> > > Boccherini, Luigi: Cello Quintets - 2
Dienstag, 28. September 2021

Boccherini, Luigi - Cello Quintets - 2

Feurige, musikantische Stillleben


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Schon die erste Folge der CD-Serie mit Cello-Quintetten (sprich: Streichquintetten mit 2 Celli) in der Interpretation des englischen Vanbrugh-Quartettes mit Richard Lester (Cello 1) wurde von der Kritik sehr wohlwollend aufgenommen. In Folge 2 werden drei viersätzige Werke und ein zweisätziges ‘Quintettino’ präsentiert. Man will es kaum glauben, dass diese klingenden Kostbarkeiten bislang fast gänzlich unbeachtet geblieben sind – freilich, allein die schiere Menge von Quintetten aus Boccherinis Feder mag abschreckend gewirkt haben. An kompositorischer Qualität mangelt es den Stücken keinesfalls, auch wenn sie mit der ungefähr zeitgleich entstandenen Kammermusik Haydns und Mozarts herzlich wenig zu tun haben. Im Booklet wird eine sehr treffende Passage aus einer Dissertation über Boccherinis Quintette zitiert (Ellen Amsterdam, The String Quintets of Luigi Boccherini, University of California, Berkeley 1968), die den Nagel auf den Kopf trifft: ‘Während der Hörer bei der Musik Haydns, Mozarts und später auch Beethovens ein organisches Wachstum der Themen erfährt, sind die Werke Boccherinis eher wie musikalische Stilleben: vollständig und perfekt zugleich.’
Es gibt also kaum ‘thematische Arbeit’ oder dramatische Konflikte, dafür aber eine Überfülle glücklicher Einfälle und schöner Melodien. Kein Wunder, dass der cellospielende Preußenkönig Friedrich Wilhelm Boccherini aus der Ferne zu seinem Kammerkomponisten bestimmte, denn diese Musik macht Vergnügen, ist übervoll mit guter Laune und dankbaren Aufgaben für die einzelnen Instrumente (bei deutlicher Bevorzugung des Cellos). Ganz hinreißend ist zum Beispiel das ausgelassene Schluss-Rondeau des C-Dur-Quartetts G310, verhaltene Tragik klingt im ‘Quintettino’ an, andere Sätze haben iberisches Flair...

Das englische Vanbrugh-Quartett interpretiert Boccherinis Quintette mit viel Spielwitz, Engagement und Respekt. Gleich der erste Einsatz, eine Cello-Solopassage im ersten Satz des C-Dur-Streichquintetts G310 – markiert die Interpretationshaltung der Engländer: Die Tongebung ist schlank und vibratoarm, die musikantische Spiellaune von ansteckender Munterkeit. Die Schlankheit kommt insbesondere Sätzen wie dem Andante affetuoso aus dem h-Moll-Quintettino zugute, das nicht mit Pathos überfrachtet wird. Was die Intonation betrifft, sind keine Mängel auszumachen, auch die Tempowahl ist stets überzeugend. Ganz in ihrem Element sind die Musiker in den tänzerischen Schlusssätzen ebenso wie in den oft träumerisch-versonnenen Mittelsätzen. Will man einen der Interpreten besonders hervorheben, so verschleiert dies eigentlich die Tatsache, dass alle Musiker gemeinsam durch ihr perfektes Zusammenspiel das positive Gesamtbild ermöglichen; will man es doch tun, so gebührt die Krone sicher dem Cellisten Richard Lester, der sich nicht nur mühelos als ‘Fremdkörper’ in das Quartett einfügt, sondern immer wieder in kurzen Solostellen brilliert, ohne jemals über Gebühr aufzutrumpfen – fast möchte man das gängige Klischee vom typisch englischen Understatement bemühen, eher ist aber wohl das generell erstklassige Nivaeu in der englischen Alte Musik-Szene dafür verantwortlich.

Hyperion ist eines der Labels, bei dem eine hervorragende optische Präsentation und ein natürliches, rundes Klangbild zum Standard gehören. Der umfangreiche Einführungstext, der sich gelegentlich etwas unreflektiert in programmatische Deutungen versteigt, ist generell gut geschrieben und übersetzt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Dr. Franz Gratl Kritik von Dr. Franz Gratl,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Boccherini, Luigi: Cello Quintets - 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Hyperion
1
15.09.2003
68:35
2002
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
0034571173832
CDA67383


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Boccherini, Luigi


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Interpret(en):The Vanbrugh Quartett,
Lester, Richard (Cello)


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Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

Our records are easily available throughout the world in those countries served by our distributors. A list of the world's top Hyperion dealers, listed by country and city, can be found on our homepage. But if you have any difficulty please get in touch with the distributor in your territory. In Germany that is Note 1 Music Gmbh.


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