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Montag, 6. Dezember 2021

Why not here - Musicke for severall friends

Alte Musik soll neu erfahren werden


Label/Verlag: Accent
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein erstes Betrachten der CD soll schon durch die Aufmachung neue Zugänge zur alten Musik erfahrbar machen – ein Blick in die Texte des Booklets scheint dies zu bestätigen: da ist von Massenselbstmord (!), globalem Harakiri (!), einer jacobinischen Ära aber auch von Inspiration, Schönheit und Transzendenz die Rede. Dieses wüste Konglomerat unterschiedlichster historisch, ästhetischer, religiöser und ethischer Positionen quasi zur Einleitung der vorliegende Aufnahme schreckt eher ab, als dass es das zu erwartende sinnvoll vorbereitet.
In der Tat spiegelt der einleitende Text ein eher merkwürdiges Geschichtsverständnis des oder der VerfasserIn (welche merkwürdigerweise fast anonym bleiben, lediglich die Buchstaben hp deuten auf eine der Künstlerinnen als Verfasserin hin) wider, wenn auch die Informationen zu den jeweiligen Komponisten durchaus sinnvoll erscheinen.
Dementsprechend ´vorbelastet´ tritt doch die musikalische Darbietung in völlig anderem Lichte auf. Da musizieren zwei (teilweise vier) Künstler, die sich völlig selbstverständlich den Gegeben- und Besonderheiten dieser alten Musik anzupassen wissen. Insbesondere die stets sehr gefühlvoll ausmusizierten Phrasenenden und Schlußakkorde unterstreichen dies. Hervorzuheben ist an dieser Stelle auch die Intonation, die sich an alten Vorbildern orientiert und auf diese Weise die Musik lebendig werden lässt. Gerade die alten Tänze, wie Allemande, Galliarde, Courante etc., die sich in diesem Programm häufig finden, bestechen durch ihre emotional gefärbte, aufgeweckte Darbietung.

Geradezu charakteristisch wartet der Sound eben nicht mit einer typischen Studioatmosphäre auf: das produzierende Label carpe diem schreibt sich diese Einfachheit in der technischen Ausführung auf seine Fahnen. Durch die Verwendung von höchstens zwei Mikrofonen klingen die einzelnen Nummern zunächst ungewohnt hart, markant und direkt. Umso intensiver muss die musikalische Ausgestaltung auf Seiten der Künstler ausgeführt werden, um solch ein puritanisches Klangideal mit Leben zu füllen.
Hille Perl und Friederike Heumann gelingt dies insbesondere bei den mittleren Stücken (Tracks Nr. 8-13) durchweg gut. Leider zerfällt aber die Gesamtaufnahme in viele einzelne, dann sicherlich schön dargebrachte Werke, ohne einen ´großen Bogen´ erkennen zu lassen. Vielleicht wäre an dieser Stelle eine intensivere musikalische Auseinandersetzung mit einzelnen Werken vorrangig gewesen, bevor schwammige Ausführungen zu pseudo-religiösen oder weltanschaulichen Fragen diese kleineren Kammermusikwerke zu sehr überhöhen.
Hier fehlt leider die musikalische Bodenhaftung.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Oliver Kok,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Why not here: Musicke for severall friends

Label:
Anzahl Medien:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Accent
1
68:06
2001
2003
Medium:
BestellNr.:

CD
162 70


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Interpret(en):Perl, Hille (Viola da gamba)
Heumann, Friederike (Lyra Viol)
Santana, Lee (Lute)
Freimuth, Michael (Cittern)


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Accent

Schon bei der Gründung des Labels 1979 durch Andreas Glatt war klar, dass ACCENT sich fast ausschließlich mit Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beschäftigen würde. Die Künstler, die für ACCENT aufnehmen oder aufgenommen haben, gehörten von Anfang an zu den renommiertesten Interpreten der "Alte-Musik-Szene": darunter die Brüder Barthold, Sigiswald und Wieland Kuijken, René Jacobs, Jos van Immerseel, Maria Cristina Kiehr mit La Colombina, Paul Dombrecht, Marcel Ponseele mit seinem Ensemble Il Gardellino, aber auch jüngere Künstler wie Ewald Demeyere und sein Bach Concentus, das Ensemble Private Musicke mit Pierre Pitzl oder das Amphion Bläseroktett. Der ACCENT-Katalog möchte den neugierigen Musikfreund auf eine Reise durch die Welt der Alten Musik mitnehmen. Dabei wird er, neben ausgewählten Standardwerken, nicht selten Stücken begegnen, die kaum im Konzertbetrieb oder auf CD anzutreffen sind. Erstaunlicherweise stammen sie nicht nur von wenig bekannten Komponisten, sondern auch von so großen Namen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann. Diese Raritäten werden für ACCENT nicht allein um ihres Seltenheitswerts aufgenommen, sondern vielmehr, weil sie wichtige, bislang sträflich vernachlässigte Werke sind, deren Entdeckung zu einem persönlichen Anliegen der Interpreten wurde.


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