sind. An einigen Stellen wird das Pedal so stark registriert, dass die Manualstimmen ein wenig in den Hintergrund treten. Das ist aber auch das Einzige, was an dieser Aufnahme zu bemäkeln ist. Sie stellt die Orgel in ihren vielen Klangmöglichkeiten umfangreich dar.

Dabei enthält sie eine musikalische Blütenlese von Kompositionen aus der Zeit der ersten Orgel in diesem Gehäuse, also von Johann Sebastian Bach und seinen Zeitgenossen und Schülern. Bemerkenswert sind die Choralvariationen über 'Allein Gott in der Höh sei Ehr' von Daniel Magnus Gronau, einem Danziger Komponisten, der 1685, im Geburtsjahr Bachs, zur Welt kam. Martin Rost hat sich intensiv mit diesem Komponisten beschäftigt. Seine Darstellung darf als mustergültig angesehen werden, wenngleich die letzte der Variationen reichlich laut und eintönig wirkt, vom Komponisten so gewollt. Als Ausgleich erklingt im Anschluss eine Komposition Bachs über denselben Choral, und sogleich wird der qualitative Unterschied zwischen beiden ohrenfällig. Rost spielt außerdem Werke von Buxtehude und Pachelbel. Darüber hinaus sind Werke von Komponisten zu hören, die als Kleinmeister gelten, ohne solche zu sein. Es handelt sich um Christoph Wolfgang Druckenmüller, Daniel Erich und Georg Dietrich Leyding. Von Johann Ludwig Krebs gibt es eine kleine Auswahl, ebenso von den Volunteries Händels. Diese unterschiedlichen Kompositionen erhalten Registrierungen, die weithin sehr gelungen sind. So ist eine CD entstanden, die für Liebhaber von Orgelmusik aus dem Spätbarock mustergültig ist.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Orgel in St. Jakob zu Stralsund: Martin Rost, Orgel

Label:
Anzahl Medien:
Querstand
1
Medium:
EAN:

CD
4025796020113


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Querstand

Mit viel Liebe zum Detail bringt das querstand-Label dem interessierten Hörer die Vielfalt und Schönheit der klassischen Musik auf wenig ausgetretenen Pfaden näher. Das Label hat sich seit 1994 durch die Produktion hochwertiger klassischer CDs einen ausgezeichneten Ruf erworben. Über 500 Produktionen werden weltweit vertrieben, wobei ein Augenmerk auf Orgelmusik liegt. Die Gesamteinspielung der Orgelwerke von Johann Ludwig Krebs (bisher 11 CDs) und des Kantaten- und Orchesterwerkes des berühmten Bachschülers bilden ein Glanzlicht des Labels, dem mit der Serie ?Die Orgeln von Gottfried Silbermann? (8 CDs) ein weiteres zur Seite gestellt wurde (Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik 2003). Auch im kammermusikalischen und sinfonischen Bereich wurden zahlreiche CDs veröffentlicht, etwa mit dem Gewandhausorchester Leipzig. Mit der Aufnahme des Passionsoratoriums ?Der Tod Jesu? von Carl Heinrich Graun mit dem MDR Rundfunkchor und dem MDR Sinfonieorchester unter Howard Arman gewann das Label 2005 einen ECHO Klassik-Award. Im Jahre 2013 erhielt die 9-CD-Box mit allen Sinfonien Anton Bruckners, eingespielt von Herbert Blomstedt mit dem Gewandhausorchester Leipzig, den ICMA (International Classical Music Award). Mit Verlagssitz im Thüringischen Altenburg kann querstand von der einzigartigen Vielfalt der mitteldeutschen Musiklandschaft profitieren, die sich auch im Verlagsprogramm niederschlägt. Neben den vielseitigen Einflüssen der fantastischen Orgellandschaft der Region, ist es auch die Nähe zur Musikstadt Leipzig mit ihrer wunderbaren Tradition und facettenreichen Szene, auf die das Label besonderes Augenmerk richtet.


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