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Donnerstag, 1. Oktober 2020

Masurenko, Tatjana - Viola Lumina

Die leuchtende Viola


Label/Verlag: Coviello Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine ganze CD mit Werken für Bratsche solo – da muss der Interpret schon Besonderes aufbieten, um den Hörer nicht zu langweilen. Zwar mangelt es vor allem im 20. Jahrhundert nicht an Kompositionen für das tiefe Schwesterinstrument der Violine, aber keines der für Bratsche geschriebenen Werke konnte die Bekanntheit von z.B. Bartoks Sonate für Violine solo erreichen. Das mag mit der deutlich geringeren Anzahl solistisch auftretender Bratscher(innen) zusammenhängen.
Tatjana Masurenko, Schülerin der großen Kim Kashkashian, geht das Wagnis ein: Auf ihrer ‘Viola lumina’ betitelten CD befinden sich neben zwei kürzeren Stücken von Strawinsky und Vieuxtemps die eigentlich für Cello komponierte zweite Suite von Bach (BWV 1008) und Hindemiths Sonate für Bratsche allein (1923).

Auch ein Hörer, der bei der Vorstellung, eine Cellosuite Bachs auf der Bratsche zu hören, erschreckt zusammenzuckt, sollte sich auf Masurenkos Version einmal einlassen. Denn nach einer kurzen Einhörzeit lernt man das Werk von einer anderen Seite kennen, Tatjana Masurenko spielt (übrigens mit einem Barockbogen) ihr Instrument mit noblem, großflächigen Ton und schlägt vom Präludium an ein zügiges, aber nicht zu zügiges Tempo ein. Ähnliches gilt für die Allemande, in der sich erstmals Akkorde zur Melodielinie hinzugesellen, so dass die Illusion der ‘Mehrstimmigkeit’ auf einem Instrument entsteht. Ohne Zweifel allerdings bietet ein Cello hier den volleren, besser grundierten Klang. Die kurze Courante erweitert das bisher eher düstere Stimmungsspektrum ins Tänzerisch-Heitere und bietet Masurenko Gelegenheit, ihre vorzügliche Technik zu entfalten.
Sarabande, Menuett und Gigue bringen dann keine Überraschungen mehr; das Spiel der Russin bleibt auf hohem Niveau, aber man kann sich des Eindruckes nicht erwehren, auf einem Cello würde die ganze Suite eine Spur überzeugender klingen. So bleibt diese Version Geschmacksache: Wer dem Klang einer Bratsche zugetan ist, wird sicherlich Gefallen daran finden.

Igor Strawinskys ‘Élégie’ (1944), geschrieben für Germain Prevost, weist eine gewisse Nähe zur Bachschen Suite auf. Es handelt sich um ein durchweg mit Dämpfer zu spielendes Werk. Den Ton einer leisen und langsamen Trauermusik trifft Masurenko hervorragend. In den gut fünf Minuten des Werkes zeigt sich Strawinskys Meisterschaft in einem ganz auf die Bratsche zugeschnittenen Werk, dass häufigere Aufführungen verdient hat.
Das ‘Capriccio’ op. 61 von Henri Vieuxtemps stellt einen virtuosen Gegensatz zur ‘Élégie’ dar. Vieuxtemps, ein Virtuose der Violine wie der Viola, schrieb eine melodiöse Komposition, die dem Instrument ungewohnt helle Töne entlockt. Tatjana Masurenko beweist in ihrer Interpretation, dass auch eine Bratsche ‘singen’ kann.

Hauptwerk der Platte ist Hindemiths Sonate für Bratsche allein, in Umfang und Schwierigkeit ein kolossales Werk und deshalb nur selten zu hören. Statt der traditionellen Sonatensatzfolge, die das Gewicht meist auf den ersten Satz legt, befindet sich der Schwerpunkt hier auf dem finalen ‘Thema mit Variationen’, das mit knapp zwölf Minuten länger dauert als die beiden ersten Sätze zusammen. Gleichwohl übergeht Masurenko weder den ‘äußerst lebhaft’ zu spielenden Kopfsatz noch das an zweiter Stelle stehende ‘Lied’ als ledigliche Vorbereitung des Finales, sondern nutzt beide Abschnitte, um Hindemith expressives Werk mit ihrer außergewöhnlichen Technik und Musikalität zu adeln.
Im ‘Thema mit Variationen’ schließlich kann die Virtuosin Masurenko ihr Können nochmals zeigen. Trotzdem bleibt der Gesamteindruck zwiespältig: Eine breitgefächerte Auswahl an vorgetragenen Kompositionen und die hohe Klangqualität können nicht über die Monotonie hinwegtäuschen, die sich nach fast 50 Minuten Bratsche scheinbar zwangsläufig einstellt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Masurenko, Tatjana: Viola Lumina

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Coviello Classics
1
01.10.2003
48:38
2002
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4039956503071
CD 50307


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Bach, Johann Sebastian
Hindemith, Paul
Strawinsky, Igor
Vieuxtemps, Henry


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Interpret(en):Masurenko, Tatjana (Viola lumina)


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Coviello Classics

Für Coviello Classics steht bei einer Musikproduktion immer das besondere Hörerlebnis im Vordergrund ? alle technischen und organisatorischen Entscheidungen müssen sich diesem ästhetisch definierten Ziel unterordnen. Wesentliche Entscheidungen treffen bei coviello classics nicht gewinnorientierte Manager, sondern kreative Musik-Gestalter: zum einen die Gründer, Geschäftsführer und prägenden Köpfe Olaf Mielke und Moritz Bergfeld, die als Diplom-Tonmeister und Aufnahmeleiter den coviello classics-Produktionen ihr ?klangliches Gesicht? geben, zum anderen die Interpreten, die für coviello classics immer die wichtigsten Partner sind. Ihre künstlerische Aussage ist das zentrale Kriterium für die Qualität einer Aufnahme; sie sind in alle ästhetischen Fragen einer Veröffentlichung einbezogen.

Hoher Repertoirewert

Grundvoraussetzung für unsere Neuproduktionen sind die besonderen Anforderungen an Künstler und Repertoire. Um dem Klassikmarkt neue Impulse zu geben, produziert coviello classics bislang wenig beachtetes Repertoire, oftmals in Weltersteinspielungen, und sorgt damit immer wieder für überraschende Entdeckungen. Bekanntere Werke erscheinen durch ungewöhnliche Interpretationen in neuem Licht ? hier gibt es keine ideologischen Grenzen oder vermeintlichen Authentizitäts-Anspruch; lebendige Musikkultur zeigt oft das vertraute in ganz anderem klanglichem Gewand. Ein besonderer Schwerpunkt ist die seit einigen Jahren etablierte Reihe coviello contemporary, in der sich die Nähe zum weltbekannten Darmstädter Institut für neue Musik in ganz aktuellen Kompositionen bemerkbar macht.

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coviello classics ist das Label, unter dem die Aufnahmen der Produktionsfirma MBM vertrieben werden ? ob als CD, DVD oder SACD. Durch einen ganz speziell für die Anforderungen hochwertigster Musikproduktionen konzipierten Übertragungswagen sind die Voraussetzungen für die Aufnahmequalität bei MBM optimal. coviello classics bietet darüber hinaus in jedem Bereich und in jeder Phase der Realisierung einer Musikproduktion ? bis hin zu grafischer Gestaltung und Textredaktion bei den begleitenden Druckmedien ? sowohl Logistik und hochwertiges Gerät wie auch technisches und ästhetisches Know-how.

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