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Montag, 27. September 2021

Legendary Eterna Recordings - Staatskapelle Berlin

Das Leben der anderen (Dirigenten)


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auf einer bunten 5-CD-Kollektion wird die langjährige Zusammenarbeit zwischen Otmar Suitner und der Staatskapelle Berlin in der DDR gewürdigt. Die hochwertigen Mitschnitte stellen auf dem heutigen Plattenmarkt allerdings nur noch Randnotizen dar.

Nachdem der große Plattenprimus Deutsche Grammophon bereits im Frühjahr mit einer prestigeträchtigen Geburtstagsedition einen lauten Startschuss gesetzt hat, feiert nun auch das Label Berlin Classics das 450-jährige Jubiläum der Staatskapelle Berlin. Im Schatten des medial strahlenden Grammophon-Hauptes wirkt das neue Album von Berlin Classics allerdings wie eine stille Fußnote, die weniger die breite Masse als vielmehr den interessierten Einzelsammler ansprechen möchte. Dazu passt, dass auch der Protagonist dieser neuen 5-CD-Kollektion – Dirigent Otmar Suitner – bis heute eher ein Mauerblümchendasein in der Musikwelt einnimmt. Dabei hielt der Vorgänger von Daniel Barenboim über 26 Jahre die Zügel der Staatskapelle fest in der Hand und war im Wesentlichen dafür verantwortlich, dass das Orchester in der DDR sein hohes Niveau konservieren konnte. Warum daher nicht zur 450-Jahr-Feier eine Lanze für Suitner brechen?

Die Kollektion gibt in jedem Fall einen guten Einblick in das große Spektrum von Suitners Schaffen, das von nur wenigen Dirigenten in solcher Bandbreite abgedeckt wurde. Mozart, Bruckner, Wolf oder Pfitzner – Suitner entlockt der Staatskapelle jedes Mal einen makellosen Klang und versteht es ebenso, den richtigen Ausdruck für den jeweiligen Komponisten zu finden. So kann man sich an den ekstatischen Höhepunkten der sinfonischen Fantasie aus 'Die Frau ohne Schatten' von Strauss ebenso erfreuen, wie an der packend zügigen Lesart und dem feinen Gespür für Klangbalance im Schlusssatz von Mahlers 2. Sinfonie.

Frühere Referenz, heutiger Durchschnitt

Dennoch sind die Interpretationen bisweilen zu konventionell geraten, um wirklich nachhaltig herauszustechen. Sowohl bei Bruckners 7. Sinfonie als auch bei besagter 'Auferstehungssinfonie' von Mahler kommt das Hörerlebnis nicht darüber hinaus, die wesentlichen Aspekte der Werke aufzudecken. Ideal für das erstmalige Hören sind diese Aufnahmen sicherlich; ebenso lassen sie sich in ihrer historischen Bedeutung als Referenzeinspielungen in der DDR einordnen – allein, wenn man diese Werke schon so oft gehört hat, eignen sich die Interpretationen nicht dazu, neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Das soll keinesfalls Suitners Fähigkeiten schmälern, beispielsweise bei Mozart die damals aufkommenden Charakteristika der historischen Aufführungspraxis trotz romantischem Grundverständnis konstruktiv einfließen zu lassen und damit etwa in der 'Figaro'-Ouvertüre ein zügiges, schlankes und schnittiges, gleichwohl elegantes Klangbild zu produzieren. Doch speziell das moderat dirigierte, zuweilen sehr blasse Finale in Bruckners 7. Sinfonie ist von zahlreichen Dirigenten weitaus eindrucksvoller interpretiert worden.

Rätselhafter Exkurs

Neben den Interpretationen Suitners wird auf einer CD darüber hinaus auch dem heute kaum mehr bekannten Dirigenten Günther Herbig die Ehre erwiesen, in der dieser die Schauspielmusik zu Mendelssohns 'Sommernachtstraum' sowie die 'Orchestermusik Nr. 4' von Paul Dessau mit der Staatskapelle zum Besten gibt. Interpretatorisch bewegen sich auch diese Mitschnitte auf einem guten Niveau, wenngleich dieser Exkurs im Potpourri der Box keine tiefergreifenderen Akzente setzen kann.

Goodbye, Suitner!

Das letztlich etwas seltsam zusammengestellte Konglomerat ist am Ende trotz schöner Einzelhörerlebnisse nicht wirklich in der Lage, der Ära Suitner entscheidend den Rücken zu stärken. Dirk Stöve gibt sich im Booklet zwar Mühe, die kaum zusammenpassenden Werke als ‚Zeitraffer‘-Erlebnis der DDR-Jahre des Orchesters zu legitimieren, dennoch spricht beispielsweise die Nichtnennung der Sängerinnen im Begleitheft am Ende mehr für eine etwas unsorgfältig erarbeitete Produktion. Für alle, die jedoch interessiert sind an der musikalischen Kultur in Ostberlin der DDR oder sich erstmalig mit Werken wie Bruckners 7. Sinfonie, Mahlers 2. Sinfonie oder der Fantasie aus 'Frau ohne Schatten' von Strauss auseinandersetzen möchten, sei diese Box dennoch empfohlen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Legendary Eterna Recordings: Staatskapelle Berlin

Label:
Anzahl Medien:
Berlin Classics
5
Medium:
EAN:

CD
885470016061


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Bruckner, Anton
Dessau, Paul
Mahler, Gustav
Mendelssohn Bartholdy, Felix
Mozart, Wolfgang Amadeus
Pfitzner, Hans
Strauss, Richard
Wolf, Hugo


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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