> > > Wizlav von Rügen: Mare Balticum Vol.3: Ensemble Peregrina, Agnieszka Buzinska-Bennett
Donnerstag, 29. Oktober 2020

Wizlav von Rügen: Mare Balticum Vol.3 - Ensemble Peregrina, Agnieszka Buzinska-Bennett

Baltische Reise


Label/Verlag: Tacet
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine weitere Folge der Reise rund um die Ostsee an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert: Dem Ensemble Peregrina dabei zu folgen, macht große Freude.

Es ist eine großartige Reihe, die das Ensemble Peregrina von Agnieszka Budzińska-Bennett vor einiger Zeit beim Label TACET begonnen hat. Die Idee ist es, im späten Mittelalter musikalisch einmal die Ostsee zu umrunden. Zwei Folgen sind bereits erschienen: ein eindrucksvoller Auftakt mit dänischen Überlieferungen, gewiss auch erratisch, doch auch kundig und reflektiert in seiner Substanz ausgeforscht, dazu im zweiten Teil eine schwedisch-finnische Kombination. Es war in beiden Folgen erstaunlich, wie lebendig, dringlich, auf erstaunliche Weise gegenwärtig so alte Kunst über ein dreiviertel Jahrtausend hinweg wirken kann. Die Ostsee wird als gemeinsamer kultureller Raum gezeichnet, mit Eigen- und Besonderheiten, doch auch mit verbindenden Elementen, mit Erfahrungen, die Nachbarn näher sein lassen als es auf den ersten Blick scheint.

Der dritte Schritt führt an die Südküste, auf die Insel Rügen, zu Wizlav und dessen Minnesang und Sangspruchdichtung, die so ausgeprägt und profiliert sind, wie es von weit prominenteren Repräsentanten der Zeit vertraut ist. Wizlav war Dichter, Sänger, kultureller Multiplikator, Erzähler, jemand, der Traditionen weiterträgt und prägt. All das gilt, auch wenn die historische Person im Dunkeln der Musikgeschichte verborgen bleibt: Wizlav gewinnt in seiner Kunst Statur, ganz ohne Nachweis der Vermutung, dass es sich um Fürst Wizlav III. von Rügen handeln könnte, der 1325 gestorben ist. Im konzentrierten, gehaltvollen Booklettext ist vom inhaltlichen Anspruch Wizlavs zu lesen: Er hatte ‚Botschaften an die ganze Menschheit, an Maria und Jesus Christus‘. All das gewinnt in hoch- und niederdeutscher Poesie Gestalt, verbunden mit schlichten, doch ambitionierten musikalischen Linien, die durch das Ensemble behutsam und entschieden in einem ausgedeutet werden.

Konzentriert und farbig

Agnieszka Budzińska-Bennett singt und spielt auf Harfe und Symphonia, Marc Lewon ist ebenso vokal aktiv wie instrumental auf der Chiterna oder Quinterne, dazu Baptiste Romain auf der Fidel, Mathias Spoerry rein vokal und Mara Winter auf einer mittelalterlichen Traversflöte. Diese Besetzung ermöglicht viel mehr Farben als auf den ersten Blick enthalten scheinen. Alle Akteure wandeln mit enormer theoretischer und praktischer Expertise sicher diesseits jeder esoterischen Versuchung: Es sind hochambitionierte Musikerinnen und Musiker – Marc Lewon mit eigenwilliger Präsenz, klar gezeichneten Linien, präsenter Diktion bei quasi natürlicher Tongebung. Mathias Spoerrys Stimme wirkt nobler, noch harmonischer gebaut, balsamisch fast. Agnieszka Budzińska-Bennett ist vokal geradezu idealtypisch balanciert zwischen vokaler Kunst und schlichter Anmutung. In Wechselwirkung mit den Instrumenten – besonders der lyrisch-sehnenden Flöte von Mara Winter – entfalten die vokalen Linien eine enorme Intensität. Ein besonderes und zugleich prägendes Moment ist die Erscheinung des sich selbst instrumental begleitenden Vokalisten: Hier ist beides immer wieder in einer Hand, dem vermuteten Original auch auf diese Weise nah.

Fast alles fließt frei, wenige Akzente beleben das ruhige, gesammelte Grundmovens. Vokale Entfaltung gibt die wichtigen Zeichen; gesammelte Gesten sind das Mittel der Wahl. Intoniert wird fein und schwebungsreich, im Zusammenspiel mit den eigenwilligen Instrumenten ergibt sich ein schlüssiges Bild. Es wird singend gesprochen oder sprechend gesungen: Jedenfalls ist die Wizlav ebenso wie die Interpreten inspirierende Idee sehr klar und sorgfältig herausgearbeitet. Der von TACET entwickelte Real Surround Sound ist die Basis eines ungemein plastischen und griffigen, räumlich perfekt gestalteten und edel balancierten Klangbilds: Perfekte Bedingungen für die kleine Künstlerschar. Eine weitere Folge der Reise rund um die Ostsee an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert: Dem Ensemble Peregrina dabei zu folgen, macht große Freude.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Wizlav von Rügen: Mare Balticum Vol.3: Ensemble Peregrina, Agnieszka Buzinska-Bennett

Label:
Anzahl Medien:
Tacet
1
Medium:
EAN:

CD SACD
4009850026143


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Tacet

Das Wort TACET kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "er/sie/es schweigt". Es steht in den Noten, wenn ein Musiker für ein ganzes Stück nichts zu spielen hat. In einem solchen Fall steht in den Noten "TACET". Ein paradoxer Name für eine Plattenfirma?

Der Produzent des Labels, Andreas Spreer, liebt das Paradox. Im April 1989 gründete der Diplom-Tonmeister die Musikfirma TACET in Stuttgart/Germany. Seither produziert TACET Musik für höchste Ansprüche auf den verschiedensten Tonträgern (CD, LP, SACD, DVD-Audio, Blu-ray). Von Beginn an erhielten die Aufnahmen herausragende Rezensionen und höchste Auszeichnungen (u. a. mehrere Jahrespreise der deutschen Schallplattenkritik, Cannes Classical Award, Echo, Diapason d'or, Grammy-Nominierung und viele mehr; stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten), aber was noch wichtiger ist, sie erfreuen sich größter Beliebtheit beim Publikum. Dabei ist noch kein Ende abzusehen: Die Zahl der TACET-Fans wächst immer weiter. Woher kommt dieser langandauernde große Erfolg?

Vielleicht liegt es daran: TACET arbeitet konsequent an der Synthese von zwei Ebenen, die häufig als sehr unterschiedlich oder sogar gegensätzlich angesehen werden: dem musikalischen Gehalt und der aufnahmetechnischen Qualität.

Als Begriff, der sowohl die musikalischen als auch die aufnahmetechnischen Vorzüge der TACET-Aufnahmen umfasst, bietet sich das Wort "Klang" an. Klang entsteht in einem Instrument, der Musiker bringt ihn daraus hervor, doch ob gewollt oder nicht - die nachfolgenden Apparaturen und Personen beeinflussen den Klang auch. Wenn alle Beteiligten, Musiker, Instrumente, Raum, Aufnahmegeräte und "Tonbearbeiter" gut zusammenpassen bzw. zusammenarbeiten, wächst in der Mitte zwischen ihnen wie von selbst etwas Neues empor, das dem Wesen einer Kompositon sehr nahe kommt. Davon handelt unser Slogan "Der TACET-Klang - sinnlich und subtil".

"This is one of the best sounding records you'll ever hear" schrieb das US-Magazin "Fanfare" über die TACET-LP L207 "oreloB". György Ligeti äußerte über die Kunst der Fuge "... doch wenn ich nur ein Werk auf die "einsame Insel" mitnehmen darf, so wähle ich Koroliovs Bach, denn diese Platte würde ich, einsam verhungernd und verdurstend, doch bis zum letzten Atemzug immer wieder hören.". "Entscheidend aber ist die Gemeinsamkeit des Geistes. Die Auryn-Leute beseelt die gleiche Kunstgesinnung..." (Rheinische Post). Stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten oder noch besser hören Sie sich TACET-Aufnahmen an und überprüfen, was die Kritiker schreiben.

Bei uns darf Musik all das anrühren und ausdrücken, was das Leben ausmacht. Sie erlaubt dem Hörer Gefühle zu empfinden, ohne sentimental zu werden. Sie kann witzig sein und zum Lachen bringen. Sie kann auf ehrliche Weise "romantisch" sein, ohne den Hörer in einen Kaufhausmief von Wohlfühlklängen zu versenken. Sie darf in unendlichen Variationen geistreich sein. Sie darf zum Denken und zum Erkennen anregen, ohne musikalische Vorbildung zu erfordern. Sie darf effektvoll sein und um die Ohren fliegen, wenn es dem Wesen der Werke entspricht. Sie kann Revolutionen im Kopf auslösen, ohne ein einziges Wort. Sie kann widersprechen und korrigieren. Musik kann Verzweiflung wecken, aber auch trösten. Und und und. Die vollständige Liste wäre endlos.

Der TACET-Inhaber und -Gründer Andreas Spreer erhielt u. a. die Ehrenurkunde des Preises der deutschen Schallplattenkritik.


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