> > > French Piano Rarities: Ralv van Raat, Klavier
Donnerstag, 22. Oktober 2020

French Piano Rarities - Ralv van Raat, Klavier

Lose Blätter


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auch auf Notizzetteln können sich wertvolle Schätze verbergen – wie diverse Stücke der hier zusammengetragenen Klaviersammlung.

Auch im Schaffen von Claude Debussy, Olivier Messiaen oder Maurice Ravel gibt es Werke, die selbst dem Kenner nicht rundum geläufig sind. Ralph van Raats prallgefüllte Sammlung von französischen Klavierraritäten versammelt Werke von vier berühmten Komponisten, die von ihrer eher unbekannten Seite vorgestellt werden. Ein knapp einminütiges Menuett cis-Moll (1904) von Maurice Ravel ist indes keineswegs eine bloße Kuriosität, sondern erfährt unter den Händen des Steinway Artists van Raat eine verständige, ausgesprochen evokativ-stimmungsvolle Wiedergabe. Umfänglicher sind die Beiträge von Claude Debussy, eine 'Étude retrouvée' (1915) und 'Les Soir illuminés par l’ardeur du charbon' (1917), erstere entstanden im Rahmen der zwölf Études, das zweite Stück zu Debussys letzten Klavierstücken überhaupt gehörend. Die hochvirtuose Étude und das fast als Nocturne zu bezeichnende Charakterstück nehmen in unterschiedlicher Weise intensiv Bezug auf die Vergangenheit, 'Les Soir illuminés par l’ardeur du charbon' spiegelt jedoch in starker Expressivität gleichzeitig auch die gerade untergehende Epoche.

Messiaens Vogelwelt

Im Zentrum des Programms stehen aber nicht Debussy oder Ravel, sondern Messiaen und Boulez. 1934 entstand Messiaens 'Morceau de lecture à vue' (Stück zum Vomblattspiel), dessen Thema sich später als Liebesthema in Messiaens 'Vingt Regards sur l’Enfant-Jésus' erweisen würde. Klug ausgewählt sind zwei Sätze aus 'Des canyons aux étoiles' (1974) für Klavier und Orchester, nämlich jene zwei Sätze für Klavier allein: 'Cossyphe de Heuglin' (Heuglin-Rotkehlchen) und 'Le Moqueur polyglotte' (die Spottdrossel); ergänzt werden diese beiden Stücke durch 'La Fauvette passerinette' (Bartgrasmücke) (1961) – in 25 Minuten wird so die reiche Vogelwelt Messiaens in vorzüglicher pianistischer Darbietung vorgestellt.

Als Weltersteinspielung bietet Ralph van Raat Prélude, Toccata et Scherzo des 19-jährigen Pierre Boulez. Der vorzügliche Booklettext, vom Pianisten selbst verfasst, erläutert ausgesprochen einsichtsvoll Boulez‘ musikalische Entwicklung, doch ließen sich neben den von ihm erwähnten Vorbildern sicher auch weitere Einflüsse nennen – allzu reich war die Musikgeschichte selbst der Kriegszeit in Frankreich. Den rundum ‚reifen‘ Boulez finden wir spätestens ein Jahr später in den berühmten 'Notations', in denen Boulez eine Zwölftonreihe auf zwölf unterschiedliche Weisen in jeweils zwölf Takten erkundet. 'Une page d’éphéméride' (Kalenderblatt) (2005) ist natürlich ebenso wenig auf die leichte Schulter zu nehmen wie Alban Bergs Altenberg-Lieder, die ja eigentlich Lieder auf Ansichtskartensprüche heißen.

Auch das Abseitige kann also von größter Bedeutung sein, und Kürze schließt tiefe musikalische Substanz nicht im Mindesten aus. Ralph van Raat ist ein Pianist, der sich auch auf die Erkundung des Kleinsten bestens versteht, ein Musiker, von dem man hoffentlich noch viele Raritäten auf Tonträger und im Konzert erleben wird.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    French Piano Rarities: Ralv van Raat, Klavier

Label:
Anzahl Medien:
Naxos
1
Medium:
EAN:

CD
747313389476


Cover vergössern

Boulez, Pierre
Debussy, Claude
Messiaen, Olivier
Ravel, Maurice


Cover vergössern

Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Naxos:

  • Zur Kritik... Liebesidylle auf der Alm : Dario Salvi hält mit der CD-Premiere der Oper 'Jery und Bätely' ein überzeugendes Plädoyer für die vergessene Komponistin Ingeborg von Bronsart. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Ein Oratorium in Gedenken an die Sklaverei: Paul Moravecs Oratorium 'Sanctuary Road' zeichnet musikalisch die Fluchtschicksale von Sklaven nach. Weiter...
    (Michaela Schabel, )
  • Zur Kritik... Zu wenig Abwechslung: Die hier zu hörenden fünf Violinkonzerte von Myroslaw Skoryk werden zwar solide musiziert, ähneln sich aber zu sehr, als dass man sie empfehlen könnte. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
blättern

Alle Kritiken von Naxos...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Jürgen Schaarwächter:

  • Zur Kritik... Auf der Suche nach dem richtigen Stil: Mit seiner Neueinspielung von Carl Reineckes Erster Sinfonie macht sich cpo selbst Konkurrenz. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Nicht immer gefunden: Die Profil-Edition zu Rudolf Firkušný hätte mit noch etwas mehr Mühe zu einer echten Schatztruhe werden können. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Unbekannte Blockflöte: Die Blockflötistin Michala Petri erweist sich als Meisterin unbekannten zeitgenössischen Repertoires. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Jürgen Schaarwächter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Auf der Suche nach dem richtigen Stil: Mit seiner Neueinspielung von Carl Reineckes Erster Sinfonie macht sich cpo selbst Konkurrenz. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Plastische Glaubensbekundungen : Von eindrucksvoller kompositorischer Dichte und Ausdrucksvielfalt sind die beiden Symphonien, die Bernstein in recht jungem Alter schrieb. Die Arktische Philharmonie unter Christian Lindberg spielt das keineswegs unterkühlt in gigantischem SACD aus. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Liebesidylle auf der Alm : Dario Salvi hält mit der CD-Premiere der Oper 'Jery und Bätely' ein überzeugendes Plädoyer für die vergessene Komponistin Ingeborg von Bronsart. Weiter...
    (Karin Coper, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2020) herunterladen (3612 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Martin Christian Schultze: Sinfonia IV in F major - Allegro

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich