> > > Carl Reinecke: Orchestral Works Vol.1: Münchner Rundfunkorchester, Henry Raudales
Mittwoch, 2. Dezember 2020

Carl Reinecke: Orchestral Works Vol.1 - Münchner Rundfunkorchester, Henry Raudales

Auf der Suche nach dem richtigen Stil


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit seiner Neueinspielung von Carl Reineckes Erster Sinfonie macht sich cpo selbst Konkurrenz.

Mit Gesamteinspielungen kann das so eine Sache sein. Selbst wenn ein Plattenlabel bereits früher einmal einen Teil dieses Œuvres erkundet hat, muss die Neuveröffentlichung natürlich auch diese Werke enthalten. Nun ist die Orchestermusik Carl Reineckes nicht unbedingt das geläufigste Repertoire, und nur wirklich gute Einspielungen leisten dem Vergessenen einen nachhaltigen Dienst. Die cpo-Einspielung von Reineckes Violinkonzert mit Ingolf Turban und dem Berner Symphonie-Orchester unter Johannes Moesus ist wegen des Konzerts und der beiden Violinromanzen für den Interessierten unverzichtbar, dem nun die zweite cpo-Produktion der Ersten Sinfonie A-Dur op. 79 (1858, rev. 1863) vorliegt.

Nun also das Münchner Rundfunkorchester unter dem belgischen Dirigenten Henry Radaules. Die Neuveröffentlichung bietet leider etwas weniger Innenspannung auf als die schon 2004 entstandene Schweizer Einspielung, die auch von den Klangfarben her etwas vielfältiger daherkommt. Auch ist die Tempowahl im langsamen Satz durchaus disputabel – Radaules rückt Reinecke in die Nähe Bruckners und Mahlers, was aber nur punktuell der Musik bekommt. Auch in den anderen Sätzen steht der Dirigent dem Kompositionsstil Reineckes eher fern.

Von der Sinfonie Nr. 3 g-Moll op. 227 (1894) gibt es auf dem Markt bereits zwei ältere Produktionen. Hier fühlen sich Raudales und das Münchner Rundfunkorchester hörbar wohler – auch wenn sie, ebenso wie die früheren Einspielungen, Schwierigkeiten mit der Formung der architektonischen Bögen vor allem des Kopfsatzes haben. Sehr schön gerät das Scherzo mit seinem Dialogisieren im Orchester. Insgesamt darf man vielleicht sagen, dass die neue cpo-Produktion bisher die Referenzeinspielung vorgelegt hat – dass jedoch noch weiter Luft nach oben bleibt.

Bleibt noch das ‚Füllrepertoire‘. Ouvertüre und zwei Zwischenaktmusiken aus der Oper 'Manfred' op. 93 (in einem spielt Raudales selbst das Violinsolo – in der Tracklist falsch zugeordnet) sind vor langer Zeit auf einer Marco Polo-CD mit der Rheinische Philharmonie Koblenz unter Alfred Walter vorgelegt worden (zusammen mit der Ersten Sinfonie), teilweise in etwas grobem Orchesterklang, doch mit stärkerer dramatischer Durchleuchtung als hier. Zwar ist hier gut die Nähe zum Dresdner Schumann zu hören, doch könnte die Musik eine noch stärkere, Reinecke-eigene Dimension vertragen.

Die CD-Premiere, der 'Triumphmarsch' op. 110, bietet einen pompösen Schluss der CD – auch hier eher heruntermusiziert als wirklich sorgfältig erkundet. Vor allem die Trompeten hat Raudales nicht unter Kontrolle, sie blasen auf Teufel komm raus ohne Rücksicht auf Abstimmung mit dem restlichen Orchester. Ein äußerst relativierender Abschluss einer intendierten Großedition – hoffentlich lässt sich die Qualität mit der zweiten Folge (mit der Zweiten Sinfonie) noch steigern.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Carl Reinecke: Orchestral Works Vol.1: Münchner Rundfunkorchester, Henry Raudales

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203511426


Cover vergössern

Reinecke, Carl
 - Symphony No.3 op. 227 in G minor - Allegro
 - Symphony No.3 op. 227 in G minor - Andante sostenuto.
 - Symphony No.3 op. 227 in G minor - Scherzo. Allegro vivace - Trio I & II
 - Symphony No.3 op. 227 in G minor - Finale. Maestoso
 - Overture König Manfred op. 93 -
 - Romanze from the 4th act König Manfred -
 - Prelude to the 5th act König Manfred -
 - Symphony No.1 op. 79 in A major - Lento - Allegro con brio
 - Symphony No.1 op. 79 in A major - Andante
 - Symphony No.1 op. 79 in A major - Scherzo. Molto vivace - Trio un po piu lento
 - Symphony No.1 op. 79 in A major - Finale. Allegro ma non troppo
 - Triumphmarsch op.110 -


Cover vergössern

Dirigent(en):Raudales, Henry
Orchester/Ensemble:Münchner Rundfunkorchester


Cover vergössern

cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag cpo:

  • Zur Kritik... Mit russischem Tiefgang: Anton Rubinsteins Streichquartette sind allemal die Entdeckung wert. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Wienerisches für Traversflöte: Sieglinde Größinger und ihr Ensemble Klingekunst erhellen eine Vorstufe der Wiener Klassik. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Zu kurz gegriffen: Eine neue CD mit Rossini-Ouvertüren sollte einer essenziellen inneren Notwendigkeit entspringen – die hier nicht ganz nachvollziehbar ist. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von cpo...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Jürgen Schaarwächter:

blättern

Alle Kritiken von Dr. Jürgen Schaarwächter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Neue Musik aus Argentinien: Ein wichtiges Plädoyer für einen argentinischen 'Zeitgenossen'. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Konzertante Mittelklasse: Naxos engagiert sich erneut für die Musik des Brasilianers Camargo Guarnieri, die vier hier versammelten konzertanten Werke können allerdings nur teilweise überzeugen. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Mit russischem Tiefgang: Anton Rubinsteins Streichquartette sind allemal die Entdeckung wert. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12/2020) herunterladen (3600 KByte) Class aktuell (3/2020) herunterladen (2399 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Georg Philipp Telemann: Verirrter Sünder, kehrt, ach, kehret um - Recitativo accompagnato

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich