> > > Hans Eklund: Symphonies: Norrköping Symphony Orchestra, Hermann Bäumer
Donnerstag, 3. Dezember 2020

Hans Eklund: Symphonies - Norrköping Symphony Orchestra, Hermann Bäumer

Nicht nervös genug


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Hans Eklunds Sinfonik ist für die Interpreten offenbar noch schwieriger als für den Hörer.

Der Schwede Hans Eklund (1927–1999) gehörte zu jenen Komponisten in der Nachfolge Lars-Erik Larssons, denen es ein wenig an extremer Eigenart mangelte. In einer Zeit, da die Entwicklungen in ambitionierten Kreisen immer weiter weg gingen von Musik als klingender Fluss von Konsonanzen und Dissonanzen (oder selbst nur Dissonanzen), haben wir hier einen Komponisten, dem es um die Fortführung von Traditionen, nicht um ihre Zerbrechung ging. Die Dritte Sinfonie (1967/68) mit dem Beititel 'Sinfonia rustica' wurde durch die Insel Gotland, auf der sie entstand, mit inspiriert. Dargeboten wird sie hier als deskriptives Tableau voller starker Farben, mit klaren Konturen und hoher Virtuosität. Warum aber reißt die Musik nicht vollständig mit? Fehlt es Eklund an präzisem Personalstil, den man jederzeit erkennen könnte, an ungenügender Identifikation des Norrköpings Symfoniorkester mit dem durchaus vorhandenen Personalstil (der nur vielleicht jenseits der Noten zu entdecken ist)? Vielmehr scheint die Dritte Sinfonie musikalisch tatsächlich schwer durchdringbar zu sein – auch in der Uraufführungsinterpretation unter Stig Westerberg gibt es Momente der Schwäche.

Unterschwellige Zitatelemente

Die 1977 uraufgeführte Fünfte Sinfonie 'Quadri' ('Gemälde') ist kaum weniger außermusikalisch inspiriert (durch Gemälde von Richard Bergh, Bengt Nordquist und Gunnar Jonsson). Hier ist die gelegentliche Nähe zu mancher Schostakowitsch-Partitur kaum zu überhören, doch auch die schon in der Dritten Sinfonie wahrnehmbaren unterschwelligen Zitatelemente finden sich hier wieder. Hier fallen gelegentlich ganz geringfügige Unschärfen im Orchesterspiel auf (besonders bei den Blechbläsern), doch insgesamt ist die Aufnahmetechnik (trotz einer durchaus etwas halligen Raumakustik der Geerhallen in Norrköping) klug gestaffelt, wenn auch mit etwas zu geringer Tiefenperspektive. Während die Streicher farblich wenig differenzieren, überzeugen besonders die Holzbläser.

Die Elfte Sinfonie 'Sinfonia piccola' (1994/95), die umfänglichste Komposition der CD, ebenso wie die beiden anderen Sinfonien dreisätzig, ist dem Gedächtnis Lars-Erik Larssons gewidmet – eben jener wichtigen Lehrerfigur, die die Musikentwicklung Schwedens entscheidend mitgeprägt hat. Stilistisch ist der Unterschied zur 25 Jahre zuvor entstandenen Dritten zu vernachlässigen – doch ist der Klang insgesamt lichter, dadurch konziser. Obschon vom Schwedischen Rundfunk in Auftrag gegeben, erfolgte die Ersteinspielung erst 1998 – die Erstsendung erlebte der Komponist nicht mehr. Im Konzert war das Werk noch nie zu hören.

In der Literatur wird Eklund gelegentlich mit Pettersson vergleichen – möchte man solchen Vergleich konsequent durchsetzen, braucht es aber kantigere, kompromisslosere Interpretationen, als wir hier von allen drei Sinfonien erhalten. Am gelungensten darf man wohl die Einspielung der Elften nennen – eben weil hier die Ausbrüche ‚intim expressiv‘ bleiben. Auch hier wünscht man sich zwar noch mehr unterschwellige nervöse Energie, doch kann man erahnen, welches Potenzial der Musik innewohnt, das hier aber nicht rundum ausgeschöpft ist.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Hans Eklund: Symphonies: Norrköping Symphony Orchestra, Hermann Bäumer

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203508723


Cover vergössern

Eklund, Hans
 - Symphony No.3 Sinfonia rustica - Adagio Impetuoso. Allegro molto. Adagio
 - Symphony No.3 Sinfonia rustica - Andante
 - Symphony No.3 Sinfonia rustica - Allegro e pessante
 - Symphony No.5 Quadri - Adagio ma non troppo. Poco masso
 - Symphony No.5 Quadri - Intermezzo. Allegro commodo
 - Symphony No.5 Quadri - Allegro e feroce. Andante sostenuto. Allegro. Andante sostenuto
 - Symphony No.11 Sinfonia piccola - Andante espressivo
 - Symphony No.11 Sinfonia piccola - Quasi una marcia. Allegro. Lento. Allegro. Poco meno. Allegro
 - Symphony No.11 Sinfonia piccola - Conclusione. Adagio


Cover vergössern

Dirigent(en):Bäumer, Hermann
Orchester/Ensemble:Norrköping Symphony Orchestra


Cover vergössern

cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag cpo:

  • Zur Kritik... Mit russischem Tiefgang: Anton Rubinsteins Streichquartette sind allemal die Entdeckung wert. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Wienerisches für Traversflöte: Sieglinde Größinger und ihr Ensemble Klingekunst erhellen eine Vorstufe der Wiener Klassik. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Zu kurz gegriffen: Eine neue CD mit Rossini-Ouvertüren sollte einer essenziellen inneren Notwendigkeit entspringen – die hier nicht ganz nachvollziehbar ist. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von cpo...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Jürgen Schaarwächter:

blättern

Alle Kritiken von Dr. Jürgen Schaarwächter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Hinter dem Schleier: In seiner inhaltlichen Dimension und musikalischen Wirkung ist 'The Sacred Veil' von Eric Whitacre ein erschütterndes Stück. Whitacre und Los Angeles Master Chorale agieren bezwingend. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Blitzsauber und stimmig: Bahnbrechende Neuheiten sind in dieser Neueinspielung nicht zu hören, dafür eine blitzsaubere und in sich stimmige Produktion. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Neue Musik aus Argentinien: Ein wichtiges Plädoyer für einen argentinischen 'Zeitgenossen'. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12/2020) herunterladen (3600 KByte) Class aktuell (3/2020) herunterladen (2399 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich