> > > Carl Nielsen: Complete Works for Violin Solo and Violin and Piano: Hasse Borup, Andrew Staupe
Freitag, 5. März 2021

Carl Nielsen: Complete Works for Violin Solo and Violin and Piano - Hasse Borup, Andrew Staupe

Unerfüllt ambitioniert


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Hasse Borup und Andrew Staupe dienen Carl Nielsens Kammermusik für Violine und Klavier nicht immer mit vollem Verständnis.

Zwei ambitionierte Sonaten für Violine und Klavier hat Carl Nielsen 1895 bzw. 1912/19 komponiert, dazu eine frühe Sonate 1881/82. Diese drei Werke haben der Geiger Hasse Borup und der Pianist Andrew Staupe im Frühjahr 2019 in der dänischen Musikakademie Odense eingespielt. Akustisch kann der Hörer den unmittelbaren Eindruck der interpretatorischen Bemühungen beider Musiker erleben, deren Interpretation aber weit von einem Referenzcharakter entfernt ist.

Während die Schülersonate des Sechzehn- bis Siebzehnjährigen nachgerade nachklassischer Faktur ist, spiegelt die erste große Sonate A-Dur op. 9 nachromantische Ambition, während die zweite Komposition dieser Art mit Opuszahl, die Sonate op. 35, Nielsens ‚Zukunftspotenzial‘ auslotet: Schweifende Modulationen, intensive Konzentration und ökonomischer Einsatz der Texturen fordern höchste technische Meisterschaft und tiefes Verständnis für die Musik. Leider vermittelt sich der Eindruck, Andrew Staupe habe nicht ganz Nielsens Idiom verstanden, so dass die Musik merkwürdig entwurzelt klingt; vielleicht ist auch die Wahl eines ‚neutralen‘ Konzertflügels der Interpretation abträglich.

Zwiespältiger Eindruck

Einen weitaus zwiespältigen Eindruck aber hinterlässt nicht nur in diesem hochkomplexen Werk der Beitrag des Geigers. Hasse Borups Violinton ist nicht selten verhangen (aber dies nicht als besondere spieltechnische Eigenheit eingesetzt), die musikalischen Bögen sind nicht hinreichend auf ein Ziel hin entwickelt, die Modulationen in ihrer inneren Logik nicht sicher genug ausgeführt, vor allem aber wird allzu oft nicht sauber intoniert, so dass sich ein harmonisches Miteinander mit dem Pianisten nicht entwickeln kann. (Sollte Borup auf eine unharmonische Oktavaufteilung hinzielen, hätte er den Pianisten um eine entsprechende Flügelstimmung bitten müssen.) In der großen Sonate, der bekanntesten Komposition der CD, bleibt – besonders im Kopfsatz – auch die Gesamtstruktur unklar, zerfällt die Musik in Einzelmomente, statt ein zwingendes Ganzes zu ergeben. Vielleicht kann man den Nielsen-Interpreten mit auf den Weg geben, sie sollten sich einmal mit den zeitgleich entstandenen Violinsonaten Max Regers befassen (und vice versa) – das Verständnis für die Musik und ihre Interpretation dürfte sich stark entwickeln.

Überzeugender, auch wenn auch hier offenbar nicht immer ganz intonationsexakt ist Borup in den Kompositionen für Violine allein – Präludium und Thema mit Variationen op. 48 (1927/28) sowie Polka a-Moll und ‚Gruss‘ von 1873 bzw. 1890. Hier fühlt sich Borup hörbar um ein Vielfaches wohler als in den Violinsonaten mit Klavierbegleitung, selbst als in den beiden sentimentalen Romanzen für Violine und Klavier ohne Opuszahl. So versöhnt ein wenig gerade die große späte Komposition für Violine allein mit den eher missglückten Wiedergaben der Violinsonaten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Carl Nielsen: Complete Works for Violin Solo and Violin and Piano: Hasse Borup, Andrew Staupe

Label:
Anzahl Medien:
Naxos
1
Medium:
EAN:

CD
747313387076


Cover vergössern

Nielsen, Carl August


Cover vergössern

Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Naxos:

  • Zur Kritik... Belcanto-Oper für Arbeiter: Im Rahmen einer Tournee für die Arbeiterkammer Wien spielte das Ensemble der Wiener Staatsoper 1977 'Don Pasquale' in einer Mehrzweckhalle in der Steiermark. Mit dabei: die junge Edita Gruberova neben Tenor Luigi Alva. Weiter...
    (Dr. Kevin Clarke, )
  • Zur Kritik... Für Sammler und Liebhaber: Die vollständige Ersteineinspielung von Beethovens 'König Stephan' neben anderen patriotischen Werken. Weiter...
    (Michael Pitz-Grewenig, )
  • Zur Kritik... Wien statt Hollywood: Das Ensemble Spectrum Concerts Berlin spielt expressive Kammermusik von Erich Wolfgang Korngold. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
blättern

Alle Kritiken von Naxos...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Jürgen Schaarwächter:

blättern

Alle Kritiken von Dr. Jürgen Schaarwächter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Belcanto-Oper für Arbeiter: Im Rahmen einer Tournee für die Arbeiterkammer Wien spielte das Ensemble der Wiener Staatsoper 1977 'Don Pasquale' in einer Mehrzweckhalle in der Steiermark. Mit dabei: die junge Edita Gruberova neben Tenor Luigi Alva. Weiter...
    (Dr. Kevin Clarke, )
  • Zur Kritik... Bildgewaltige Erzählung: Schönbergs episches Oratorium ist in den Händen von Christian Thielemann und der Staatskapelle Dresden gut aufgehoben. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... 'Meine Liebe ist euer Tod': Eine fulminante Katharina Thalbach macht diese Einspielung von Bendas 'Medea'-Melodram zum Ereignis. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (3/2021) herunterladen (2500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich