> > > Kunc, Lhotka, Slavenski: String Quartets: Sebastian String Quartet
Samstag, 5. Dezember 2020

Kunc, Lhotka, Slavenski: String Quartets - Sebastian String Quartet

Kroatische Quartette


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Sebastian String Quartet ist der Musik seines Gründungslandes hörbar sehr verbunden.

Wie viel unbekannte Musik es in aller Welt zu entdecken gibt, zeigt wieder einmal das 1982 in Zagreb gegründete Sebastian String Quartet. Die drei hier vorgestellten Werke aus den Jahren 1931 bis 1941 sind der kroatischen Musikkultur zuzuordnen. F-Dur ist die Grundtonart des Streichquartetts op. 14 (1931) von Božidar Kunc (1903–1964), in Zagreb geboren und seit 1951 in den USA lebend. Das substanzielle dreisätzige Werk ist ohne die Entwicklungen der 1920er-Jahre nicht vorstellbar, Elemente der Neoklassik und der Polytonalität sind ebenso präsent wie Elemente des Expressionismus. Und es ist überraschend, wie wenig prätentiös der dennoch ungemein bewegende, 'Lento molto e con espressione' überschriebene Mittelsatz daherkommt. Das fast die Hälfte der gesamten Komposition umfassende komplexe Finale ließe sich ohne Not auch höchst erfolgreich einzeln aufführen.

Der 80 km südlich von Prag geborene Fran Lhotka (1883–1962), Student u.a. Dvořáks, lehrte an der Zagreber Musikakademie; schon 1911 hatte er ein Streichquartett g-Moll geschaffen. Von ihm hören wir 'Elegija' und 'Scherzo', ebenfalls von 1931. Harmonisch ist die Komposition deutlich weniger avanciert als das Quartett von Kunc, weist vielmehr in der 'Elegija' immer wieder einen nicht untypischen nostalgischen Ton auf, der effektvoll mit einem kraftvollen Scherzo kontrastiert.

Josip Štolcer Slavenski (1896–1955) hat sich vielfach mit Musik für Streichquartett auseinandergesetzt. Das Sebastian String Quartet hat auf Croatia Records 'Sechs Volksmelodien' vorgelegt, und im Internet finden sich fast all seine vier Streichquartette. Das hier vorgestellte 1941 entstandene Vierte Streichquartett spiegelt aus der Ferne durchaus auch Slavenskis frühere Lehrer Kodály und Bartók; die ursprüngliche Orchesterfassung, die 1938 als 'Balkanske igre' (‚Spiele des Balkan‘) entstanden war, ist noch deutlich wahrnehmbar.

Feines Gespür

Das Sebastian String Quartet findet für die drei Kompositionen ganz den rechten Ton, der für andere Werke vielleicht nicht passend wäre; das feine Gespür für Understatement an den richtigen Momenten, verbunden mit dem Willen zu ggf. auch widerborstiger Klangdichte, klug austarierten Portamenti oder fein changierenden Schattierungen, vermittelt unmittelbar, wie intensiv die Musiker diese Werke kennen und mit ihnen verwachsen sind. Wenn man sich etwas hätte wünschen können, dann vielleicht einen noch expressiveren Gestus; doch dies mag Ansichtssache sein. Dass die Aufnahmetechnik nicht ganz jene perspektivische Tiefe bietet, die möglich wäre, bewirkt umgekehrt einen harmonischen Gesamtklang, der die Werke umso runder zur Wirkung bringt. Der Booklettext (dreisprachig Deutsch, Englisch, Kroatisch) ist leider insgesamt zu kurz – gerne wäre man auch als Leser tiefer in die Materie eingetaucht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Kunc, Lhotka, Slavenski: String Quartets: Sebastian String Quartet

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203529728


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Kunc, Bozidar
 - String Quartet in F Major op.14 - Con molto vivace
 - String Quartet in F Major op.14 - Lento molto e con espressione
 - String Quartet in F Major op.14 - Introduzione. Allegro ma non troppo
Lhotka, Fran
 - Elegie and Scherzo - Elegie
 - Elegie and Scherzo - Scherzo
Slavenski, Josip Stolcer
 - String Quartet No.4 - Allegro molto energico
 - String Quartet No.4 - Largo cantabile
 - String Quartet No.4 - Allegro molto vivace
 - String Quartet No.4 - Grave. Adagio. Moderato. Allegro moderato. Allegro. Presto


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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