> > > Handel Concerti grossi Op. 3: Akademie für Alte Musik Berlin, Georg Kallweit
Donnerstag, 28. Oktober 2021

Handel Concerti grossi Op. 3 - Akademie für Alte Musik Berlin, Georg Kallweit

Händel fortgesetzt


Label/Verlag: Pentatone Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Nach den beiden Vorgängerplatten zu Händel nun das Opus 3 auf wiederum hohem Niveau – die Akademie für Alte Musik und Pentatone folgen offenkundig einem ambitionierten gemeinsamen Weg.

Georg Friedrich Händels Concerti grossi Opus 3 wurden von seinem englischen Verleger John Walsh 1734 wohl ohne Wissen des Komponisten veröffentlicht und zuvor ebenso ohne Abstimmung ausgewählt. Das mag erklären, warum die Sammlung in ihren Nummern eins bis sechs sehr verschiedene Werke miteinander verbindet – formal, in musikalischen Gehalt und Besetzung. Man fügte da behände vieles zusammen, was in verschiedenen Schaffensphasen aus Ouvertüre, Sonate oder italienischem Konzerttypus herrührte. In zwei bis fünf Sätzen sehr unterschiedlich dimensioniert und angeordnet kann auch strukturell nicht jedes der Werke eindeutig als ‚auskomponierte Triosonate‘ angesprochen werden, als welche Concerti grossi durchaus zu betrachten sind.

Was aber alle diese Kompositionen durchzieht, sind Händels sprühender Geist, sein künstlerisches Temperament, seine stupend beeindruckende Largo-Kunst, sein Wissen um die subtile Wirkung von Klangfarben und -effekten. Die typische Streicherbesetzung der Zeit, gelegentlich um eine Stimme erweitert, wird ergänzt durch klangprägende Oboen, durch Fagott, gelegentlich bereichert um die Farben von Blockflöten oder Traversflöte, grundiert von Laute und Cembalo. Im letzten der Konzerte soliert eine Orgel, deren herausgehobene Position im Orchester den Typus der Händelschen Orgelkonzerte vorwegnimmt.

Präzis federnd und edel singend

Die Akademie für Alte Musik Berlin hat binnen eines Jahres zwei Folgen der Concerti grossi Opus 6 von Händel mit großem Erfolg auf den Markt gebracht; jetzt folgt das Opus 3 ebenfalls beim Label Pentatone. Und es ist ein höchst kultivierter Händel zu hören, lupenrein im Grunde, getragen von schlanken, beweglichen, wunderbar homogenen Streicherregistern, die rhythmisch präzis federn und in edlen Linien zu singen vermögen. Artikuliert wird hier wie im Ensemble insgesamt hochdifferenziert, mit viel agiler Kleinteiligkeit und motorischer Energie, kontrastiert mit seelenvoll lyrischer Geste: So geht Händel.

Vor allem die Oboen von Xenia Löffler und Michael Bosch sind es, die den Klang mit eleganten Farben versehen, in vielen langsamen Sätzen Händels lyrische Qualitäten betonen, ebenso wie die Blockflöten von Anna Fussek und Karin Gemeinhardt oder die Traversflöte von Christoph Huntgeburth. Elegant grundiert und mit klaren Akzenten versehen wird das gesamte Geschehen durch den Basso continuo, auch um sanft perkussive Momente ergänzt.

Kluge Tempowahl

Mit kluger Wahl der Tempi erreicht der das Ensemble umsichtig leitende Konzertmeister Georg Kallweit ein klar gestuftes Tableau; dynamisch dominiert geschmackvolle Varianz, auch größere Wirkungen bleiben in einen durchgehenden klanglichen Konsens eingebunden. Vordergründig-knalliger Plastizität ist man ohnehin abhold – vielleicht fehlen in wenigen Momenten solche Ansätze affektiver Unbekümmertheit und griffiger Gestalt. Intoniert wird, wie erwartet, absolut makellos – nicht die kleinste Irritation ist zu verzeichnen. Technisch ist das Klangbild eine vollkommene Entsprechung von Musik und Ensemble: Differenziert und doch mit edlem Zusammenklang, fein balanciert, dazu stark in den Strukturen.

