> > > Anton Bruckner: Mass in E minor, Stravinsky: Mass: Rundfunkchor Berlin, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Gijs Leenaars
Sonntag, 24. Januar 2021

Anton Bruckner: Mass in E minor, Stravinsky: Mass - Rundfunkchor Berlin, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Gijs Leenaars

Zwei Messen


Label/Verlag: Pentatone Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Bruckners Messe wirkt in dieser Einspielung phasenweise geradezu duftig leicht, in ihrem reichen Idiom deutlich ausformuliert – durchaus abseits manches Klischees.

Anton Bruckners mächtige Messe e-Moll für Chor und Bläser, uraufgeführt 1869 und bis ins Todesjahr 1896 hinein revidiert, greift gewiss Traditionen auf, wie es der Einführungstext von Maximilian Rauscher in der aktuellen Pentatone-Produktion des Rundfunkchors Berlin mit seinem jungen Leiter Gijs Leenaars nahelegt – doch emanzipierte Bruckner sich schon hier ästhetisch deutlich aus dem Umfeld österreichischer Landmessen, unter freiem Himmel zu singen und von städtischen oder militärischen Bläsern begleitet, um eventuelle vokale Unwuchten auszugleichen.

Erratisch groß

Anton Bruckner ist in diesem ausgreifenden Werk eigenwillig, lässt ganz und gar Eigenständiges, Unverwechselbares entstehen, erratisch groß, linear auch sperrig, geheimnisvoll im schwebenden A-cappella-Klang, machtvoll aufgerüstet im Bläserapparat, harmonisch spannungsreich und voller Überraschungen, dazu mit besonderen Anforderungen an den Chor, der vor allem dynamisch nicht nur geradezu sinfonischen Anforderungen gewachsen, sondern dazu auch von fantastischer Intonationsqualität getragen sein muss: Über weite Strecken dehnen sich immer wieder unbegleitete Phrasen aus, bevor an deren Ende bestätigende Bläserakkordik hinzutritt. Heikel ist das in jedem Fall und ein Gradmesser für die Qualität eines Ensembles dazu.

Gänzlich anders begegnet Strawinskys Messe, ebenfalls mit Bläsern zur Unterstützung des Chores, die der Komponist selbst als ‚kalte Musik‘ bezeichnet hat, ‚die direkt den Geist anspricht‘. Die Instrumente werden eigenständigere Wege durch diese in der Tat spröde, doch alles andere als unzugängliche Musik geführt. Der Chor ist mit auffallend gesanglichen Partien nicht extrem gefordert – Linien, die durchaus an den liturgischen Duktus der Messe erinnern. Anders als bei Bruckner sind die Instrumente in fast pausenlosem Einsatz – ein Umstand, der Strawinskys offenkundiges Misstrauen dem chorischen Reinklang gegenüber dokumentiert. Hinzu treten immer wieder Soli, deren Parts in Faktur und Anforderung so gehalten sind, dass eine Besetzung aus dem Chor heraus unbedingt angezeigt scheint.

Duftig leicht

Auch in dieser Disziplin erweist sich der Rundfunkchor Berlin – vielmehr seine solierenden Mitglieder – als sattelfest. Wie er insgesamt eine angenehm flexible Größe präsentiert, weit entfernt von den Traditionen ‚allgemeiner Rundfunkchorhaftigkeit‘. Natürlich sind Größe und Wucht zu hören, aber mindestens ebenso viel Befähigung zur nuancierten Geste. Das Heikelste bei Bruckner, den schon angesprochenen Wechsel von begleiteten und unbegleiteten Passagen in ambitionierter Harmonik, bewältigen die Vokalisten ohne jede Anstrengung. Die Tempi sind eher verhalten gewählt, geben viel Raum zu differenzierter Entfaltung – ein durchgehend zu erlebendes Merkmal der Einspielung und ein deutlicher Hinweis darauf, dass Gijs Leenaars erkennbar interpretatorische Geduld aufbringt. Prägend ist insgesamt eine gesammelte Haltung, dynamisch divers, geradezu sensibel im Aufbau von Steigerungen und Spannungen, beispielhaft in Bruckners Sanctus zu hören: Das ist hohe, verständige Kunst, die dem schon immer grassierenden und bislang auch in jeder jungen Dirigentengeneration sich erneuernden Irrtum Einhalt gebietet, wonach Bruckner zuallererst über Wucht, Gipfelorientierung und Bombast zu erfassen sei. Das ist bei den Sinfonien so falsch wie in dieser wunderbaren Messe.

