> > > Bronsart: Jery und Bätely: Malmö Opera Orchestra, Dario Salvi
Freitag, 26. Februar 2021

Bronsart: Jery und Bätely - Malmö Opera Orchestra, Dario Salvi

Liebesidylle auf der Alm


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dario Salvi hält mit der CD-Premiere der Oper 'Jery und Bätely' ein überzeugendes Plädoyer für die vergessene Komponistin Ingeborg von Bronsart.

Wenige Komponistinnen haben sich einigermaßen im 19. Jahrhundert in der männerdominierten Musikszene behaupten können. Fanny Hensel, Clara Schumann, Pauline Viardot oder Ethel Smyth fallen einem ein. Aber Ingeborg von Bronsart? Nur Spezialisten dürften die Künstlerin kennen, die 1840 als Tochter musikliebender Einwanderer aus Schweden in St. Petersburg geboren wurde. Sie war bereits als Jugendliche eine ausgereifte Klavierspielerin und holte sich 1858 in Weimar bei Franz Liszt den letzten pianistischen Schliff. Ihre gerade begonnene Laufbahn musste sie jedoch nach ihrer Heirat beenden, weil sie als Gattin eines preußischen Beamten nicht öffentlich konzertieren durfte. Deshalb widmete sie sich dem Komponieren. Es entstanden vorwiegend kammermusikalische Werke, Lieder, aber auch einige Opern – von Frauen damals eine absolute Seltenheit.

Eine von ihnen ist der 1873 uraufgeführte Einakter 'Jery und Bätely'. Er spielt in den Schweizer Bergen und erzählt die naive Liebesgeschichte zwischen der Bäuerin Bätely und dem Landwirt Jery, die erst mit Hilfe seines Freundes zu einem glücklichen Ende findet. Kein Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe schrieb das Textbuch, das an die dreißigmal vertont wurde. Obwohl Ingeborg von Bronsart das Stück selbst als Oper bezeichnete, erinnert es formal mehr an ein Singspiel. Nach der thematisch abwechslungsreichen Ouvertüre folgen fünfzehn meist kurze, von Dialogen unterbrochene Musiknummern, die in ein umfangreiches durchkomponiertes Finale münden.

Subtil herausgearbeitet

Der Dirigent Dario Salvi hat sich auf die Rekonstruktion vergessener Wiener Bühnenwerke des 19. Jahrhunderts spezialisiert und leitet auch die von Naxos geplante Gesamtaufnahme der Auber-Ouvertüren. Seine Vertrautheit mit dem romantischen Stil kommt auch 'Jery und Bätely' zugute: Die idyllischen Stimmungen und die tonmalerischen Naturschilderungen werden subtil herausgearbeitet, die leicht fassbaren Melodien liebevoll modelliert. Das Opernorchester aus Malmö, mit der Komponistin durch ihre schwedischen Wurzeln gewissermaßen national verbunden, reagiert auf Salvis Intentionen mit flexiblem Spiel. Caroline Bruker singt die Bätely mit mädchenhaftem, bisweilen etwas unstetem Sopran und gewandten Verzierungen. Hingegen fehlt es dem kräftigen Tenor von Harrie van der Plas als Jery an Leichtigkeit. Die tieferen Stimmen sind mit Laurence Kalaidjian als Freund Thomas und Sönke Tamsa Freier als sehr jung klingendem Vater hinsichtlich Stimmkultur und klarer Artikulation ebenbürtig besetzt. Nur die Dialoge hätten allgemein etwas mehr Schliff und Prägnanz vertragen können.

Das Booklet enthält die nötigen Hintergrundinformationen zu Ingeborg von Bronsart und ihrem Werk in englischer und deutscher Sprache, dazu die Biographien des Ensembles. Das Libretto kann man herunterladen. Die Aufnahme stellt eine wichtige Repertoireerweiterung dar, denn sie rückt den Blick stellvertretend auf die vielen bis heute vernachlässigten Komponistinnen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Bronsart: Jery und Bätely: Malmö Opera Orchestra, Dario Salvi

Label:
Anzahl Medien:
Naxos
1
Medium:
EAN:

CD
730099047678


Cover vergössern

Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Naxos:

  • Zur Kritik... Für Sammler und Liebhaber: Die vollständige Ersteineinspielung von Beethovens 'König Stephan' neben anderen patriotischen Werken. Weiter...
    (Michael Pitz-Grewenig, )
  • Zur Kritik... Wien statt Hollywood: Das Ensemble Spectrum Concerts Berlin spielt expressive Kammermusik von Erich Wolfgang Korngold. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Klingende Geschichtsstunde: Das russische Brahms Trio präsentiert auf seiner neuen Platte mit Werken von Aljabjew, Glinka und Rubinstein die Anfänge des Klaviertrios in Russland. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
blättern

Alle Kritiken von Naxos...

Weitere CD-Besprechungen von Karin Coper:

  • Zur Kritik... Die Kröte flucht: Peter P. Pachl macht Lust auf Melodramen der vorvergangenen Jahrhundertwende. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Klänge aus Galicia: Die Orchestermusik von Enrique Granados ist das Kennenlernen wert. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Strindberg-Vertonung: Die Neuaufnahme von William Alwyns 'Miss Julie' macht deutlich, dass diese Oper auf die Bühne gehört. Weiter...
    (Karin Coper, )
blättern

Alle Kritiken von Karin Coper...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Polyglottes Vergnügen: Durchgehend hohe Leistungen bei der Gesamteinspielung von Alphons Diepenbrocks Liedern. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Wildwest aus Ost: Diese neue 'Fanciulla del West' kann sich hören lassen, stößt aber kaum eine andere frühere Aufnahme vom CD-Regal. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Marianisches vom Meister: Wunderschöne Marienmotetten von Josquin Desprez, vom Ensemble Cantica Symphonia in mildem Glanz und all den Feinheiten geboten, die für Josquins wunderbare Musik prägend sind. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (2/2021) herunterladen (2500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich