> > > Werke von Beethoven und Barry: Britten Sinfonia, Thomas Adès
Freitag, 4. Dezember 2020

Werke von Beethoven und Barry - Britten Sinfonia, Thomas Adès

Adès spielt Beethoven anders als die andern


Label/Verlag: signum classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Beethoven-Symphonien 1 bis 3 in der Neueinspielung der Britten Sinfonia unter dem Dirigat von Thomas Adès zu hören heißt: einer Revolution zu lauschen.

Die Beethoven-Symphonien 1 bis 3 in der Neueinspielung der Britten Sinfonia unter dem Dirigat von Thomas Adès zu hören heißt: einer Revolution zu lauschen. Denn hier wird der ‘Gigant’ Beethoven völlig befreit von jedwedem historischen und romantisierenden Überbau, stattdessen hört man ihn schlicht als ‘tönend bewegte Form’. Radikal entschlackt, heiter, gelassen, unaufgeregt!

Das berühmte Hanslick-Verdikt aus ‘Vom Musikalisch-Schönem’ (1854), dass Musik nichts weiter sei als eben jene ‘tönend bewegte Form’, ist gerade in Bezug auf Beethoven ungewöhnlich, weil im Laufe der Zeit ganze Heerscharen von Interpreten und Exegeten alle möglichen Programme in diese Musik hineinfantasiert haben. Sie machten damit die Stücke zu jenen Ikonen der europäischen Kulturgeschichte, als die wir sie heute kennen und lieben.

Aneinandergesetzte Bausteine

Im vorliegenden Fall gilt das besonders für die 'Eroica', also die 3. Symphonie in Es-Dur, die hier nicht wie bei Leonard Bernstein schon mit den ersten Akkorden den Hörer überrumpelt, sondern ‘einfach’ als kompositorisches Statement hingetupft daherkommt, als Akkord, aus dem sich der Sonatensatz entwickelt. Ohne dass dabei Schlachten vorm geistigen Auge ausgebreitet werden. Vielmehr werden Bausteine aneinandergesetzt und miteinander verwoben. Weil dabei so unendlich viele Details brillant herausgearbeitet werden und weil die kleinbesetzte Britten Sinfonia alles maximal durchhörbar spielt, ist das Hörerlebnis immer wieder verblüffend ‘anders’, als man Beethoven sonst kennt.

Ein verblüffender Eindruck ist auch, dass Beethoven ohne das ‘hineininterpretierte’ Drama teils wie Mozart oder Dittersdorf klingt, was dazu führt, das Manches vergleichsweise ‘langweilig’ wirkt, dann aber kippt in rasant ausmusizierte Passagen, die so furios sind, dass man sich anschnallen muss, um nicht aus der Kurve zu fliegen. Es ist ein ständiger Wechsel zwischen Tutti-Passagen und berückenden Solo-Stellen, zwischen Hyperenergie und gähnender Entspannung, mit messerscharf ziselierten Begleitfiguren und krachenden Steigerungen. Ich kann mich nicht erinnern, so etwas jemals zuvor in dieser Form bei Beethoven gehört zu haben.

Auch wenn damit nicht meine eigenen Lieblingsaufnahmen der Vergangenheit entthront werden, so macht diese Interpretation dieses Doppelalbum doch sehr, sehr besonders. Und zu einer echten Ausnahme in der Flut von Neueinspielungen dieser Symphonien zum 250. Geburtstag.

Herausragender Interpret

Thomas Adès als erfolgreicher zeitgenössischer Komponist erweist sich einmal mehr als herausragender Interpret klassischer Werke (erinnert sei an sein Klavierspiel in der Neuaufnahme von Schuberts ‘Winterreise’, die allein wegen ihm zum Ereignis wird). Adès kombiniert Beethoven auf dieser Doppel-CD mit zwei Stücken von Gerald Barry: einer Vertonung von Beethovens Brief ‘An die ferne Geliebte’, in englischer Übersetzung und schlicht ‘Beethoven’ betitelt. Ein Stück aus dem Jahr 2008, hier von Bariton Mark Stone mit Mut zur grotesken Überzeichnung vorgetragen/gesungen und mit 17 Minuten eine ziemlich schräge ‘andere’ Annäherung an Beethoven.

Mit dem 20-minütigen Klavierkonzert (2012) von Barry konnte ich anfangs wenig anfangen, aber auch dieses entfaltet schnell als ‘tönend bewegte Form’ einen interessanten Reiz: weil es genauso funktioniert in der Adès-Lesart wie eine Beethoven-Symphonien. Es sind ebenso (tonale) Klangbausteine, die mit äußerster Präzision miteinander verbunden werden. Man gewöhnt sich schnell daran, dass sie ‘anders’ klingen als bei Beethoven, aber dann auch wieder nicht. Als Gesamterlebnis ist dieses Beethoven-Barry-Programm absolut erfrischend und eine der wirklich herausragenden Neuerscheinungen zum Beethoven-Jahr 2020.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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    Werke von Beethoven und Barry: Britten Sinfonia, Thomas Adès

Label:
Anzahl Medien:
signum classics
2
Medium:
EAN:

CD
635212061626


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Beethoven, Ludwig van


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