> > > Bach in Lübeck: Arvid Gast, Orgel
Dienstag, 18. Mai 2021

Bach in Lübeck - Arvid Gast, Orgel

Bachs Frühwerke in gültiger Interpretation


Label/Verlag: Querstand
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Oft etwas vernachlässigte Frühwerke J. S. Bachs werden in dieser Aufnahme versammelt und mit großem Ernst und Können musiziert.

Wesentliche Impulse für sein Orgelschaffen erhielt Johann Sebastian Bach durch seine Auseinandersetzung mit der Norddeutschen Orgelschule. Ihr bedeutendster Vertreter war Dietrich Buxtehude, zu dem Bach auch folgerichtig pilgerte – dabei hatte er seinen vierwöchigen Urlaub von seinen Dienstherren in Arnstadt um mehr als drei Monate überzogen. Die künstlerische Ausbeute war bedeutend. Unter anderem übernahm er die ausgedehnten Pedalsoli der Norddeutschen – noch in der berühmten Toccata in F-Dur ist dieser Einfluss nachweisbar. Auch die Choralbearbeitung erhielt wesentliche Impulse von Buxtehude.

Arvid Gast, selbst Titularorganist an der Jakobi-Kirche zu Lübeck, hat sich nun die verdienstvolle Aufgabe gestellt, die Spuren Lübecks im Frühwerk des ganz jungen Bach zu ermitteln und darzustellen. Verdienstvoll ist seine Absicht deswegen, weil die Werke zumeist in Gesamtaufnahmen ein Schattendasein fristen, also kaum einmal in dem Maße ernstgenommen werden wie die großen Werke des reifen Meisters. Dabei leben sie von dem Charme des Anfangs und sind überaus hörenswert – nicht nur als Dokumente eines verheißungsvollen Anfangs, sondern als durchaus eigenständige und hörenswerte Kompositionen.

Edler Klang

Gast nun versammelt etliche von ihnen auf dieser einen Aufnahme und vermittelt so einen Einblick in die Entwicklung des jungen Komponisten. Er lässt den Werken sein ganzes Wissen und Können angedeihen. Sein Spiel ist lebendig, nicht ohne Virtuosität. Er stellt diese aber völlig in den Dienst der jeweiligen Komposition. Der Organist nimmt sie ernst und gestaltet sie mit spürbarer Lust. Bemerkenswert ist seine Behandlung, die er den Taktschwerpunkten angedeihen lässt. Durch minimale Rubati gibt er ihnen das ihnen nach barocker Spielweise zukommende Gewicht. Darin wird seine Kenntnis historisch informierter Spielweise hörbar. Ein besonderes Anerkennung gilt auch seinen Registrierungen. Bei der Darstellung der Choralbearbeitungen legt er den Cantus firmus wie vom Komponisten vorgeschlagen auf ein anderes Manual. Doch er tut es nicht so, dass dabei die Begleitstimmen zu Nebenstimmen verkommen, die von der Hauptstimme überlagert werden, wie in so vielen anderen Aufnahmen. Haupt- und Nebenstimmen unterscheiden sich vor allem in der Klangfarbe. Und die erklingen edel aus den historischen Orgeln.

Zur Gestaltung der Klangfarben hat der Organist zwei Orgeln in St. Jakobi zu Lübeck zur Verfügung. Beide Orgeln sind von herausragender Qualität. Die kleinere wurde 1637 auf den noch heute erkennbaren Stand gebracht. Sie allein würde jeder Kirche zur Zierde gereichen. Die große Orgel erhielt ihre Gestalt 1673 durch Joachim Richborn. Die kleinere Orgel erklingt in der Stimmung Werckmeister 1, die den Tonarten die unterschiedlichen Charaktere gibt. Die große Orgel ist gleichstufig gestimmt. Beide Orgeln haben einen überaus klaren, aber wandlungsfähigen Klang. Das Begleitheft gibt Aufschluss über das Thema ‚Bach in Lübeck‘ und enthält Beschreibungen der Orgeln, ihre Dispositionen und die Registrierungen der einzelnen Stücke. Das Fazit: Besser kann man es nicht machen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Bach in Lübeck: Arvid Gast, Orgel

Label:
Anzahl Medien:
Querstand
1
Medium:
EAN:

CD
4025796020076


Cover vergössern

Bach, Johann Sebastian


Cover vergössern

Querstand

Mit viel Liebe zum Detail bringt das querstand-Label dem interessierten Hörer die Vielfalt und Schönheit der klassischen Musik auf wenig ausgetretenen Pfaden näher. Das Label hat sich seit 1994 durch die Produktion hochwertiger klassischer CDs einen ausgezeichneten Ruf erworben. Über 500 Produktionen werden weltweit vertrieben, wobei ein Augenmerk auf Orgelmusik liegt. Die Gesamteinspielung der Orgelwerke von Johann Ludwig Krebs (bisher 11 CDs) und des Kantaten- und Orchesterwerkes des berühmten Bachschülers bilden ein Glanzlicht des Labels, dem mit der Serie ?Die Orgeln von Gottfried Silbermann? (8 CDs) ein weiteres zur Seite gestellt wurde (Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik 2003). Auch im kammermusikalischen und sinfonischen Bereich wurden zahlreiche CDs veröffentlicht, etwa mit dem Gewandhausorchester Leipzig. Mit der Aufnahme des Passionsoratoriums ?Der Tod Jesu? von Carl Heinrich Graun mit dem MDR Rundfunkchor und dem MDR Sinfonieorchester unter Howard Arman gewann das Label 2005 einen ECHO Klassik-Award. Im Jahre 2013 erhielt die 9-CD-Box mit allen Sinfonien Anton Bruckners, eingespielt von Herbert Blomstedt mit dem Gewandhausorchester Leipzig, den ICMA (International Classical Music Award). Mit Verlagssitz im Thüringischen Altenburg kann querstand von der einzigartigen Vielfalt der mitteldeutschen Musiklandschaft profitieren, die sich auch im Verlagsprogramm niederschlägt. Neben den vielseitigen Einflüssen der fantastischen Orgellandschaft der Region, ist es auch die Nähe zur Musikstadt Leipzig mit ihrer wunderbaren Tradition und facettenreichen Szene, auf die das Label besonderes Augenmerk richtet.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Querstand:

  • Zur Kritik... Späte Orgelromantik eines unbekannten Komponisten: Die vorliegende Aufnahme zeigt, dass Hans Fährmann (1860-1940) der Tonsprache der Spätromantik verhaftet blieb. Weiter...
    (Diederich Lüken, )
  • Zur Kritik... Zu wenig extrovertiert: Die Streichquartette von Günter Raphael sind allemal eine Erkundung wert. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Aus dem Archiv ans Licht: Das erste Soloalbum von Philipp Mathmann und der Capella Jenensis unter der Leitung von Gerd Amelung punktet mit einer klugen und innovativen Programmgestaltung und in jeder Note mitklingendem Herzblut. Davon möchte man gerne mehr hören. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Querstand...

Weitere CD-Besprechungen von Diederich Lüken:

blättern

Alle Kritiken von Diederich Lüken...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Mit dem Zink unter Engeln: Wenn Bruce Dickey sich auf Entdeckungstour macht, ist reicher Ertrag garantiert: Englisches und anderes, das sich zu einem stimmigen Programm fügt, mit Hana Blažíková als kongenialer Partnerin. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Optimale Wiedergabe: Michael Alexander Willens und seine Kölner Akademie zeigen, wie spannend Carl Maria von Webers Klavierkonzerte klingen können. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Mutiges Bekenntnis zum traditionellen Männerchor: BR Klassik legt als Koproduzent mit dem Renner Ensemble eine CD vor, die dem Genre Männerchor zu höchsten Ehren gereicht. Weiter...
    (Christiane Franke, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (5/2021) herunterladen (2500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich