> > > Richard Strauss: Don Quixote: Alexander Rudin, National Symphony Orchestra of Ireland, Gerhard Markson
Mittwoch, 2. Dezember 2020

Richard Strauss: Don Quixote - Alexander Rudin, National Symphony Orchestra of Ireland, Gerhard Markson

Tapferer Ritter mit schwächelnder Armee


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Sehr gute Solisten, allerdings ein nur mittelprächtiges Orchester lassen diese Aufnahme des 'Don Quixote' von Richard Strauss insgesamt etwas blass wirken. Die Romanze für Cello und Orchester gelingt hingegen einwandfrei.

Der Vergleich zwischen Beethovens Symphonien und den Tondichtungen von Richard Strauss ist methodisch heikel, aber wagen wir ihn einmal kurz: Beide Werkzyklen haben nachhaltig orchestrale Maßstäbe gesetzt und erfreuen sich ganz unterschiedlicher Beliebtheit bei den Musikern und beim Publikum. Während man sich allerdings vor Gesamteinspielungen aller Beethoven-Symphonien kaum retten kann, so sind es doch die ‚ungeraden‘ Nummern (also 1, 3, 5, 7 und 9), die im Konzertsaal geradezu omnipräsent sind, knapp gefolgt von der Pastorale (Nr. 6). Die ‚geraden‘ Symphonien Nr. 2, 4 und 8 stehen da schon ein Stück zurück.

Und bei Strauss? 'Don Juan', 'Till Eulenspiegel', 'Tod und Verklärung', 'Zarathustra' und das 'Heldenleben' werden häufig gespielt, 'Macbeth' und die 'Symphonia Domestica' schon deutlich weniger. Irgendwo dazwischen steht der 'Don Quixote', einerseits ein recht langwieriges und auch etwas sperriges Werk mit über 40 Minuten Spieldauer. Andererseits wird es von vielen Cellisten aufgrund seines sehr anspruchs-, aber auch wirkungsvollen Soloparts geschätzt und liegt in einer großen Zahl von Aufnahmen vor. So muss sich jede weitere Einspielung einen Vergleich mit den Besten gefallen lassen: Rostropowitsch, Tortelier, Fournier, Müller-Schott... die Liste ließe sich lange fortsetzen.

Herausforderung

Auf vorliegender (bereits 1997 entstandener) Aufnahme nimmt der russische Cellist Alexander Rudin die Herausforderung an, sich mit den genannten Größen seines Fachs zu messen. Das Nationale Symphonie-Orchester Irlands begleitet ihn unter Gerhard Markson (sofern man bei einer Tondichtung überhaupt von ‚Begleitung‘ sprechen darf). Den ebenfalls anspruchsvollen Viola-Solopart – der leider oft gegenüber dem Cello vernachlässigt wird – spielt Lars Anders Tomter. Gleichsam als Zugabe erklingt noch die frühe Romanze für Cello und Orchester.

Rudin ist, um einen positiven Aspekt dieser Einspielung hervorzuheben, den technischen und musikalischen Hürden des Werkes durchaus gewachsen. Ohne zu forcieren gelingen ihm auch heikle Passagen, niemals leidet die Schönheit seines Tons. Die ‚Darstellung‘ des ritterlichen Helden, der unter anderem gegen Windmühlen und eine Schafsherde kämpft, funktioniert also seitens des Solisten sehr gut. Leider kann das Orchester dieses Niveau nicht mitgehen: Hier merkt man doch an einigen Stellen gewisse Limitierungen, insbesondere in der Präzision des Zusammenspiels. Die Musiker sind der groß besetzten Partitur (einschließlich Windmaschine) nicht immer gewachsen. Schon die Steigerung des ersten Abschnittes, unmittelbar vor dem Einsatz des Solisten, wirkt streckenweise etwas mühsam. Markson hat bisweilen auch hörbar Mühe, den riesigen Apparat zu sortieren, so dass die eine oder andere Stimme schlicht untergeht.

Respektabler Eindruck

Rudin (und übrigens auch Tomter, der als Sancho Pansa seinem ‚Herrn‘ nichts schuldig bleibt) steht so mit seiner einwandfreien Leistung einem leider nicht optimal aufgelegten Orchester gegenüber. Auch die klangliche Balance ist nicht immer optimal. Das ist schade, denn mit einem entsprechend erstklassigen Ensemble hätte sich diese Aufnahme sicherlich gegen die zahlreich vorhandene Konkurrenz behaupten können. So bleibt der Eindruck eines 'Don Quixote', der zwar sehr respektabel ist, aber eben auch nicht mehr.

Und die Romanze? Zwar sollte man das frühe Werk nicht mit der ausgereiften Instrumentationskunst des 'Don Quixote' vergleichen, doch als gleichsam nette (und kompakte) Zugabe nach der riesigen Tondichtung kann sich das Stück allemal hören lassen. Rudin kostet die lyrischen Momente des Werkes voll aus und wird vom Orchester (das hier auch deutlich weniger gefordert ist als im 'Don Quixote') verlässlich begleitet. Nur ist die Romanze leider eher das ‚Nebenwerk‘ der CD, das Hauptaugenmerk liegt zweifelsohne auf der großen symphonischen Dichtung. So wird wohl jeder Hörer, der sich für den 'Don Quixote' interessiert, zu einer besseren Einspielung greifen. Wer sich ausdrücklich für die Romanze interessiert, kann hier hingegen zugreifen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Richard Strauss: Don Quixote: Alexander Rudin, National Symphony Orchestra of Ireland, Gerhard Markson

Label:
Anzahl Medien:
Naxos
1
Medium:
EAN:

CD
636943417522


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Strauss, Richard


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Naxos

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