Die Frauenstimmen des Chors bewältigen auch sehr hohe Parts ohne schneidende Schärfen, singen kontrolliert, in wie in den Männerstimmen konturstark ausgebauten Registern, prall und profiliert. Ausgreifende Linien prägen das Bild, aber nicht überzuckert bei Bruckner und um der vermeintlich moderneren Wirkung willen nicht künstlich verknappt bei Strawinsky: Klarheit dominiert in Sachen Phrasierung. Das Bläserensemble, bestehend aus Mitgliedern des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin, etabliert sich als eigenständige Größe, bietet sehr viel mehr als nur Farbe und Grundierung – auch das, gewiss. Aber zumal bei Strawinsky gewinnen die Bläser auch gestisch eine prägende Rolle, getragen von wacher Lyrik und rhythmischer Präzision. Das Klangbild ist sehr gut balanciert, trotz der Vielzahl der Mitwirkenden angenehm transparent auch in dichterer Ballung.

Auf keinen Fall verfolgen Gijs Leenaars und sein Rundfunkchor Berlin klangliche Überwältigung als oberstes Ziel. Bruckners Messe wirkt phasenweise geradezu duftig leicht, in ihrem reichen Idiom deutlich ausformuliert – durchaus abseits manches Klischees. Und Strawinsky klingt dann – kompositorisch wie interpretatorisch – gar nicht so kalt wie apostrophiert. Eine hörenswerte Platte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Anton Bruckner: Mass in E minor, Stravinsky: Mass: Rundfunkchor Berlin, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Gijs Leenaars

Label:
Anzahl Medien:
Pentatone Classics
1
Medium:
EAN:

CD
827949077463


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Bruckner, Anton
Strawinsky, Igor


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Pentatone Classics

PentaTone wurde im Jahr 2001 von drei ehemaligen Leitenden Angestellten der Philips Classics zusammen mit Polyhymnia International (dem ehemaligen Philips Classics-Aufnahmezentrum) ins Leben gerufen.
Die Gründer von PentaTone sind überzeugt, dass der 5-Kanal Surround-Sound allmählich den heute noch gängigen Stereo-Sound ersetzen wird, vor allem weil er die Hörerfahrung immens bereichert. Die Einführung der Super Audio-CD (SA-CD) durch Sony und Philips hat es dem Hörer ermöglicht, sich den Konzertsaal direkt ins eigene Wohnzimmer zu holen. Die SA-CD hat im Vergleich zur CD eine weitaus höhere Speicherkapazität und sie kann 5-Kanal-Informationen in hoher Auflösung aufnehmen. Deshalb bietet die SA-CD einen hochwertigen Surround Sound.
Alle PentaTone-Aufnahmen erscheinen auf sog. hybriden SA-CDs, die zwei miteinander verbundene Schichten haben. Die erste enthält das normale CD-Signal, während auf der zweiten das Surround-Sound-Signal abliegt. Diese hybriden Tonträger können mit Stereo-Effekt auf jedem normalen CD-Spieler abgespielt werden. Um den Surround Sound-Effekt zu erzielen, benötigt man einen SA-CD-Spieler.
PentaTone baut seit einigen Jahren mit den hervorragenden Aufnahmen von Polyhymnia International einen neuen Klassikkatalog auf, der die berühmtesten Werke der Musikgeschichte enthält, interpretiert von absoluten Weltklasseinterpreten. So wurden Symphonie-Zyklen von Beethoven, Bruckner, Schostakowitsch und Schumann begonnen. Ein Brahms-Zyklus mit Marek Janowski am Pult des Pittsburgh Symphony Orchestra ist bereits erschienen. Sämtliche Werke für Violine und Orchester von Mozart wurden mit Julia Fischer aufgenommen, dem "Gramophone Artist of the Year 2007". In seiner kurzen Geschichte hat PentaTone bereits zahlreiche renommierte Preise gewonnen, darunter einen Grammy, einen Gramophone Award, einen Preis der deutschen Schallplattenkritik, zwei Echos, zwei Diapason d'Ors de l'année und einen CHOC de l'année.
Neben den Neuaufnahmen veröffentlicht PentaTone auch historische Surround Sound-Aufnahmen auf SA-CD. Dafür hat PentaTone sämtliche, zwischen 1970 und 1980 von Philips Classics im Quadrophonie-Verfahren entstandenen Aufnahmen für die Herausgabe auf SA-CD lizenziert. Auf diesen Einspielungen sind die legendären Philips Classics-Künstler jener Epoche zu hören. Mit dem heutigen SA-CD-System kommen diese spektakulären und hochwertigen 4-Kanal-Aufnahmen so zur Geltung, wie man es ursprünglich geplant hatte. Die Serie trägt den Titel "RQR" (Remastered Quadrophonic Recordings).


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