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Mittwoch, 19. Januar 2022

Journeys to the New World (Hispanic Scred Music) - The Queen's Six

Im Übergang


Label/Verlag: signum classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Transitorische Musik, und doch bemerkenswert konsistent: Über die verschiedenen Jahrzehnte ihrer Entstehung ebenso wie über die Distanzen der Orte, an denen sie niedergeschrieben oder in Gottesdiensten lebendig gemacht wurde.

Auf der aktuell beim Label Signum Records erschienenen Platte des englischen Vokalensembles The Queen’s Six ist spanische Musik des Übergangs zu hören – und das im doppelten Sinne: Motetten auf charakteristische Text aus dem Reich der Renaissance in den beginnenden Barock hinein und zugleich aus der Alten in die Neue Welt. Letzterer Umstand meint einerseits den Transfer bereits bestehenden Repertoires an die geistlichen Zentren der Neuen Welt, bedeutet andererseits aber auch, dass Lebenswege junger Musiker nach profunder Ausbildung in Sevilla oder anderswo eben nicht mehr nur an die Kathedralen der iberischen Städte, sondern auch an die der neuen urbanen Stätten des eben eroberten und schrittweise latinisierten Amerika führen konnte. Genauso klar ist: Daran ist nachträglich nichts zu romantisieren. Leid, Unterdrückung, Krankheiten und Gewalt bahnten sich mit den Konquistadoren ihren Weg durch Amerika, die Christianisierung war eine weitere Form der gewaltsamen Überformung menschlichen Lebens und geistlicher Existenz.

Vielleicht ist es zu hart, die Musik von Komponisten wie Cristóbal de Morales, Tomás Luis de Victoria, Francisco Guerrero, Alonso Lobo, Hernando Franco, Juan Gutierrez de Padilla oder Francisco López Capillas als ‚Soundtrack‘ dieser wahrlich dunklen Geschichte zu bezeichnen, ganz falsch ist es sicher nicht. Auch die Unterscheidung zwischen ‚Europäern‘ und ‚Amerikanern‘ unter diesen Spaniern trägt nicht weit: Was Guerrero bleiben und den nur vier Jahre jüngeren Franco aufbrechen ließ, bewegte sich zweifellos im Rahmen normaler Varianz der Lebenschancen und -entscheidungen an Wendepunkten. Genauso ist auch die Musik zumindest im Kontext dieser Generation nicht sinnvoll getrennt zu betrachten: Teils identische Lehrer und Schulen sorgten gleichermaßen für satztechnisch hohes Niveau, ausgewogenes kontrapunktisches Können, für die sichere Beherrschung ausgreifender Linien und klangsinnlicher Gewebe. Vielleicht scheinen die vier ‚Großen‘ – Morales, Guerrero, Lobo und Victoria – in der Gesamtwirkung ihrer Werke eine Spur eindrucksvoller, doch geht es bei solcher Wahrnehmung allenfalls um Nuancen. Herausragend qualitätvolle Musik ist es in jedem Fall – egal, ob sie zuerst in Sevilla und Toledo oder eben in Puebla und Mexico Stadt zu hören waren.

Charmante Formation

Die Vokalformation The Queen’s Six ist keines der klassischen Bühnen- und Reiseensembles der englischen Tradition – jedenfalls nicht in erster Linie. Das sind die sechs Herren – die Countertenöre Daniel Brittain und Tim Carleston, die Tenöre Nicholas Madden und Dominic Bland, der Bariton Andrew Thompson und der Bass Simon Whiteley auch. Dazu haben sie sich auf der Basis einer exzellenten Ausbildung in weiteren hochklassigen Ensembles wie The Tallis Scholars, Tenebrae oder The Sixteen profiliert. Doch sind sie zuallererst das Residenzensemble in Windsor Castle, was das tägliche gemeinsame Singen in der St. George’s Chapel einschließt. Und diese gottesdienstliche Praxis, meint man zu hören, fügt die sechs Vokalisten auf besondere Weise zusammen: Die Klangkultur ist erlesen, das Legato edel, lange Bögen werden reich und vollkommen ohne Druck substantiiert. Die Einzelstimmen sind charaktervoll und fügen sich gleichzeitig bei aller Individualität zu einem Ganzen, das atmet und beseelt ist – in jeder Phrase ist sehr viel mehr als gläserne Stimmkunst zu hören. In frei fließenden Tempi wird die Kunst der Spanier entfaltet, Kraft wird geschmackvoll zur Geltung gebracht, die Begabung zur feinen Nuance prägt das Bild. Die Intonation ist schlicht makellos zu nennen: Jeder einzelne der Sänger weiß um die benachbarten wie die entfernten Stimmen. Das Klangbild ist von schöner, lebendiger Räumlichkeit, die der Musik angemessene Größe verleiht; dazu wirkt es plastisch, fantastisch durchhörbar, dabei nicht karg, sondern reich an Substanz.

Transitorische Musik, und doch bemerkenswert konsistent: Über die verschiedenen Jahrzehnte ihrer Entstehung ebenso wie über die Distanzen der Orte, an denen sie niedergeschrieben oder in Gottesdiensten lebendig gemacht wurde. The Queen’s Six erweisen sich als ein Ensemble von Format.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Journeys to the New World (Hispanic Scred Music): The Queen's Six

Label:
Anzahl Medien:
signum classics
1
Medium:
EAN:

CD
635212062623


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Guerrero, Francisco
Morales, Cristóbal de


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signum classics

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Signum is a privately-owned and steadily-growing record label that benefits from the commitment and services of its sister company, Floating Earth, the leading production and engineering specialist service provider in Europe.

Having started the label in 1997 Signum now boasts a catalogue of nearly 150 titles and many of which are award winners, nominees or five star review recipients from around the world.

The small Signum team strives to provide a first class service at all times with clients, artists, suppliers and colleagues. Signum works with new and emerging artists and composers through to established artists, making available much-loved areas of repertoire as well as previously unheard, innovative recordings.


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