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Mittwoch, 20. Januar 2021

Lukas-Passion - Il Fondamento, Paul Dombrecht

Gemischte Urheberschaft


Label/Verlag: Passacaille
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein Hamburger Passions-Pasticcio des Jahres 1775 in einer engagierten Wiedergabe.

Von Gottfried August Homilius‘ Lukas-Passion ist nur eine Fassung von der Hand Carl Philipp Emanuel Bachs erhalten, die 1775 in Hamburg zur Aufführung kam. Im gedruckten Textbuch wird Homilius‘ Name nicht erwähnt, in der Partitur (im Archiv der Berliner Singakademie) auch Bachs Name nicht (eine weitere Partitur von 1771, die offenbar ebenfalls in Hamburg zur Aufführung kam, enthielt nicht nur Musik von Homilius, sondern zusätzlich auch von Stölzel, Telemann und Georg Benda). Bach ersetzte Choräle, kürzte die Passion, um sie den Hamburger Aufführungsgepflogenheiten und den Möglichkeiten der zur Verfügung stehenden Musiker anzupassen. Die Mischung unterschiedlicher Stile ist durchaus wahrnehmbar, doch scheint diese teilweise auch schon in dem Schaffen Homilius‘ bzw. Bachs mit angelegt zu sein. Wir haben Arien eher im älteren Stil, aber auch harmonisch und klangfarblich reiche Beiträge, und auch die Chöre sind teilweise eher schlicht, teilweise hochvirtuos.

Farbenreich

Il Fondamento unter seinem Leiter Paul Dombrecht bieten eine äußerst lebhafte, farbenreiche Wiedergabe (trotz teilweise eingeschränkter instrumentaler Möglichkeiten – Oboen und Flöten konnten aus Personalgründen zu Bachs Zeiten nicht gleichzeitig spielen und mussten von denselben Musikern vielmehr alternierend gespielt werden). Die Ensembleleistung überwiegt und überstrahlt auch die Einzelleistungen. Leider beeinträchtigt gerade auch Renoud van Mechelen als Evangelist die Gesamtwirkung deutlich – seine Artikulationsschwierigkeiten der deutschen Sprache haben ungefiltert Eingang in die Studioproduktion des Jahres 2013 gefunden. Auch der Bassist Huub Claessens als Jesus überzeugt mit Aussprache und Ausstrahlung nur bedingt. Neben dieser Problematik erweist sich Lieven Termonts Stimme in seinen Soli als etwas spröde und nicht optimal gerundet. Beide Bassisten sind, gerade wegen immer wieder unsicherer Verzierungstechnik, ihren anspruchsvollen Arien nur eingeschränkt gewachsen.

Caroline Weynants exekutiert ihre Sopranarien mit Verve und schöner Stimme, Textverständlichkeit steht nicht an erster Stelle. Clint van der Linde versucht seiner Altarie emotionale Tiefe zu verleihen, das Gesamtergebnis ist aber eher larmoyant denn expressiv, nicht zuletzt weil auch bei ihm das Textverständnis verbesserungsfähig wäre. Am überzeugendsten ist der instrumentale Anteil und das Tutti der Solisten in den chorischen Beiträgen. Schade, denn die Frische von Dombrechts musikalischem Zugriff haucht der kirchenmusikalisch auch heute attraktiven Komposition schönen Atem ein.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Lukas-Passion: Il Fondamento, Paul Dombrecht

Label:
Anzahl Medien:
Passacaille
1
Medium:
EAN:

CD
5425004840523


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Bach, Carl Philipp Emanuel
Homilius, Gottfried August


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Passacaille

Das belgische Label PASSACAILLE wurde 1995 gegründet und sollte von Anfang an eine Plattform für hochrangige belgische Künstler der historischen Aufführungspraxis sein. Das Barockorchester il Fondamento mit seinem Leiter Paul Dombrecht und der Hammerklavierspezialist Jan Vermeulen gehörten zu den ersten, die für das Label aufnahmen. Später erweiterte sich der Künstlerkreis um weitere prominente Namen wie Wieland Kuijken oder das Ensemble Octophorus. Bald erhielten die Aufnahme internationale Preise, was als zusätzlicher Anreiz gesehen wurde, sich im künstlerischen Bereich auch internationalen Künstlern und Ensembles zu öffnen. Ab 2000 begann die Zusammenarbeit mit Künstlern aus verschiedenen europäischen und transatlantischen Ländern. 2006 übernahm der belgische Traversflötist und Musikwissenschaftler Jan de Winne das Label und erweiterte den Künstlerkreis des Labels erneut um international renommierte Künstler wie zum Beispiel Graham O'Reillys Ensemble Européen William Byrd und Lorenzo Ghielmis Ensemble La Divina armonia, das hier erst kürzlich eine fulminante Aufnahme von Händels Orgelkonzerte Op.4 vorgelegt hat. Als weitere Neuzugänge seien noch der brasilianische Cembalist Nicolau de Figueiredo, der Cellist Sergei Istomin und der Fortepianist Alexei Lubimov zu nennen. Im Rahmen der Neuorganisation des Labels möchte Jan de Winne den bewährten ursprünglichen Schwerpunkt Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beibehalten, aber auch nach und nach Musik späterer Epochen in das Programm integrieren.


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