> > > Leopold Kozeluch: Piano Trios Vol.3: Trio 1790
Donnerstag, 29. Oktober 2020

Leopold Kozeluch: Piano Trios Vol.3 - Trio 1790

Zur Frühgeschichte des Klaviertrios


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die jahrelange Auseinandersetzung mit einem Komponisten kann immer wieder zu fruchtbaren Neuveröffentlichungen führen.

Seit mehr als 25 Jahren befasst sich das Trio 1790 mit den Klaviertrios von Leopold Kozeluch (Folge 1 der cpo-Edition erschien 1998). Unmittelbar an die Einspielung der Folge 2 folgte noch 2015 die Einspielung des hier zuletzt zu hörende 'Sonata für Pianoforte mit Begleitung einer Violine und eines Violoncell' F-Dur P. IX:12, 2016 ergänzt um die 'Triosonaten' A-Dur und c-Moll P. IX:8 bzw. 11 – alle drei Werke aus den Jahren 1786/87.

Der Gestus der Zeit (er war Schüler Dusseks gewesen) ist jeden Moment unüberhörbar, doch ist auch der Personalstil des Böhmen Jan Antonín Koželuh (der Vorname Leopold wurde erst nach seiner Taufe hinzugefügt) mit lichten Texturen und eingängigen Melodien: Ganz klar haben wir hier eben keine voll ausgewachsenen Klaviertrios mit drei gänzlich gleichberechtigten Partnern, sondern eben ‚Klaviersonaten mit Begleitung‘. Die dreisätzigen Werke sind jeweils durchaus unterschiedlichen Charakters, das A-Dur-Werk bietet als Mittelsatz einen Variationensatz auf, nur jenes in F-Dur ein Adagio, das hier dem Andantino con moto in der c-Moll-Sonate aber keineswegs unverwandt ist. Die c-Moll-Sonate ist fragloseste die ernsteste der drei Werke, lässt aber im Nebensatz des Finales auch elegante ländliche Stimmungen zu Wort kommen.

Rundum überzeugend

 

Die lange Vertrautheit des Trio 1790 mit Kozeluchs Idiom und dem seiner Zeit (schon 1781 hatte Kozeluch einen dermaßen guten Ruf, dass er das Angebot des Salzburger Erzbischofs ablehnen konnte, Mozarts Nachfolger als Hoforganist mit mehr als doppeltem Gehalt des Vorgängers zu werden) führt zu nicht nur einsichtsvollen, sondern rundum überzeugenden Interpretationen der drei Werke. Harald Hoeren spielt auf einem Adlam-Nachbau eines Hammerflügels des Mainzers Matthäus Heilmann mit ausgeglichenen Registern und warmem, ansprechendem Ton. Auch Annette Wehnert und Imola Gombos nutzen nicht Instrumente mit ‚großem Namen‘, sondern eine Violine aus der Werkstatt der Pariser Instrumentenbauerfamilie Lambert und ein Cello von Johann Georg Leeb. Alle drei Instrumente, entstanden um 1800, harmonieren vorzüglich. Es ist nicht zuletzt das Verdienst des Trio 1790, Kozeluchs Kammermusik wieder in das musikalische Bewusstsein zurückgebracht zu haben. Und es lohnt immer, die bisherigen Veröffentlichungen des Ensembles zu erkunden. Die Einspielungen des Deutschlandfunks sind aufnahmetechnisch vorbildlich; bis auf winzige Druckfehler ist auch das CD-Booklet tadellos.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Leopold Kozeluch: Piano Trios Vol.3: Trio 1790

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203509621


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Kozeluch, Leopold
 - Piano Trio P.IX:8 in A major - Allegro
 - Piano Trio P.IX:8 in A major - Andantino con variazioni
 - Piano Trio P.IX:8 in A major - Rondeau. Allegro
 - Piano Trio P.IX:11 in C minor - Allegro
 - Piano Trio P.IX:11 in C minor - Andantino con moto
 - Piano Trio P.IX:11 in C minor - Allegro
 - Piano Trio P.IX:12 in F major - Allegro
 - Piano Trio P.IX:12 in F major - Adagio
 - Piano Trio P.IX:12 in F major - Rondeau. Allegretto


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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