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Montag, 27. September 2021

Schwanengesang & Dichterliebe - Lieder von Schubert und Schumann

Farbexperiment


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Trotz der Kunstfertigkeit Behles und der Musiker sowie der klanglichen Fantasie des Arrangeurs Alexander Krampes hinterlässt dieses Album eine ordentliche Portion Ratlosigkeit.

Von zahlreichen Kunstliedern, vor allem ab jenen Franz Schuberts, existieren Orchesterfassungen, meist von Komponisten, Dirigenten und Arrangeuren späterer Generationen. Diese Praxis ermöglichte es einem immer größer werdenden Konzertbetrieb, auch kleinere Einzelwerke in ein sinfonisches Programm oder einen Arienabend aufzunehmen, ohne dass diese stilistisch und klanglich allzu sehr aus dem Rahmen fielen. Die Frage, ob diese orchestralen Einrichtungen den Intentionen der jeweiligen Komponisten entsprechen, ist nicht pauschal zu beantworten. Komponisten, die ihre Werke selbst arrangierten, waren auf diese Art und Weise gewiefte Meister in der Vermarktung ihrer eigenen Produkte unter allen denkbaren Rahmenbedingungen – diese Form der Arrangements ließ sich ja ebenso auf andere Genres übertragen und in beide Richtungen gewinnbringend nutzen –, andere sahen die reine Klavierbegleitung ihrer Lieder als bewusst getroffene Grundsatzentscheidung an. Wie dem auch sei: Orchesterarrangements gerade von Liederzyklen sind nach wie vor ein beliebtes Betätigungsfeld.

Der Tenor Daniel Behle hat vor einigen Jahren bereits seine sehr persönliche 'Winterreise' bei Sony vorgelegt, damals gleich als Doppelalbum: einmal mit der Klavierbegleitung Schuberts und einmal mit einem Arrangement für das Oliver Schnyder Trio. Der mögliche direkte Vergleich beider Lesarten war für die damalige Veröffentlichung eine spannende Klammer. Nun setzt sich der Sänger erneut für zwei Arrangements berühmter Liederzyklen ein, die beim kleineren Label Genuin mit Behle als Solist erschienen sind. Die CD mit Franz Schuberts 'Schwanengesang' (der nach Schuberts Tod nur vom Verleger als Zyklus veröffentlicht wurde) und Robert Schumanns 'Dichterliebe' fußt auf den Kammerorchester-Arrangements von Alexander Krampe und entstand im Oktober 2019. Krampe ist ein versierter Klangbildner, der es versteht, mit Farben zu spielen. Fantasievoll kommen im Reigen der vertrauten Streicher und Bläser auch ein Akkordeon und eine Gitarre zum Einsatz.

Blendend bei Stimme

Das Orchester der Kammeroper München ist ein erfahrener Klangkörper, wenn es um die lebendige Umsetzung ungewöhnlicher Arrangements geht. Mit Verve und solistischem Glanz durchleuchten sie Krampes Einrichtung, lassen es blühen und beeindrucken durch ihre Kunst, aufeinander zu hören und unter der Leitung von Christophe Gördes als wirkliches Ensemble zu agieren. Daniel Behle kann mühelos an diese Form des Musizierens andocken und gibt nicht den großen Star vor kleinem Orchester. Das ist wohltuend und schürt Sympathie. Zudem ist Behle blendend bei Stimme. Die Eleganz und Tonschönheit, die er zu entspinnen weiß, entfalten vor allem in den Liedern Schuberts ihre Wirkung. In der 'Dichterliebe' hält er die Spannung stets oben, glänzt mit lupenreiner Artikulation und seinem wunderbaren Legato, auf dessen Atemstrom die Worte sinnerfüllt zum Zuhörer gelangen.

Doch bei aller Kunstfertigkeit Behles und der klanglichen Fantasie Krampes bleibt auch eine ordentliche Portion Ratlosigkeit. Der Mehrwert dieser Arrangements will sich einfach nicht erschließen. Krampe liefert keine bloße Übertragung des Klaviersatzes, sondern selbstverständlich eine Interpretation desselben. Über diesen Vorgang, Krampes Intention oder Behles Interesse an dieser orchestralen Alternative findet sich im Beiheft der CD kein einziger Satz. Im 'Schwanengesang' wirkt vieles illustrativ, durchaus hübsch, selten kommentierend. Und viel zu oft stellt sich der Wunsch des Hörers ein, den Klang eines Klaviers vernehmen zu dürfen. Schlichtheit geht verloren, auch eine Konzentration auf den Kern eines Liedes. Die zahlreichen Farbexperimente aus Krampes Ideenfülle bergen auch die Gefahr, gehörig abzulenken – vom Text, von der Textur.

Inkonsistent

In der 'Dichterliebe' wird es noch deutlicher: 'Im wunderschönen Monat Mai' schrammt mit seinen romantisierenden Soloinstrumentenphrasen hart an der Kitschgrenze vorbei, während es dem 'Ich grolle nicht' trotz herb pochender Tiefen, an wirklicher Schroffheit gebricht. Der zart flirrende Hauch in ‚Und wüssten’s die Blumen‘ öffnet plötzlich wieder ganz andere Welten und man beginnt, die Inkonsistenz nicht als Gewinn, sondern als Verlust zu empfinden. Auch das Zusammenspiel zwischen Solist und Orchester lässt jenes Maß an Flexibilität vermissen, das man bei einer Klavierbegleitung erhoffen könnte. So verklingt auch das letzte Lied des Album, 'Die alten, bösen Lieder', und man tut sich schwer, der fraglos akustischen Abwechslung und den überraschenden Momenten dieser Interpretation eine Wiederholung zu gönnen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schwanengesang & Dichterliebe: Lieder von Schubert und Schumann

Label:
Anzahl Medien:
Genuin
1
Medium:
EAN:

CD
4260036257106


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Schubert, Franz
Schumann, Robert


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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