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Samstag, 5. Dezember 2020

Angelus, Orchestral Works - Royal Stockholm Philharmonic Orchestra

Panoptikum der Orchestermusik des 20. Jahrhunderts


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Orchesterwerke von Victoria Borisova-Ollas an der Grenze zur virtuosen Gelegenheitsmusik.

Die russisch-schwedische Victoria Borisova-Ollas, die 2019 ihren 50. Geburtstag feierte, gehört jener Generation der Tonalität stark verbundener Komponisten des frühen 21. Jahrhunderts an, die man stilistisch eher mit Sibelius-Einfluss als mit neueren Entwicklungen in Verbindung bringen würde und die ihre Schöpfungen nicht ungerne mit dem Begriff der Euphonie in Verbindung gebracht sehen. 1969 in Wladiwostok geboren, lebt sie seit 1993 in Schweden; ihre musikalische Prägung und Ausbildung erfuhr sie aber vornehmlich in Moskau.

Das 2008 entstandene 'Angelus' zum 850. Jubiläum der Stadt München ist allerdings auch mit Respighi, Debussy, Mahler, Copland, Richard Strauss (mit einem wörtlichen Zitat aus der Alpensinfonie) und Strauss‘ Gelegenheitswalzer 'München' aus den 1940er-Jahren verwandt. Zwar öffnet sich im Verlauf die Komposition etwas stärker in die Richtung späterer Entwicklungen im 20. Jahrhunderts, doch bleibt der deskriptiv-illustrative Aspekt der Musik allzu stark, mit der Nutzung von Glocken, Orgel, Klavier und allerhand anderen Effekten, die das Werk aber hörbar der virtuosen Gelegenheitsmusik zuordnen.

2013 entstand die Streichorchesterfassung der Streichquartettvariationen 'Creation of the Hymn' (2006). Der virtuose Charakter beeinträchtigt ein wenig den Zugang zu der musikalischen Substanz, auch gibt es nahezu sentimentale Passagen, die Andrey Poreyko, der hier wie bei 'Angelus' die klangfarblichen Effekte über die Herausarbeitung der musikalischen Formstrukturen stellt.

Changierende Farben

'The Kingdom of Silence', eine Orchesterfantasie über das Jenseits aus dem Jahr 2003, leichter in den Klangfarben, doch kaum minder anspruchsvoll in der Orchestervirtuosität. Das Kungliga Filharmoniska Orkestern unter Martyn Brabbins agiert hier interpretatorisch überzeugender als unter Boreyko, nicht zuletzt weil die Architektur der Komposition in größerer Stärke herausgearbeitet wird. Gleiches gilt für das 2005 entstandene 'Before the Mountains Were Born', inspiriert durch den 90. Psalm, ein besonders in der Bläsersektion ausgesprochen komplexes Werk, mit vielfach changierenden Farben, Metren und klanglichen Texturen (mit einem Concertante-Abschnitt für vier Klarinetten, und mit Kuhglocken).

Auch die stärker rhythmisch geprägte Orchesterkomposition 'Open Ground' (2006) ist außermusikalisch inspiriert und von vornehmlich virtuos-deskriptivem Charakter. Die musikalische Darstellung eines Erdbebens im Eröffnungsabschnitt macht ohne Frage musikalische Sensation, und die Virtuosität der Komposition und der Orchesterdarbietung unter Sakari Oramo steht außer Frage. Oramo gelingt es nicht rundum, die Formabschnitte konzeptionell derart zu binden, dass ein strukturell rundum gelungenes Ganzes zu erkennen ist – das Episodische der Musik hat zwar seinen Reiz, bleibt aber schlussendlich auf den Moment bezogen.

Aufnahmetechnisch haben sich die Tonmeister von BIS wieder einmal selbst übertroffen – der große klangliche Reichtum der Musik kommt nicht nur in der SACD-Spur, sondern auch bereits in der Reduktion aufs CD-Format rundum zum Tragen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Angelus, Orchestral Works: Royal Stockholm Philharmonic Orchestra

Label:
Anzahl Medien:
BIS Records
1
Medium:
EAN:

CD SACD
7318599922881


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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