> > > Schostakowitsch: Symphonie Nr.5: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons
Dienstag, 28. September 2021

Schostakowitsch: Symphonie Nr.5 - Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons

Magie des Augenblicks: Mariss Jansons mit Schostakowitschs Fünfter


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Im Rahmen des Schostakowitsch-Zyklus aus München ist die Live-Aufnahme der Symphonie Nr. 5 aus dem Jahr 2014 beim BR Klassik-Label erschienen.

Mit der Uraufführung seiner d-Moll-Symphonie gelang Dmitrij Schostakowitsch 1937 in der Leningrader Philharmonie so etwas wie ein Comeback – nachdem er im Jahr zuvor von der sowjetischen Staatsführung abgekanzelt worden war wegen eines zu ‚formalistischen‘ Stils, der angeblich unverständlich, elitär und zu modern sei. Und definitiv nicht den Idealen des Sozialistischen Realismus verpflichtet. Dann kam die 5. Symphonie mit ihrem jubelnden D-Dur-Finale, dröhnenden Pauken und breiten Fanfaren. Und alles war – zumindest vorübergehend – wieder gut.

Mariss Jansons musiziert mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks diese ‚Schicksalssymphonie der anderen Art‘ mit großer Leidenschaft. Das Orchester spielt grandios und jedes noch so kleine Detail der Aufführung im Münchner Gasteig wird von der Tontechnik perfekt eingefangen und eingebettet in einen opulenten Gesamtklang, der restlos überzeugt.

Das Gespenstische bleibt unhörbar

Was fehlt, ist irgendeine Form von Doppelbödigkeit. Hier ist reine Musik zu erleben, losgelöst von historischen Kontexten und biografischen Brüchen. Das heißt, dass die tektonischen Klangmassen, die Schostakowitsch teils in Bewegung setzt, nie ernsthaft bedrohlich wirken, oder dass die mit Trompeten garnierten Marschmomente einen Hauch von beißender Ironie atmen. Dadurch bleibt das Gespenstische unhörbar, das typisch für die angespannte Situation unter Stalin in jenen Jahren war. Und dadurch wirkt der Triumph der Dur-Fanfaren am Schluss auch weniger wie ein Akt der verzweifelten Selbstbehauptung, sondern einfach nur wie ein etwas austauschbares Fortissimo-Finale.

Wie man darauf reagiert, ist in höchstem Maße abhängig davon, welche Dimension einem an Schostakowitschs Musik wichtig ist und womit man diese Aufnahme vergleicht. Es gibt von den Symphonien so unendlich viele geniale Interpretationen, neue wie alte, dass es schwer ist, dazwischen mit einem weiteren CD-Zyklus aufzufallen. Der passionierte Ansatz, den Jansons mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks hören lässt, ist imposant. Gar keine Frage. Die Spielkultur des Orchesters überwältigt. Aber niemand läuft hier heiß. Dafür krachen die Pauken am Schluss atemberaubend, und der Applaus des Publikums explodiert. Das muss, ganz offensichtlich, ein großartiger Konzertabend gewesen sein, dessen Magie sich auf Tonträger vermittelt. Ein historisches Dokument für die Ewigkeit ist es nur bedingt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schostakowitsch: Symphonie Nr.5: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
1
04.09.2020
044:25
2014
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4035719001914
900191


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Schostakowitsch, Dimitri


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"Nachdem Schostakowitsch seine vierte Symphonie aufgrund von Formalismus-Vorwürfen in einem kritischen Prawda-Artikel hatte zurückziehen müssen (sie blieb bis nach Stalins Tod in der Schublade), wurde die 1937 entstandene fünfte zu einem ungeheuren Triumph: Am 21. November 1937 leitete der junge Dirigent Jewgeni Mrawinski die Uraufführung im Großen Saal der Leningrader Philharmonie. Während des nicht enden wollenden Beifalls schwenkte Mrawinski die Partitur eine gute halbe Stunde lang über seinem Kopf, um auszudrücken, dass der Beifall allein Schostakowitsch gelte. Offiziell wurde das Werk als Rückkehr des verlorenen Sohnes unter die Richtlinien der stalinistischen Kulturpolitik verstanden. Bis heute hat sich an der Faszination der Musik indes wenig geändert: seine fünfte Symphonie gilt als eines von Schostakowitschs bekanntesten Werken. Mariss Jansons, der als Fachmann für das slawische Repertoire ebenso, wie für die symphonische Musik des 19. und 20. Jahrhunderts galt, hatte sich immer wieder mit diesem Meisterwerk auseinandergesetzt – in Konzerten vom 30. April und 2. Mai 2014 aus der Philharmonie im Gasteig wurde die hier veröffentlichte Aufnahme mitgeschnitten. Unter Jansons Dirigat interpretieren die Musiker des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks Schostakowitschs fünfte Symphonie, indem auch die Mehrdeutigkeit dieser Musik spürbar wird – schrieb Schostakowitsch doch später: „Der Jubel ist unter Drohungen erzwungen. So als schlage man uns mit einem Knüppel und verlange dazu: Jubeln sollt ihr! Jubeln sollt ihr!“ Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Mariss Jansons, Dirigent "


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BR-Klassik

Herausragende Musikaufnahmen der drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks werden unter einer gemeinsamen Marke den Musikfreunden angeboten. Das Label heißt BR-KLASSIK. Zum Start sind acht Tonträger sowie eine DVD am 18. September 2009 veröffentlicht worden. Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 150 Aufnahmen.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Münchner Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks genießen sowohl in der Region als auch international einen außergewöhnlichen Ruf in Bezug auf Qualität, künstlerische Kreativität und die Vermittlung von klassischer Musik. Im Konzertsaal und in Hörfunk- und Fernsehübertragungen sind die drei Klangkörper regelmäßig zu hören. Herausragende Konzerte, besonders gelungene Interpretationen und selten zu hörende Werke werden nun unter der gemeinsamen Marke BR-KLASSIK auf dem hauseigenen Label dokumentiert.

Das CD-Label BR-KLASSIK ist organisatorisch bei der BRmedia Service GmbH angesiedelt, dem für die Zweitverwertungen zuständigen Tochterunternehmen des Bayerischen Rundfunks, und wird von Stefan Piendl als Label-Manager geleitet. Mit ihm konnte der Bayerische Rundfunk einen erfolgreichen, externen Experten mit umfassender, internationaler Erfahrung für die Mitwirkung an seinem neuen Label BR-KLASSIK gewinnen.

In der Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE bringt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks historische Aufnahmen des Labels zu Gehör. Z.B. war an zwei denkwürdigen Konzertabenden die Pianistin Martha Argerich zu Gast, 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 unter Seiji Ozawa.

Im Vertrieb werden die Neuerscheinungen von BR-KLASSIK weltweit durch NAXOS betreut. Damit ist eine bestmögliche Präsenz auf allen wichtigen internationalen Märkten gewährleistet. Zu einer modernen Vertriebsstruktur gehört selbstverständlich auch die Möglichkeit des digitalen Downloads über Musikportale wie iTunes, Spotify u.a.. Auch dieser Vertriebsweg wird über die Firma NAXOS erschlossen. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit Tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK.


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