> > > Hiller – Urspruch: Forgotten Treasures: Joanna Sachryn, Paul Rivinius
Samstag, 19. September 2020

Hiller – Urspruch: Forgotten Treasures - Joanna Sachryn, Paul Rivinius

Nicht ganz gleichberechtigt


Label/Verlag: Kaleidos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Aufnahmetechnisch nicht rundum erfolgreiche Erkundung rarsten Repertoires.

Mit Kompositionen mit Opuszahl darf man Ferdinand von Hillers (1811–1885) Schaffen getrost reichhaltig bezeichnen. Der für die deutsche Musikentwicklung im 19. Jahrhundert wichtige Musiker schuf in seinem letzten Lebensdrittel zwei profilierte Werke für Cello und Klavier, die Serenade d-Moll op. 109 und die Sonate a-Moll op. 172 (veröffentlicht 1869 bzw. 1878). Mit seiner Sonate platziert sich Hiller klar in der Musikgeschichte zwischen Schumann, Reinecke, Brahms, dem jungen Strauss und Reger. Hiller war kein Umstürzler, aber ein hervorragender Handwerker. Er weiß für das Cello zu schreiben, er war ein ausgewiesener Klavierkomponist. Das Miteinander der Instrumente ist nicht immer ganz einfach zu bewerkstelligen, doch gerade in dem Miteinander liegt der besondere Reiz der beiden Werke.

Leider atmen die Cellistin Joannna Sachryn und der Pianist Paul Rivinius nicht immer ganz mit gleichem Atem – die ‚Schumanneske‘ dreisätzige Serenade gelingt leichter denn die komplexe viersätzige Sonate. Dennoch gibt es insbesondere im Cellopart gelegentlich Phrasen, die noch sorgsamer ausgearbeitet hätten werden können, in der Rivinius‘ pianistische charmant-verständnisinnige Präzision im Cello kein ganz vollwertiges Gegenüber findet; zu häufig werden Phrasen nicht wirklich fein austariert, gelegentlich wirken sie fast unter-studiert. Das mag auch an den gewählten Instrumenten liegen: Der Steinway-Flügel hat viel zu wenig Eigencharakter, das Mächler-Cello singt zwar wunderfein, doch ist ihm das junge Alter anzuhören. Rein technische Beherrschung der Musik reicht nicht – es braucht auch ein Verständnis für den ‚Klang der Zeit‘, im Detail wie im Großen.

Überzeugende Detailarbeit

1893 erschien Anton Urspruchs Cellosonate D-Dur op. 29 im Druck – wir sind musikalisch nun schon am Ende des 19. Jahrhunderts angekommen. Und wir können feststellen, dass Sachryn und Rivinius das Idiom Urspruchs besser liegt als jenes Hillers. Das Miteinander überzeugt stärker, auch die Ausarbeitung im Detail ist nun rundum überzeugend. Nur ein Manko bleibt leider auch hier: Die Aufnahmetechnik, brillant im Detail und von genauer Klangtreue, fügt die beiden Instrumente nicht kongenial klangtechnisch zusammen. Für den musikalischen Anspruch der CD ist der Booklettext leider etwas zu journalistisch-nonchalant geraten – als habe sich der Autor mit der Materie genauso auseinandergesetzt wie der Tonmeister.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Hiller – Urspruch: Forgotten Treasures: Joanna Sachryn, Paul Rivinius

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Kaleidos
1
22.05.2020
72:54
Medium:
EAN:
BestellNr.:
Booklet
CD
4260164634824
KAL6348-2


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Hiller, Ferdinand
Urspruch, Anton


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Kaleidos

KALEIDOS MUSIKEDITIONEN wurde im Jahr 2007 von dem Tonmeister und Musikproduzenten Jens F. Meier als Teil der Firma Kaleidos media & arts gegründet. Grundidee war von Beginn an, ausgesuchte, konzeptionelle Programme mit hohem Repertoirewert zu produzieren und so das Werk der Musikautoren selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Veröffentlicht werden Programme aus den Bereichen klassische Musik, Neue Musik und Weltmusik sowie eine eigene Edition mit „Klassik für Kinder“. Das Konzept des Labels beinhaltet die konsequente Einordnung der Veröffentlichungen in verschiedenen » Editionen, die Musikstil, Repertoire und Künstler dezidiert repräsentieren.

KALEIDOS ist ein unabhängiges Musiklabel, das sich ausschließlich jeder einzelnen Musikproduktion (Inhalt und Künstlern) verpflichtet fühlt. Dieses jeweilige individuelle Projekt zu einem guten Produkt zu machen, ist Aufgabe und Ziel des Produzenten. Dabei ist eine enge Verbindung zwischen den einzelnen Bereichen Planung, Musikproduktion, Redaktion, Grafikdesign, Marketing, Vertrieb auf der einen Seite und den ausführenden Künstlern auf der anderen Seite notwendig und sinnvoll, damit ein Tonträger authentisch und ansprechend wird.

Im gesamten Prozess einer Musikproduktion versteht sich KALEIDOS als Partner der Interpreten, deren künstlerische Aussage die zentrale Botschaft einer Aufnahme darstellt. Neben der künstlerischen Leistung der Musiker wird großer Wert auf technisch einwandfreie sowie akustisch hochwertige Aufnahmen gelegt. Ermöglicht wird dies durch die Zusammenarbeit mit musikalisch ausgebildeten Tonmeistern, die den Künstler optimal in der Umsetzung seiner Interpretation unterstützen und für ein klanglich optimales Ergebnis sorgen.

Der technische und ästhetische Qualitätsanspruch zeigt sich ebenfalls in der Umsetzung redaktioneller und gestalterischer Elemente: Begleittexte (Liner Notes), Textlayout und Design von Tonträgerverpackungen und Booklets sollen einen sinnvollen Zusammenhang zur inhaltlichen Aussage der Musik darstellen und den Hörer umfassend und unterhaltend informieren.


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