> > > Vincerò !: Piotr Beczala, Orquestra de la comunitat Valenciana, Marco Boemi
Sonntag, 5. Dezember 2021

Vincerò ! - Piotr Beczala, Orquestra de la comunitat Valenciana, Marco Boemi

Verdientes 'Vincerò'


Label/Verlag: Pentatone Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Den Titel 'Vincerò!' für ein Soloalbum muss man sich leisten können. Piotr Beczala kann es! Er 'siegt' auf seinem neuesten Album mit Werken von Puccini, Mascagni, Giordano, Leoncavallo und Cilea auf ganzer Linie.

Der Titel 'Vincerò!' für ein Soloalbum mit Verismo-Arien ist eine klare Ansage, die nicht gerade mit Bescheidenheit kokettiert – aber Piotr Beczala kann sich dieses titelgebende Zitat mühelos leisten. Er ‚siegt‘ auf seinem neusten Album mit Werken von Puccini, Mascagni, Giordano, Leoncavallo und Cilea auf ganzer Linie.

Die beim Label Pentatone im Oktober 2019 eingespielte SACD präsentiert den Tenor in zahlreichen Partien, die er bereits auf der Bühne verkörpert hat, aber auch mit Ausschnitten aus Werken, die in naher Zukunft realistisch erscheinen oder tatsächlich anstehen. Schon lange bewegt sich der einst lyrische Tenor mit traumwandlerischer Sicherheit im Spintofach und überhäuft seine Bühnenfiguren mit einer entwaffnenden Mischung aus Tonschönheit, Kraft und Glanz. Diese Vorzüge spielt er auf dem vorliegenden Album genüsslich aus und lässt so manche Erinnerung an große Fachkollegen der Vergangenheit wach werden.

Effektvoll und kühn

Die programmatische Konzentration auf Opern der veristischen Stilrichtung um 1900 spannt letztlich einen weiten Bogen von Pietro Mascagnis 'Cavalleria Rusticana' oder Giacomo Puccinis heute fast vergessenem Frühwerk 'Edgar' bis hin zu Puccinis letztem Opus 'Turandot'. Beczala erfüllt alle Anforderungen der unterschiedlichen Tonsprachen und macht deutlich, wie tenorverliebt diese Zeitspanne der italienischen Oper war. Was dabei aber besonders beeindruckt, ist die relative Schlichtheit, mit der der Sänger agiert. Natürlich lässt er seine Stimme auf gehaltenen Spitzentönen erstrahlen, weiß mit effektvollen Klangmischungen, kühn attackierten Noten und geschmackvollen Portamenti zu begeistern. Aber Beczala ist weit entfernt von bloßer Stimmprahlerei. Er stellt nicht sich selbst und seine außergewöhnliche Stimme in den Vordergrund, sondern lässt die Komponisten und deren musikalisierte Charaktere sprechen – mit allem, was auch von seiner Seite dazugehört, ohne Frage.

Einen beispielhaften Eindruck vermitteln gleich die beiden ersten Titel aus Puccinis 'Tosca'. Beczala eröffnet mit 'Recondita armonia', unbeschwert, fast verschwenderisch in Farbe und Tongebung. Die Nummer ist nicht frei von kleinen Mini-Schluchzern und Glucksern, die etwas ungemein launiges an sich haben. Doch schon das darauffolgende 'E lucevan le stelle' zeigt, dass Beczala auch anders kann: dunkel, verschattet, sich zu leidenschaftlichen Phrasen aufschwingend. Diese Szene verzichtet auf jene Effekte, die zuvor noch so üppig bedient wurden. Mit all seiner Rollenerfahrung zeichnet Beczala in diesen sieben Minuten die Entwicklung Cavaradossis vom lebensfrohen, liebenden Künstler zum verzweifelten Todeskandidaten. Die ungezügelte Interpretation von 'Recondita armonia' mag Geschmackssache sein, aber sie ist konsequent und nachvollziehbar.

Die komplette SACD hat nur eine Spieldauer von knapp über fünfzig Minuten, aber sie ist dennoch ordentlich gefüllt mit gleich achtzehn Szenen und Arien, die naturgemäß in diesem Repertoire recht kurz ausfallen. Dennoch hat man Ende nicht den Eindruck, um weitere zwanzig Minuten Musik betrogen worden zu sein – das Kaleidoskop war so fordernd, dass man beim finalen Dauerbrenner 'Nessun dorma' mehr als befriedigt in die akustische Zielgerade einbiegen kann.

Schwungvoll und leichtfüßig

Zwischen 'Tosca' und 'Turandot' gibt es nämlich so einiges zu hören: einen schwärmerisch, zarten Andrea Chénier mit 'Come un bel dì di maggio' und dem in seiner Expressivität gut dosierten 'Un dì all’azzuro spazio' und einen nicht minder fesselnden Des Grieux in Puccinis 'Manon Lescaut'. Gleich drei Ausschnitte aus Cileas 'Adriana Lecouvreur' hat Beczala eingespielt, eine Partie, für die er seit einigen Jahren gefeiert wird. Unter den vielen Puccini-Arien darf auch das 'Ch’ella mi creda' aus 'La fanciulla del West' nicht fehlen oder Pinkertons Abschied aus 'Madama Butterfly'. Nach der Rarität aus 'Edgar' verjüngt sich Beczala überzeugend mit einem schwungvollen, leichtfüßigen und höhensicheren Rinuccio aus 'Gianni Schicchi'.

Wirkliche Höhepunkte sind Loris‘ Arie aus Giordanos 'Fedora', die eine Lehrstunde in Legatokultur und Ausdruckskraft darstellt, sowie Canios 'Vesti la giubba' aus Leoncavallos 'I Pagliacci'. Letztere Partie bringt Beczala vielleicht ein wenig an seine Grenzen, aber die vokale Direktheit, der wahrhaftige, ungeschönte Zugriff in Verbindung mit erstaunlich offenen Tönen, ist überwältigend. Darüber hinaus kommt gerade hier wieder der uneitle Gestus positiv zum Tragen. Beczala zelebriert keine traditionellen Vortragsgewohnheiten, sondern verleiht dem Charakter Glaubwürdigkeit – veristisch im besten Sinne.

An diesem uneitlen Eindruck haben auch die angenehm zügigen Tempi von Marco Boemi am Pult des untadeligen Orquestra de la Comunitat Valenciana erheblichen Anteil. Alles bleibt organisch im Fluss, die Balance zwischen Solist und Klangkörper gelingt wunderbar, das Einverständnis ist hörbar. Der Cor de la Generalitat Valenciana, sowie die Mezzosopranistin Evgeniya Khomutova als Mamma Lucia ergänzen in zwei Nummern die dramatische Situation und werten das Arienalbum nochmals auf. ‚Vincerò!‘ – ohne Zweifel.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Vincerò !: Piotr Beczala, Orquestra de la comunitat Valenciana, Marco Boemi

Label:
Anzahl Medien:
Pentatone Classics
1
Medium:
EAN:

CD SACD
827949073366


Cover vergössern

Cilea, Francesco
Giordano, Umberto
Leoncavallo, Ruggero
Mascagni, Pietro
Puccini, Giacomo


Cover vergössern

Pentatone Classics

PentaTone wurde im Jahr 2001 von drei ehemaligen Leitenden Angestellten der Philips Classics zusammen mit Polyhymnia International (dem ehemaligen Philips Classics-Aufnahmezentrum) ins Leben gerufen.
Die Gründer von PentaTone sind überzeugt, dass der 5-Kanal Surround-Sound allmählich den heute noch gängigen Stereo-Sound ersetzen wird, vor allem weil er die Hörerfahrung immens bereichert. Die Einführung der Super Audio-CD (SA-CD) durch Sony und Philips hat es dem Hörer ermöglicht, sich den Konzertsaal direkt ins eigene Wohnzimmer zu holen. Die SA-CD hat im Vergleich zur CD eine weitaus höhere Speicherkapazität und sie kann 5-Kanal-Informationen in hoher Auflösung aufnehmen. Deshalb bietet die SA-CD einen hochwertigen Surround Sound.
Alle PentaTone-Aufnahmen erscheinen auf sog. hybriden SA-CDs, die zwei miteinander verbundene Schichten haben. Die erste enthält das normale CD-Signal, während auf der zweiten das Surround-Sound-Signal abliegt. Diese hybriden Tonträger können mit Stereo-Effekt auf jedem normalen CD-Spieler abgespielt werden. Um den Surround Sound-Effekt zu erzielen, benötigt man einen SA-CD-Spieler.
PentaTone baut seit einigen Jahren mit den hervorragenden Aufnahmen von Polyhymnia International einen neuen Klassikkatalog auf, der die berühmtesten Werke der Musikgeschichte enthält, interpretiert von absoluten Weltklasseinterpreten. So wurden Symphonie-Zyklen von Beethoven, Bruckner, Schostakowitsch und Schumann begonnen. Ein Brahms-Zyklus mit Marek Janowski am Pult des Pittsburgh Symphony Orchestra ist bereits erschienen. Sämtliche Werke für Violine und Orchester von Mozart wurden mit Julia Fischer aufgenommen, dem "Gramophone Artist of the Year 2007". In seiner kurzen Geschichte hat PentaTone bereits zahlreiche renommierte Preise gewonnen, darunter einen Grammy, einen Gramophone Award, einen Preis der deutschen Schallplattenkritik, zwei Echos, zwei Diapason d'Ors de l'année und einen CHOC de l'année.
Neben den Neuaufnahmen veröffentlicht PentaTone auch historische Surround Sound-Aufnahmen auf SA-CD. Dafür hat PentaTone sämtliche, zwischen 1970 und 1980 von Philips Classics im Quadrophonie-Verfahren entstandenen Aufnahmen für die Herausgabe auf SA-CD lizenziert. Auf diesen Einspielungen sind die legendären Philips Classics-Künstler jener Epoche zu hören. Mit dem heutigen SA-CD-System kommen diese spektakulären und hochwertigen 4-Kanal-Aufnahmen so zur Geltung, wie man es ursprünglich geplant hatte. Die Serie trägt den Titel "RQR" (Remastered Quadrophonic Recordings).


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Pentatone Classics:

  • Zur Kritik... Eingedampfte Konzert-Highlights: Marin Alsop befeuert die Kraft und Energie von Gershwins 'Porgy and Bess' mit einer fulminanten Angel Blue in den Sopranpartien. Leider beschränkt sich die SACD auf Highlights. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Wegen Corona ins Studio: Dieser 'Fidelio' macht in vielen Punkten definitiv Freude – auch wenn es so einige frühere Aufnahmen gibt, die tiefer schürfen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Spannender Querschnitt : Francesco Piemontesi nähert sich Bach von der transkribierten Seite. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
blättern

Alle Kritiken von Pentatone Classics...

Weitere CD-Besprechungen von Benjamin Künzel:

  • Zur Kritik... Des Kaisers Leben und Tode: Kate Lindsey, Arcangelo und Jonathan Cohen zeigen mit 'Tiranno', wie fesselnd und in allen Punkten überzeugend ein Solo-Album sein kann. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Zwischen Frömmigkeit und Opernlust: Für entdeckungsfreudige Barockliebhaber ist dieses Album mit sieben Ersteinspielungen ein Muss, für alle anderen eine atmosphärisch einladende Möglichkeit, einen zu Unrecht vergessenen Komponisten ins persönliche Repertoire aufzunehmen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Eine Art Salzburger 'Sommernachtstraum': Mit diesem 'Endimione' kommt man als interessierte Hörerschaft der stilistischen Vielfalt und dem Ideenreichtums Michael Haydns ein interessantes Stück näher. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Benjamin Künzel...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Nebenschauplatz: Als Klavierkomponist hat Edward Gregson nur bedingt nachhaltige Bedeutung. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Brahms ohne Schrei – aber als Trost im Lockdown: Emmanuel Despax realisiert mit engen Vertrauten seinen Jugendtraum, Brahms' 1. Klavierkonzert aufzunehmen. Und liefert eine im Lockdown entstandene Interpretation von 16 vierhändigen Walzern mit Ehefrau Miho Kawashima hinterher. Weiter...
    (Dr. Kevin Clarke, )
  • Zur Kritik... Very British: Die Ballette von Lord Berners sind in der Einspielung durch David Lloyd-Jones ein Vergnügen. Weiter...
    (Karin Coper, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

IMMA

Anzeige

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12 2021) herunterladen (3500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich