> > > Anton Rubinstein: String Quartets op.47 No.1 & 3: Reinhold Quartett
Dienstag, 26. Januar 2021

Anton Rubinstein: String Quartets op.47 No.1 & 3 - Reinhold Quartett

Mit russischem Tiefgang


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Anton Rubinsteins Streichquartette sind allemal die Entdeckung wert.

Für seine Kammermusik ist der Russe Anton Rubinstein, Gründungsdirektor des Sankt Petersburger Konservatoriums, kaum bekannt – ein Musiker, der sich primär als Interpret (Pianist und Dirigent), Musikfunktionär und auch Komponist von Musik mit Orchester (inklusive weltlichen und geistlichen Opern) profiliert hatte. Dass auch sein kammermusikalisches Schaffen aller Beachtung wert ist, erweist die vorliegende CD mit den Streichquartetten op. 47 Nr. 1 und 3, 1857 veröffentlicht. Wir haben hier einen geradlinigen Komponisten, der nicht Mendelssohn‘schen oder Schumann‘schen Feinheiten folgte, sondern einen kraftvoll-erdigeren Klang bevorzugte. Dass die beiden Quartette handwerklich vorzüglich gearbeitet sind, ist bei einem ‚Akademisten‘ selbstredend, doch entbehren die Werke eben auch nicht der emotionalen Tiefe. Die Nähe zum Musikzentrum Leipzig, in dem sich Rubinstein häufiger aufhielt, sollte nicht den Eindruck vermitteln, der Komponist habe ungefiltert den dortigen Musikgeschmack aufgegriffen.

Virtuoses Spiel

Die ersten drei von Rubinsteins zehn Streichquartetten entstanden 1852, gefolgt von der weiteren Trias op. 47; auch die vier restlichen in Zweiergruppen veröffentlichten opp. 90 und 106 erschienen in Leipzig im Druck – und dies mag zwar einerseits Rubinsteins Affinität zum Leipziger Musikleben spiegeln, vor allem aber die internationale verlegerische Bedeutung der Stadt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Neben Anverwandlungen eines wie auch immer gearteten ‚Leipziger Zeitstils‘ hat Rubinsteins Musik klares eigenes Profil: nicht nur durch den immer wieder durchblitzenden ‚russischen‘ Ton in der einen oder anderen Melodiegestaltung, sondern auch in seinen kontrapunktischen Techniken (oder eben auch dem Verzicht auf diese). Das virtuose Spiel mit Referenzen zeichnet den Kammermusiker Rubinstein gleichermaßen aus, und es muss als Überraschung gelten, dass eine Einspielung der Werke bislang auf dem Tonträgermarkt noch fast komplett fehlte (nur die ersten beiden Quartette hatten es 1992 auf CD geschafft).

Das Reinhold-Quartett (Mitglieder des Leipziger Gewandhauses, das sich aber aus offenkundigen Gründen nicht selbst Gewandhausquartett nennen kann), das sich schon mit Werken von Carl Reinecke, Eugen d‘Albert, Arnold Mendelssohn und anderen als vorzüglicher Anwalt des Vergessenen profiliert hat, macht diesem Ruf nun abermals Ehre. Rubinsteins Texturen werden durch sehrende Intensität durchzogen, dramatisch durchpulst, mit einem durchaus eigenen Quartettton, der heute keineswegs jedem Klangkörper in überzeugender Weise inhärent ist. Die Wiedergaben stellen weit mehr als eine Ehrenrettung der beiden Werke dar; sie lassen hoffen, dass die Erkundung von Anton Rubinsteins Kammermusik eine nachhaltigere werden wird.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Anton Rubinstein: String Quartets op.47 No.1 & 3: Reinhold Quartett

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203770922


Cover vergössern

Rubinstein, Anton
 - String Quartet No.41,1 in E minor - Moderato con moto
 - String Quartet No.41,1 in E minor - Allegro non troppo
 - String Quartet No.41,1 in E minor - Andante con moto
 - String Quartet No.41,1 in E minor - Allegro assai
 - String Quartet No.6 op.47,3 in D minor - Adagio molto - Allegro
 - String Quartet No.6 op.47,3 in D minor - Moderato con moto
 - String Quartet No.6 op.47,3 in D minor - Adagio molto
 - String Quartet No.6 op.47,3 in D minor - Moderato


Cover vergössern

cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Von Dr. Jürgen Schaarwächter zu dieser Rezension empfohlene Kritiken:

  • Zur Kritik... Geisterhafte Vorahnung: Das Reinhold-Quartett hat Eugen d'Alberts Streichquartette eingespielt. Weiter...
    (Miquel Cabruja, 23.03.2017)
  • Zur Kritik... Reich und ambitioniert: Carl Reineckes Streichquartette sind eine wahre Goldgrube, zumal in derart engagierter und verständnisinniger Wiedergabe. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, 12.02.2019)

Weitere Besprechungen zum Label/Verlag cpo:

  • Zur Kritik... Erfolgreicher Migrant: Ein überzeugendes Plädoyer für einen italienischen Wahlfranken. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Vokal unterbesetzt: Die im Orchesterpart historisch informierte Einspielung eines wichtigen Oratoriums des 19. Jahrhunderts krankt an nicht hinreichender vokaler Charakterisierung. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Wichtige Erkundung: Die Vokalmusik Johann Friedrich Faschs hält noch viele Entdeckungen bereit. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von cpo...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Jürgen Schaarwächter:

  • Zur Kritik... Farbenreich: Eine wichtige Wiederauflage zum Clara-Schumann-Bizentenarium. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Überflieger: Frischer Auftakt einer neuen Gesamteinspielung der Bruch-Violinkonzertwerke. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Dreimal 1784: Die Hervorhebung eines Jahres aus Haydns Leben führt zu überraschenden Perspektiven. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Jürgen Schaarwächter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Farbenreich: Eine wichtige Wiederauflage zum Clara-Schumann-Bizentenarium. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Liszts Lieder ohne Worte: Schubert-Liszt in einer virtuosen, aber vor allem melodischen Interpretation: Can Çakmur brilliert mit dem 'Schwanengesang', den Liszt 1840 kongenial für Klavier solo arrangiert hat. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Konsequente Stilschmelze: Erst Rockstar, dann Solist am Cello im Barockensemble: Genregrenzen überwindet der finnische Komponist Olli Virtaperko, indem er sie sich einverleibt. Weiter...
    (Christiane Franke, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

Class aktuell (3/2020) herunterladen (2399 KByte) NOTE 1 - Mitteilungen (1/2021) herunterladen (2400 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Giovanni Benedetto Platti: Violin Concerto in A (I 18) - Non tanto allegro

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich