> > > Dame Ethel Smyth: The Prison: Experiental Orchestra and Chorus, James Blachly
Dienstag, 2. März 2021

Dame Ethel Smyth: The Prison - Experiental Orchestra and Chorus, James Blachly

Schlüsselwerk


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine längst überfällige Einspielung von Ethel Smyths Opus magnum.

Als ‚Symphony‘ hat Ethel Smyth ihr großes chorsymphonisches Werk 'The Prison' (1930) bezeichnet, doch leitete sie diesen Begriff aus der griechischen Urbedeutung für ‚symfonia‘ ab, und von symphonischem Gestus kann man am ehesten wegen der starken Einheit der einzelnen Abschnitte insgesamt sprechen. Die Nähe zu Elgars 'The Dream of Gerontius' (1899/1900) bezüglich Sujet und Form ist offenkundig, und die Diskussion gewisser problematischer stilistischer Inkonsistenzen ist nicht selten über eine Erkundung der Musik gestellt worden.

Seit fast dreißig Jahren hat der Verfasser dieser Zeilen auf eine Einspielung des Werkes gewartet, das zu den letzten der Komponistin zählt, da diese bereits den größten Teil ihres Gehörs verloren hatte. In der Tat kann man eine Stildiversität hören, die gelegentlich als Summation ihres kompositorischen Schaffens gedeutet worden ist, die aber in den Ohren des Rezensenten auch eine Art unsicheren Bruch in einer Zeit grundsätzlichen musikalischen Wandels manifestiert. Das Werk besteht essenziell aus dem Dialog des Sterbenden mit seiner Seele, kommentiert durch den Chor, und gerade die ‚zeitversetzte‘ Unwirklichkeit mancher Passage verstärkt den transzendenten Aspekt der Musik, die stark von Smyths zumeist reichen harmonischen Modulationen lebt; doch gibt es auch Momente von Konventionalität, die man in mancher Komposition Smyths antreffen kann und die eines kongenialen Interpreten bedürfen, um den ihnen angemessenen Platz eher im Hinter- denn im Vordergrund der Musik zu finden.

Dramatischer Affekt

Leider gelingt es dem Amerikaner James Blachly, seinen Solisten und dem in New York ansässigen Experiential Chorus und Orchestra nicht ganz, diesen Anspruch zu realisieren. Das mag weniger an den Interpreten liegen als vielmehr an der grundsätzlichen Schwierigkeit der Realisierung, die man gleichermaßen gelegentlich bei Ethel Smyth beobachten kann und die beispielsweise manche Interpretation ihrer Ouvertüre zur Oper 'The Wreckers' (einer ihrer beliebtesten Kompositionen überhaupt) hat in der Essenz scheitern lassen. Der Bassbariton Dashon Burton und die Sopranistin Sarah Brailey verleihen ihren Partien Intensität und Frische – ein wenig Luft zu den Besten der Zunft bleibt aber noch, vor allem Burton mangelt es an Klangfarben, Brailey gelegentlich an Intonationssicherheit. Die Chordamen bieten etwas mehr klangliche Raffinesse auf als die Herren, doch der dramatische Affekt des Chorganzen beeindruckt insgesamt rundum.

Insgesamt gelingt Blachly eine einsichtsvolle, eindrucksvolle Interpretation in herausragender SACD-Klangqualität. Dass es als Armutszeugnis für das britische Musikleben bezeichnet werden muss, dass diese Ersteinspielung von Smyths Werk eben nicht durch die BBC und auch nicht in Großbritannien initiiert wurde und man auch so lange auf sie zu warten hatte, darf hier aber nicht unterschlagen werden. Zeigt sich hier musikalische Ignoranz, das Eingeständnis von Unverständnis vonseiten vieler oder schlicht offenkundige Diskriminierung? Ein musikalisch nicht undankbares, aber auch ein schwierig zu realisierendes Werk?

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dame Ethel Smyth: The Prison: Experiental Orchestra and Chorus, James Blachly

Label:
Anzahl Medien:
Chandos
1
Medium:
EAN:

CD SACD
095115527924


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Smyth, Ethel


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Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


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