> > > Georg Philipp Telemann: Concerti da Camera Vol. 2: Camerata Köln
Sonntag, 17. Oktober 2021

Georg Philipp Telemann: Concerti da Camera Vol. 2 - Camerata Köln

Runde Sache


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ob man Telemann im Ensemble inspirierter, zutreffender, kundiger spielen kann? Zweifel scheinen angebracht. Unabhängig davon: Ein großes, lebendiges Telemann-Denkmal ist mit dieser Reihe geschaffen worden. Sehr verdienstvoll.

Die aktuell bei cpo vorliegende zweite Folge in der Reihe der Concerti da camera von Georg Philipp Telemann komplettiert gleichzeitig den sechzehnteiligen Zyklus von Concerti des Komponisten mit Beteiligung von Bläsern, den die Camerata Köln und in größerer Besetzung La Stagione Frankfurt, beide in den solistischen Bläsern personell identisch, angeleitet und inspiriert vom Blockflötisten Michael Schneider und dessen musikalischem Umfeld, im Lauf der Jahre bei diesem Label realisiert haben. Im aktuellen Programm wird Telemann als Meister differierender Stile und Gattungen vorgestellt, mithin als jemand, der seiner Hörerschaft affektiv wie formal fast immer experimentierfreudig gegenübertritt, jedenfalls souverän und gelassen Grenzen überschreitend: Das ist nicht neu, aber ungemein zutreffend.

Was hier, überwiegend aus TWV 43 stammend, als ‚Quatuor‘ bezeichnet wird, enthält Momente des Konzertanten, erinnert an Bau und Wirkungsprinzipien der Suite, hat mit immer wieder zwei klar zu identifizierenden Oberstimmen aber auch tatsächlich Quartettcharakter. Es sind in der überwiegenden Mehrzahl muntere, ausdrucksstarke Sätze, die von einer kaum variantenreicher vorstellbaren Besetzung getragen werden: Auf Seiten der Bläser maßgeblich geprägt durch Traversflöte, Blockflöte, Oboe, Horn und Fagott, werden sie von verschiedenen Streicherkonstellationen und Cembalo untersetzt. Ergebnis ist Musik ‚mit dem gewissen Etwas‘, wie bei Telemann in diversen kammermusikalischen Konstellationen eigentlich immer zu beobachten. Die rahmenden Werke mit solierendem Horn bringen eine besondere Farbe ein, sind freilich zweifelhaft in ihrer Überlieferung.

Hochinspiriert und mit maximaler Erfahrung

Die Camerata Köln bringt eine gewaltige Telemann-Expertise auf: Mit Michael Schneider auf der Blockflöte, Karl Kaiser auf der Traversflöte, Hans-Peter Westermann auf der Oboe, Ulrich Hübner auf dem Horn, Marita Schaar-Faust auf dem Fagott, Christine Busch auf der Violine, Ulla Bundies auf Violine und Viola, Rainer Zipperling auf Violoncello und Viola da gamba, Ghislaine Wauters auf der Viola da gamba und Sabine Bauer auf dem Cembalo ist über Jahrzehnte ein Stamm entstanden, der die Aufnahmereihe der Telemannschen Musik mit Bläserbeteiligung auf hohem, oft höchstem Niveau vorangebracht hat. Es hat sich dabei eine edle, immer auch das Frische, Weltzugewandte der Musik betonende Klangkultur etabliert, von der auch diese finale Aufnahme sehr profitiert.

Telemanns Rang zu beglaubigen, zu unterstreichen und aus der Qualität gerade der instrumentalen Musik heraus zu explizieren – das war das Anliegen der Reihe und der mit ihr verbundenen Instrumentalisten. Und es wird auch auf dieser Platte intensiv erlebbar: In betont frisch gewählten Tempi, die die Musik ein Vergnügen voller Kurzweil sein lassen; in sensibler dynamischer Schichtung, die den Möglichkeiten der Besetzung entspricht, ohne blind aufzutrumpfen; in der makellosen, vielfarbig schimmernden Intonation, die auch das vorzüglich gespielte Horn vorbildlich zur Geltung bringt; in einer frischen, klug disponierten Artikulation, die viel impulsreiches Geflecht unterhalb lebendig gestalteter Linien einbezieht, ohne je Opfer einer übertriebenen Kleinteiligkeit zu werden. All das ist im Kammermusiksaal des Deutschlandfunks unter hervorragenden Bedingungen in ein ausgewogenes, plastisches, facettenreiches Abbild der Musik und des Ensembles integriert worden: Herausragend.

Ob man Telemann im Ensemble inspirierter, zutreffender, kundiger spielen kann? Zweifel scheinen angebracht. Unabhängig davon: Ein großes, lebendiges Telemann-Denkmal ist mit dieser Reihe geschaffen worden. Sehr verdienstvoll.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Georg Philipp Telemann: Concerti da Camera Vol. 2: Camerata Köln

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203532124


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Telemann, Georg Philipp


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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