> > > Brahms Symphony No. 1 & Tragic Overture: Gewandhausorchester Leipzig, Herbert Blomstedt
Dienstag, 26. Januar 2021

Brahms Symphony No. 1 & Tragic Overture - Gewandhausorchester Leipzig, Herbert Blomstedt

Zwischen den Extremen


Label/Verlag: Pentatone Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auch im hohen Alter bleibt sich Herbert Blomstedt seiner Musikästhetik treu und eröffnet mit dem Gewandhausorchester eine Brahms-Interpretation, die in ihrer Ausgeglichenheit hier und da die dramatische Komponente aus den Augen verliert.

Mit über 90 Jahren ist der für seine nüchterne Sachlichkeit bekannte Dirigent Herbert Blomstedt nach wie vor für die ein oder andere Überraschung gut. So wirkt die beim Label Pentatone neu erschienene CD-Liveeinspielung von Brahms 1. Sinfonie im Beethoven-Jahr wie eine falsch platzierte Sonderheit. Eine wirkliche Erklärung für dieses eigenwillige Marketingkonzept bleibt der Dirigent in seinem Einführungswort im Begleitheft schuldig; Brahms sei – so Blomstedt – in Zeiten, in denen die Welt riskiere, ‚ihre Seele zu verlieren‘, ein bedeutender Hoffnungsschimmer. Im Pandemiejahr ließe sich eine solche Standardphrase zweifelsfrei über jede Komponistin bzw. jeden Komponisten sagen. Nun sollen Dirigenten aber ohnehin nicht primär mit Worten, sondern vielmehr durch eindrucksvolles Musizieren überzeugen. Und in der Tat sprechen das souveräne Dirigat gepaart mit Blomstedts alterweiser Interpretation am Ende für sich.

So überzeugt die 1. Sinfonie, die als Teil eines Brahms-Gesamtzyklus im vergangenen Jahr 2019 mit dem Gewandhausorchester eingespielt wurde, durch einen homogenen und ausgewogenen Orchesterklang. In gewohnter Manier wird mit moderaten Tempi und einem schulbuchmäßigen Auf- und Abphrasieren einzelnen Passagen ausreichend Luft zum Atmen gegeben, derweil das Dirigat ohne jedwede reißerische Posse auskommt. Stattdessen erreicht Blomstedt an seiner alten Wirkungsstätte in Leipzig die Tugendhaftigkeit nach bestem Aristotelischen Sinne als Mitte zwischen den Extremen.

Maßvoller Ansatz

 

Doch bei Brahms tendiert dieser maßvolle Ansatz nicht selten dazu, hier und da ins Spannungslose abzudriften. Von Langeweile möchte man sicherlich nicht sprechen, dafür kommen die Qualitäten des Kapellmeisters in den Aufnahmen zu deutlich heraus. Blomstedts Lesart, die bei einem unerfahrenen Dirigenten zu einem ideenlosen und stockenden Hörerlebnis mutieren würde, generiert hier nicht nur makellose Schönheit, sondern gewährt ebenso einen überzeugenden musikalischen Fluss. Dennoch bleiben insbesondere die Ecksätze zu blass und gezähmt. Ein Blomstedt-Fan wird die berüchtigt bebenden Paukenschläge der Einleitung als herrlich unprätentiös gespielt bejubeln. Dem neutraleren Zuhörer kommt dagegen eher die Metapher eines prachtvollen Greifadlers mit gestutzten Flügeln in den Sinn. Und das ist für eine symphonische Einleitung, die sich nach erstmaligem Hören so nachhaltig im Gedächtnis festsetzt, wohl kaum das richtige Bild.

Dabei hat der Schwede durchaus die Fähigkeiten, das Gewandhausorchester auch in seiner dramatischen Ausdrucksstärke zu mitreißenderen Ausbrüchen zu animieren, was in der beigefügten 'Tragischen Ouvertüre' nur allzu deutlich wird. Nicht nur, dass Blomstedt die durchschnittliche Dauer der Dirigentenkollegen von ca. 14 Minuten um gut anderthalb Minuten unterbietet, er verschärft hier auch entscheidend das Klangbild mittels stärkerer Betonung der Akzente sowie durch zupackende Forteausbrüche. Dass das wirkliche Feuer erst in der 'Tragischen Ouvertüre' entfacht wird, mildert verständlicher Weise den diskografischen Wert der CD als Ganzes. Bei der Veröffentlichung der Einspielung ging es aber sicherlich auch nicht darum, die Konkurrenz durch hyperoriginelle Innovationen auszustechen. Stattdessen eignet sich die CD als grundsolide Dokumentation einer sachlichen Musikästhetik, für die sich eine große Musikerpersönlichkeit in seiner langen Dirigentenkarriere stark gemacht hat.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Brahms Symphony No. 1 & Tragic Overture: Gewandhausorchester Leipzig, Herbert Blomstedt

Label:
Anzahl Medien:
Pentatone Classics
1
Medium:
EAN:

CD
827949085062


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Brahms, Johannes


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Pentatone Classics

PentaTone wurde im Jahr 2001 von drei ehemaligen Leitenden Angestellten der Philips Classics zusammen mit Polyhymnia International (dem ehemaligen Philips Classics-Aufnahmezentrum) ins Leben gerufen.
Die Gründer von PentaTone sind überzeugt, dass der 5-Kanal Surround-Sound allmählich den heute noch gängigen Stereo-Sound ersetzen wird, vor allem weil er die Hörerfahrung immens bereichert. Die Einführung der Super Audio-CD (SA-CD) durch Sony und Philips hat es dem Hörer ermöglicht, sich den Konzertsaal direkt ins eigene Wohnzimmer zu holen. Die SA-CD hat im Vergleich zur CD eine weitaus höhere Speicherkapazität und sie kann 5-Kanal-Informationen in hoher Auflösung aufnehmen. Deshalb bietet die SA-CD einen hochwertigen Surround Sound.
Alle PentaTone-Aufnahmen erscheinen auf sog. hybriden SA-CDs, die zwei miteinander verbundene Schichten haben. Die erste enthält das normale CD-Signal, während auf der zweiten das Surround-Sound-Signal abliegt. Diese hybriden Tonträger können mit Stereo-Effekt auf jedem normalen CD-Spieler abgespielt werden. Um den Surround Sound-Effekt zu erzielen, benötigt man einen SA-CD-Spieler.
PentaTone baut seit einigen Jahren mit den hervorragenden Aufnahmen von Polyhymnia International einen neuen Klassikkatalog auf, der die berühmtesten Werke der Musikgeschichte enthält, interpretiert von absoluten Weltklasseinterpreten. So wurden Symphonie-Zyklen von Beethoven, Bruckner, Schostakowitsch und Schumann begonnen. Ein Brahms-Zyklus mit Marek Janowski am Pult des Pittsburgh Symphony Orchestra ist bereits erschienen. Sämtliche Werke für Violine und Orchester von Mozart wurden mit Julia Fischer aufgenommen, dem "Gramophone Artist of the Year 2007". In seiner kurzen Geschichte hat PentaTone bereits zahlreiche renommierte Preise gewonnen, darunter einen Grammy, einen Gramophone Award, einen Preis der deutschen Schallplattenkritik, zwei Echos, zwei Diapason d'Ors de l'année und einen CHOC de l'année.
Neben den Neuaufnahmen veröffentlicht PentaTone auch historische Surround Sound-Aufnahmen auf SA-CD. Dafür hat PentaTone sämtliche, zwischen 1970 und 1980 von Philips Classics im Quadrophonie-Verfahren entstandenen Aufnahmen für die Herausgabe auf SA-CD lizenziert. Auf diesen Einspielungen sind die legendären Philips Classics-Künstler jener Epoche zu hören. Mit dem heutigen SA-CD-System kommen diese spektakulären und hochwertigen 4-Kanal-Aufnahmen so zur Geltung, wie man es ursprünglich geplant hatte. Die Serie trägt den Titel "RQR" (Remastered Quadrophonic Recordings).


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