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Mittwoch, 30. September 2020

Böhm, Georg - Die Claviersuiten

Böhms Clavierleben


Label/Verlag: Glossa
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Vom großen Bach geschätzt, ‘geliebt und studiret’ worden zu sein ist schon eine besondere Ehre. Ebenso, wie jene Komponisten, die er in seine pädagogischen Sammlungen, wie das Clavierbüchlein, übertrug, etwas über Bachs Wurzeln und seine Interessen verraten, so lässt sich diese Sympathie auch in umgekehrter Richtung verfolgen und rettet eine kleine Schar von heute nicht mehr sehr bekannten Vertretern der norddeutschen Schule vor endgültigem Vergessen. Buxtehude bedarf Bachs Protektion nicht mehr, Nikolaus Bruhns und seine Organistenkollegen wurden jüngst mit ihnen eigens gewidmeten Einspielungen geehrt – nun war die Zeit reif für Georg Böhm.

Obwohl seine Werke bereits lange in kritischen Ausgaben vorlagen, scheint sich vor der Cembalistin Mitzi Meyerson kaum jemand für ihn interessiert zu haben; eine Aufnahme der Cembalosuiten mit Rinaldo Alessandrini ist vergriffen. Die wahrscheinlich kurz vor 1700 in Hamburg und Lüneburg entstandenen zwölf Suiten und einige Einzelstücke, die auf der Doppel-CD Platz versammelt wurden, sind technisch bei weitem nicht so anspruchsvoll wie die ihre Gattung beschließenden Werke Johann Sebastian Bachs, aber sie legen schon in ihrer Quellengeschichte Zeugnis ab von einer ganz heimlichen und eigensinnigen Lust am Musizieren: wären sie nicht im Möller-Manuskript der Bach-Familie vertreten, sie wären heute verloren. Böhms Suiten repräsentieren das, was in den letzten zehn Jahren des 17. Jahrhunderts den Hauptbestandteil clavieristischer Kompositionen ausmachte, gekennzeichnet von der für deutsche Komponisten typischen Melange aus italienisch-sangbarem und französisch-affektbeladenem Geschmack.

Mitzi Meyerson legt den größten Teil des ‘Böhm für Cembalo’ vor, in einer über weite Strecken mustergültig musizierten, zuweilen grilligen, sehr selten - wie im Tempo der Courante der Suite in F-Dur - auch mal irritierenden, aber alles in allem wunderbar inspirierten Interpretation. Ihre Gedanken zur Registratur und Phrasierung sind klar und überzeugend: Sie nutzt beispielsweise ausgiebig (vor allem im eröffnenden Capriccio) nachdenkliche Micro-Ritardandi, legt damit die innere Ordnung der Suiten frei, und bringt zudem auch ein wenig improvisatorischen Gestus ins Spiel. Die Aufnahme ist sehr nah und klar und dennoch räumlich und bringt das Instrument, ein klangvielfältiges zweimanualiges Cembalo von Keith Hill von 1998 hervorragend zur Geltung. Die zwei (!) Booklets - eines enthält ein Interview mit der Künstlerin, das andere eine Einführung in Böhms Leben und Werk, jeweils viersprachig – gehen inhaltlich weit über den Durchschnitt hinaus.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Carsten Hinrichs,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Böhm, Georg: Die Claviersuiten

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Glossa
2
01.10.2003
1:36:02
2003
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
8424562218017
GCD 921801


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Böhm, Georg


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Interpret(en):Meyerson, Mitzi (Harpischord)


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Glossa

Spaniens renommiertestes Klassiklabel wurde 1992 von Carlos Céster und den Brüdern José Miguel und Emilio Moreno gegründet. Sein "Hauptquartier" hat es in San Lorenzo del Escorial in den Bergen nahe Madrid. Zahlreiche herausragende Künstler und Ensembles aus dem Bereich der Alten Musik (z.B. Frans Brüggen und das Orchestra of the 18th Century, La Venexiana, Paolo Pandolfo, Hervé Niquet und sein Concert Spirituel u.v.a.) finden sich im Katalog des Labels. Doch machte GLOSSA von Anfang an auch wegen der innovativen Gestaltung und Produktionsverfahren von sich reden. Zu nennen wären hier die Einführung des Digipacks auf dem Klassikmarkt und dessen konsequente Verwendung, der Einsatz von Multimedia Tracks oder die Platinum-Serie mit ihrem avantgardistischen Design. Innerhalb der vergangenen knapp zwei Jahrzehnte konnte GLOSSA so zu einem der interessantesten Klassiklabels auf dem Markt avancieren. Zu verdanken ist dies nicht zuletzt auch dem Spiritus rector und Gesicht des Labels, Carlos Céster.


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