> > > César Franck: Rédemption: The Netherlands Radio Choir & Philharmonic, Jean Fournet
Donnerstag, 29. Oktober 2020

César Franck: Rédemption - The Netherlands Radio Choir & Philharmonic, Jean Fournet

Rarer Klassiker


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die dünne Diskografie von César Francks Poème-symphonie 'Rédemption' ist um einen (historischen) Beitrag reicher.

César Francks Poème-symphonie 'Rédemption' aus den Jahren 1871/72 war zu Lebzeiten des belgischen Komponisten weitbekannt, wenn auch nicht ganz so bekannt wie Charles Gounods Oratorium, das 1882 seine Uraufführung auf dem Birmingham Festival erlebte, heute aber nahezu völlig vergessen ist. Mit einer knappen Stunde ist Francks Werk ausgesprochen diskophon, und es ist überraschend, dass neben der Studioproduktion unter Michel Plasson aus Toulouse 1994, einem schlecht geschnittenen italienischen Livemitschnitt von 2007 mit Anna Bonitatibus als Solistin und der Neuproduktion aus Liège unter Hervé Niquet von 2018 nun mit der Auskopplung aus Brilliants César Franck Edition (CD 19) erst die dritte Tonträgerveröffentlichung des Werkes vorliegt. Hier handelt es sich um einen Rundfunkmitschnitt aus Hilversum vom 12. März 1976 unter der Leitung von Jean Fournet (1913–2008), von 1944 bis 1957 Musikdirektor der Pariser Opéra-Comique und später häufig in den Niederlanden aktiv (er starb in Hilversum). Von 1961 bis 1978 war Gastdirigent des Radio Filharmonisch Orkest, doch blieb er dem Orchester zeitlebens als Chef d'Orchestre Permanent Invité verbunden.

Präzise

Die Uraufführung der 'Rédemption' erfolgte Gründonnerstag 1873, nachdem sich die Aufführungsmaterialien im Probenprozess als voller Fehler erwiesen hatten, die durch Francks Schüler Vincent d’Indy, Henri Duparc und Camille Benoît im wahrsten Sinne über Nacht bereinigt werden mussten. Nachdem die Uraufführung unter Édouard Colonne wegen zu geringer Proben zum Fiasko geriet, konnte sich die Komposition erst in einer revidierten Fassung von 1874 durchsetzen, und zwar erst ab 1896, sechs Jahre nach Francks Tod. Wie Niquet verzichtet Fournet auf die interpolierten Sprechpassagen und konzentriert sich ganz auf die zehn musikalischen Nummern des Werks. Interpretatorisch ist Fournets Lesart interessanterweise zwischen Plasson und Niquet, näher an letzterem anzusiedeln – im direkten Vergleich gerät Plasson an vielen Stellen weniger frisch, teilweise auch ein wenig opernhafter (etwa bei der Arie des Erzengels gegen Schluss); auch verändern sich die Proportionen der Komposition nicht zuletzt durch die Wahl des von Fournet und Niquet gewählten Notentextes, der von Plassons offensichtlich in einigen Nummern abweicht. Fournets Chor ist weit präziser in der Textgestaltung als Plassons, die Sopranistin Gé Neutel für den Erzengel eigentlich zu kindlich-reinstimmig (Béatrice Uria-Monzon unter Plasson überragt sowohl sie als auch die Solistin Niquets).

Die Orchesterleistung ist bei Fournet und Plasson gleichwertig – und auch wenn Niquets Darbietung noch durchhörbarer ist, irritiert dort ein nicht ganz homogener Gesamtklang. Damit erlangt Fournet, nicht zuletzt durch sein tiefes Verständnis für die Musik, einen Platz weit vorne in der Diskografie der Komposition, wenn wir auch hier nicht von einer rundum gelungenen Referenzleistung sprechen können. Jedenfalls verliert Plassons Einspielung, lange zentrale Veröffentlichung des Werks, zunehmen an Bedeutung, wenn auch die philologische Sorgfalt der Produktion auch heute noch beachtlich ist. Leider fehlt der Brilliant-Veröffentlichung wie so häufig das Libretto im nur englischsprachigen Booklet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    César Franck: Rédemption: The Netherlands Radio Choir & Philharmonic, Jean Fournet

Label:
Anzahl Medien:
Brilliant classics
1
Medium:
EAN:

CD
5028421960029


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Franck, César


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