> > > Nun danket alle Gott: Julie Roset, Clematis
Samstag, 21. Mai 2022

Nun danket alle Gott - Julie Roset, Clematis

Klingende Schatztruhe


Label/Verlag: Ricercar
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Schatztruhe Düben-Sammlung: Hier wird sie wieder einmal aufgeklappt, getragen vom schönen Ensembleklang von Clematis und dem feinen Sopran von Julie Roset.

Wann immer es in der Vergangenheit eine Platte mit Werken aus der fast unvergleichlichen Sammlung des schwedischen Organisten, Komponisten und Sammlers Gustav Düben zu verzeichnen gab, erwies sie sich als Reigen substanzieller Schätze. Dieser Sammlung verdankt die Gegenwart etliche Meisterwerke des Barock; manch komponierende Feder ist nur hier überliefert, von anderen Händen – etwa Dietrich Buxtehude – verdanken wir Düben einen guten Teil der heutigen Weite des bekannten Repertoires. Düben muss eine untrügliche ‚Nase‘ für Qualität gehabt haben, die in der Zeit relevant und zugleich ihre konkreten Entstehungsumstände mühelos zu überdauern in der Lage war.

In der jetzt bei Ricercar vorliegenden Platte, die die Sopranistin Julie Roset gemeinsam mit dem Instrumentalensemble Clematis aufgenommen hat, sind neben Buxtehude, Johann Rosenmüller, Andreas Hammerschmidt, Christoph Bernhard, Augustin Pfleger, mit einem Ausschnitt einer für Streicher adaptierten Choralbearbeitung auch Heinrich Scheidemann und quasi als Gast Claudio Monteverdi vertreten. Auch dessen 'Confitebor tibi Domine' entstammt – in exklusiver Zuschreibung an den Venezianer – der Düben-Sammlung, ist allerdings noch einmal in der Bokemeyer-Sammlung tradiert, dort Rosenmüller zugeschrieben, was allerdings im Lauf der Zeit nicht plausibilisiert werden konnte. Ob das entzückende Stück nun, wie hochrangige Interpreten es reklamieren, zu Monteverdis Werk zu zählen ist oder nicht – es legt jedenfalls die Fährte zu einer Musik, die klar italienisch inspiriert ist, dabei kraftvoll und fantasiebegabt aus dem schöpft, was Monteverdi in seinem janusköpfigen Schaffen als neuen Weg gleichsam handstreichartig wies und üppig ausformulierte. Auf diesem Weg sind Andreas Hammerschmidt und Christoph Bernhard zweifellos besonders gelehrige Schüler diesseits der Alpen gewesen – die mannigfaltige Substanz ihrer Musik müsste auch diejenigen beeindrucken, die sie weniger kennen und mit ihrem Werk bislang nicht vertraut sind. Ähnliches gilt selbstverständlich für den diskografisch freilich deutlich präsenteren Johann Rosenmüller, von Buxtehude zu schweigen.

Jugendliche Kühle über farbigem Instrumentarium

Die französische Sopranistin Julie Roset, mit gerade Anfang zwanzig noch jugendlich an Jahren, zeigt sich deutlich am Idealtypus gegenwärtiger Soprankunst im Bereich des historisch informierten Musizierens orientiert: Die Stimme ist klar und luzide, quasi instrumental geführt, durch die Register hindurch ausgeglichen, dazu beweglich und verzierungssicher. Gelegentlich wirkt der Vortrag in der Summe dieser an sich positiven Grundeigenschaften etwas kühl, kristallin und entgeht nicht zu jedem Zeitpunkt der Gefahr der Monochromität. Die im Grunde auf Klarheit zielende Diktion offenbart in den deutschen Texten einige Konsonantenprobleme – die verschiedenen ch-Lautungen haben schon anderen vokalen Größen manch kummervolle Stunde bereitet – und verwäscht auch einzelne Vokale. Die junge Sängerin intoniert makellos und greift gemeinsam mit Clematis die Sprache als der Musik eigene Basis zutreffend auf.

Die Formation ist mit je drei Violinen und Bratschen, dazu Violone, Fagott und Orgel farbig besetzt, agiert konturenscharf, vor allem zu edel klingender Gemeinsamkeit verbunden. Nicolas Rosenfeld brilliert auf dem Fagott mit etlichen schön gezeichneten Beiträgen voller Charme und spezifischer Virtuosität. Die spielenden Leiter des Ensembles, Stéphanie de Failly und Brice Sailly lassen die Sätze geduldig explizieren, mit spürbaren Kontrasten; das dynamische Tableau ist mild gestuft. Das Klangbild ist ungemein klar und präzis, zuweilen fast scharf in seiner strukturellen Qualität – und dann wieder ungemein harmonisch und versöhnt. Schatztruhe Düben-Sammlung: Hier wird sie wieder einmal aufgeklappt. Getragen vom schönen Ensembleklang von Clematis und dem feinen Sopran von Julie Roset.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Nun danket alle Gott: Julie Roset, Clematis

Label:
Anzahl Medien:
Ricercar
1
Medium:
EAN:

CD
5400439004153


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Ricercar

Von Haus aus Musikwissenschaftler und Gambist (und hier immerhin Schüler von Wieland Kuijken), gründete der Belgier Jérôme Lejeune 1980 sein Label RICERCAR, das schnell zu einem der wichtigsten im Bereich der Alten Musik wurde. Das war nicht nur durch die musikwissenschaftliche Arbeit Lejeunes nahe liegend, sondern auch dem Umstand geschuldet, dass Belgien von je her zu den führenden Nationen im Bereich der historischen Aufführungspraxis gehörte. Die Künstler, die für RICERCAR aufnehmen bzw. aufgenommen haben, lesen sich ohne Übertreibung wie das Who-is-Who der Alten Musik-Szene: Hier machte zum Beispiel Philippe Herreweghe genauso seine allerersten Aufnahmen wie das Ricercar Consort, Jos van Immerseel oder Mark Minkowski (sowohl als Fagottist als auch als Dirigent). Zu den Künstlern und Ensembles, die derzeit dem Label verbunden sind, gehören so prominente Namen wie der Organist Bernard Foccroulle, die Sopranistin Sophie Karthäuser sowie die Ensemble La Fenice und Continens Paradisi. Nach wie vor bietet Lejeune dabei jungen Künstlern und Ensembles eine künstlerische Plattform und er beweist dabei stets ein besonders glückliches Händchen. Viele der nicht weniger als 250 Aufnahmen, die hier veröffentlicht wurden, waren klingende Lektionen in Musikgeschichte, die in mehrteiligen Reihen solche Themen wie Bach und seine Vorgänger, die franko-flämische Polyphonie oder Instrumentenkunde behandelten und so etwas wie zu einem Markenzeichen des Labels wurden. Das erstaunliche dabei war auch, dass nahezu alle Produktionen des Labels von Lejeune sowohl wissenschaftlich als künstlerisch und technisch betreut wurden.


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