> > > Werke von Elgar und Vaughan Williams: Jennifer Pike, Martin Roscoe
Sonntag, 16. Mai 2021

Werke von Elgar und Vaughan Williams - Jennifer Pike, Martin Roscoe

Neue erste Geige


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Kaum ist Tasmin Little in den Ruhestand getreten, übernimmt Jennifer Pike für Chandos.

Jennifer Pike ist keine Person, die sich unnötig in den Vordergrund stellt. Die Geigerin, die sich auch außerhalb Großbritanniens längst einen Namen gemacht hat, tritt für Chandos in die Fußstapfen Tasmin Littles, die mit der dortigen CD-Reihe britischer Violinsonaten neue Maßstäbe gesetzt hat. Mit Elgar und Vaughan Williams setzt sich Pike, zusammen mit ihrem Pianisten Martin Roscoe, der schon seit mehreren Jahrzehnten ein Garant für differenzierte und unprätentiöse Ausarbeitung des Klavierparts ist, starker und stärkster Konkurrenz aus. Und kann einen Punktsieg einfahren. Die große e-Moll-Elgar-Sonate op. 82 von 1918, kein einfaches Werk, bietet sie mit feinem, nicht mit starkem Vibrato überladenen Ton und einer Vielfalt an Nuancierungen, die sich nicht minder differenziert im Klavierpart spiegeln. Hier bemüht sich niemand, jemandem etwas zu beweisen – hier wird herzhaft und von Herzen Musik gemacht. Das mag vom Tempo her etwas zurückhaltend sein (gerade im Kopfsatz), unbeteiligt ist die Darbietung deshalb noch längst nicht.

Auch die Violinsonate a-Moll von Ralph Vaughan Williams (1954) ist ein Spätwerk, das hier in kraftvoller Breite dargeboten wird, mit etwas stärkerem Nachhall als manch andere Interpretation, die zumal in den ersten beiden Sätzen zumeist etwas flotter daherkommen als hier. Dafür konzentrieren Pike und Roscoe im abschließenden Variationensatz die Kräfte in meisterhafter Weise. Nicht erst hier wird klar, dass die Williams-Sonate auch für nicht britische Interpreten eine Erkundung und Darbietung im Konzertsaal wert ist.

Unendliche Bögen

Die echte eigentliche Entdeckung auch für den britischen Tonträgermarkt auf dieser CD ist dennoch anderswo zu finden – in der berühmten Komposition 'The Lark Ascending' von Vaughan Williams, hier aber in der originalen Klavierfassung von 1914, die es bislang nur sehr selten auf Tonträger geschafft hat, weil ihr Orchestergewand einfach zu einladend ist. Hier nun zeigt Pike (Roscoe ist hier fast nur noch Stichwortgeber) die ganze Bandbreite ihrer Klangmöglichkeiten, ihre Fähigkeit, nicht nur unendliche Bögen zu weben, sondern sie auch architektonisch klug zu gestalten, so dass (was gelegentlich sonst feststellbar ist) die Komposition nicht ins Beliebige auseinanderfällt. Etwas prosaisch mag der Klavierpart im Vergleich zu der Orchesterfassung gelegentlich wirken – ganz natürlich mit Blick auf die orchestrale Raffinesse, die Vaughan Williams dort aufgeboten hat. Und auch im Vergleich zu Matthew Trusler und Iain Burnside (Albion Records) haftet der Interpretation etwas eher Erdverbundenes an – in sich durchaus nicht a priori negativ zu sehen.

In ihrem durchaus eigenen Stil ist Jennifer Pike eine würdige Nachfolgerin Tasmin Littles, die Produktion auch sonst ein würdiger weiterer Beitrag zu der Diskografie britischer Musik für Violine und Klavier.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Werke von Elgar und Vaughan Williams: Jennifer Pike, Martin Roscoe

Label:
Anzahl Medien:
Chandos
1
Medium:
EAN:

CD
095115215623


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Elgar, Edward
Vaughan Williams, Ralph


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Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


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