Händel fortgesetzt: Nach den beiden Vorgängerplatten nun das Opus 3 auf wiederum hohem Niveau – die Akademie für Alte Musik und Pentatone folgen offenkundig einem ambitionierten gemeinsamen Weg.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Handel Concerti grossi Op. 3: Akademie für Alte Musik Berlin, Georg Kallweit

Label:
Anzahl Medien:
Pentatone Classics
1
Medium:
EAN:

CD SACD
827949077661


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Händel, Georg Friedrich


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Pentatone Classics

PentaTone wurde im Jahr 2001 von drei ehemaligen Leitenden Angestellten der Philips Classics zusammen mit Polyhymnia International (dem ehemaligen Philips Classics-Aufnahmezentrum) ins Leben gerufen.
Die Gründer von PentaTone sind überzeugt, dass der 5-Kanal Surround-Sound allmählich den heute noch gängigen Stereo-Sound ersetzen wird, vor allem weil er die Hörerfahrung immens bereichert. Die Einführung der Super Audio-CD (SA-CD) durch Sony und Philips hat es dem Hörer ermöglicht, sich den Konzertsaal direkt ins eigene Wohnzimmer zu holen. Die SA-CD hat im Vergleich zur CD eine weitaus höhere Speicherkapazität und sie kann 5-Kanal-Informationen in hoher Auflösung aufnehmen. Deshalb bietet die SA-CD einen hochwertigen Surround Sound.
Alle PentaTone-Aufnahmen erscheinen auf sog. hybriden SA-CDs, die zwei miteinander verbundene Schichten haben. Die erste enthält das normale CD-Signal, während auf der zweiten das Surround-Sound-Signal abliegt. Diese hybriden Tonträger können mit Stereo-Effekt auf jedem normalen CD-Spieler abgespielt werden. Um den Surround Sound-Effekt zu erzielen, benötigt man einen SA-CD-Spieler.
PentaTone baut seit einigen Jahren mit den hervorragenden Aufnahmen von Polyhymnia International einen neuen Klassikkatalog auf, der die berühmtesten Werke der Musikgeschichte enthält, interpretiert von absoluten Weltklasseinterpreten. So wurden Symphonie-Zyklen von Beethoven, Bruckner, Schostakowitsch und Schumann begonnen. Ein Brahms-Zyklus mit Marek Janowski am Pult des Pittsburgh Symphony Orchestra ist bereits erschienen. Sämtliche Werke für Violine und Orchester von Mozart wurden mit Julia Fischer aufgenommen, dem "Gramophone Artist of the Year 2007". In seiner kurzen Geschichte hat PentaTone bereits zahlreiche renommierte Preise gewonnen, darunter einen Grammy, einen Gramophone Award, einen Preis der deutschen Schallplattenkritik, zwei Echos, zwei Diapason d'Ors de l'année und einen CHOC de l'année.
Neben den Neuaufnahmen veröffentlicht PentaTone auch historische Surround Sound-Aufnahmen auf SA-CD. Dafür hat PentaTone sämtliche, zwischen 1970 und 1980 von Philips Classics im Quadrophonie-Verfahren entstandenen Aufnahmen für die Herausgabe auf SA-CD lizenziert. Auf diesen Einspielungen sind die legendären Philips Classics-Künstler jener Epoche zu hören. Mit dem heutigen SA-CD-System kommen diese spektakulären und hochwertigen 4-Kanal-Aufnahmen so zur Geltung, wie man es ursprünglich geplant hatte. Die Serie trägt den Titel "RQR" (Remastered Quadrophonic Recordings).


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