> > > Giuseppe Verdi: Attila: Münchner Rundfunkorchester, Ivan Repusic
Dienstag, 4. August 2020

Giuseppe Verdi: Attila - Münchner Rundfunkorchester, Ivan Repusic

Belcanto bei den Hunnen


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ivan Repusic und das Münchner Rundfunkorchester setzen ihren Verdi-Zyklus mit 'Attila' fort.

Mit dem historischen Hunnenkönig Attila hat Verdis gleichnamige Oper aus dem Jahr 1846 wenig zu tun. Die in der Spätantike angesiedelte Handlung symbolisiert den italienischen Unabhängigkeitskampf des frühen 19. Jahrhunderts und Attila steht stellvertretend für die Besatzer. Der wird am Ende operngemäß von Odabella, einer Prinzessin aus dem unterdrückten Aquileia, aus Rache für die Ermordung ihres Vaters erstochen, unterstützt durch den Römer Ezio und ihren Geliebten Foresto.

Im Zuge der Renaissance von Verdis Frühopern ist auch 'Attila' im Theater oder auf CD keine Seltenheit mehr. Doch braucht es für die vier eher holzschnittartigen, aber wirkungsvollen Hauptpartien herausragende Stimmen, damit das Werk richtig zur Geltung kommt. In der konzertanten Münchner Aufführung vom Oktober 2019, die dem vorliegenden Mitschnitt zu Grunde liegt, sind sie nur eingeschränkt vorhanden. Liudmyla Monastyrska ist auf der Bühne ein Elementarereignis, im Tonstudio aber bisher unterrepräsentiert. Die gebürtige Ukrainerin verfügt über einen imposanten Sopran, der allein schon durch seine Power und die Gewalt der Spitzentöne, die mühelos die Ensembles überstrahlen, überrumpelt. Diese Qualitäten fängt die Aufnahme allerdings nicht optimal ein. Man hört vibratoreiche Höhen und verwaschene Koloraturen. Wobei sie durchaus auch zu Pianogesang fähig ist, wie etwa in der schön phrasierten Romanze.

Stimmlich kultiviert

Stefano La Colla schlägt sich als Foresto nur wacker. Der Tenor kämpft mit manchen Unarten, schleift die Töne an und forciert in der hohen Lage. Da sind die tiefen Stimmen durch stete stimmliche Kultiviertheit von anderem Kaliber. Ildebrando d’Arcangelo gibt dem Attila mit seinem noblen Bass Würde und Autorität. Sein Gegenspieler George Petean strahlt als Ezio den Stolz eines römischen Heerführers aus, singt mit edlem Bariton und krönt seine Arie mit einem fulminanten Top-B.

In großer Form hinsichtlich Klangfülle und Homogenität präsentiert sich der Chor des Bayerischen Rundfunks. Aber der sonst so souveräne Ivan Repušić am Pult des Münchner Rundfunkorchesters bleibt hinter den Erwartungen zurück. Man kennt ihn von anderen Aufnahmen als mitreißenden musiktheatralischen Gestalter. Doch der 'Attila' klingt rhythmisch und dynamisch zu pauschal, im Ganzen weniger ausgefeilt, als denkbar wäre.

Das Booklet enthält nur das Nötigste: Inhaltsangabe, Einführungstext und Näheres zum Dirigenten und Orchester. Die klanglich gut austarierte Aufnahme ist insgesamt achtbar, aber angesichts der diskographischen Konkurrenz nicht erste Wahl.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Giuseppe Verdi: Attila: Münchner Rundfunkorchester, Ivan Repusic

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
2
08.05.2020
101:24
2019
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4035719003307
900300


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Verdi, Giuseppe


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"GIUSEPPE VERDI ATTILA Nach Giuseppe Verdis „Luisa Miller“, mit der Ivan Repušić im September 2017 seinen Einstand als Chefdirigent des Münchner Rundfunkorchesters gab, und „I due Foscari“ vom Oktober 2018 (die Gesamtaufnahmen wurden bei BR-KLASSIK bereits auf CD 900323 und 900328 veröffentlicht) setzt sich sein erfolgreicher Zyklus von frühen Meisterwerken des italienischen Opernkomponisten kontinuierlich fort: Die konzertante Aufführung von Verdis Bühnenwerk „Attila“ wurde gerade erst am 13. Oktober 2019 – gleichfalls im Münchner Prinzregententheater – mitgeschnitten. Wieder sorgen hervorragende Interpreten für authentisches Fluidum und vokale Klangpracht: Ildebrando D‘Arcangelo in der Titelpartie und Liudmyla Monastyrska an seiner Seite führen eine prominente Besetzung an. Das Solistenensemble dieser Chor-Oper wird durch den Chor des Bayerischen Rundfunks stimmgewaltig ergänzt. Es spielt das Münchner Rundfunkorchester unter der Leitung von Ivan Repuŝić. – Ein Höhepunkt des Münchner Musiklebens vom Ende des vergangenen Jahres erscheint nun bereits bei BR-KLASSIK als Doppel-CD. Verdis frühes Meisterwerk „Attila“ ist – wie die vorausgegangenen „Nabucco“ und „I Lombardi“ – eine veritable Chor-Oper, die von der italienischen Einigungsbewegung begeistert aufgenommen wurde. Auch thematisch knüpft sie an die Bestrebungen des Risorgimento im zerrissenen Italien an. Die Textzeile „Avrai tu l’universo, resti l’Italia a me.” („Du magst das Universum haben, doch überlass’ Italien mir.“) wurde gleich von Anbeginn an begeistert aufgenommen und half mit, der Oper ihren Weg auf die Bühnen Italiens und Europas zu ebnen. Nicht nur das Publikum des von den Habsburgern regierten Venedig, an dessen Teatro La Fenice die Uraufführung präsentiert wurde, verstand den Sinn dieser Worte. Kaum eine andere Oper Verdis wurde in Italien ähnlich euphorisch aufgenommen; im Ausland konnte das Werk freilich keine länger andauernde Rezeption erzielen, was auch an der extrem schwierigen Partie der Odabella gelegen haben dürfte. Die konzertante Aufführung (in italienischer Originalsprache) im Münchner Prinzregententheater brachte das Publikum zu einhelligem Jubel und wurde von der Fachpresse gleichermaßen enthusiastisch gelobt. Von einem „Sängerfest“ war wiederholt die Rede; die Stimmkultur wie die interpretatorischen Leistungen von Ildebrando D‘Arcangelo und Liudmyla Monastyrska wurden mit vielen bildhaften Adjektiven beschrieben. Der Chor des Bayerischen Rundfunks, hieß es, habe seiner Freude am theatralischen Effekt Ausdruck verliehen. Und immer wieder wurde der dramatische und dramaturgische Zusammenhang gewürdigt, den das Dirigat von Ivan Repušić am Pult des Münchner Rundfunkorchesters herzustellen in der Lage war. Dieser „Attila“ ist ein echter Theater-Verdi: vital und wuchtig, feurig und höchst lebendig. Liudmyla Monastyrska – Odabella (Sopran) Stefano La Colla – Foresto (Tenor) Stefan Sbonnik – Uldino (Tenor) George Petean – Ezio (Bariton) Ildebrando D’Arcangelo – Attila (Bass) Gabriel Rollinson – Leone (Bass) Chor des Bayerischen Rundfunks Stellario Fagone, Einstudierung Münchner Rundfunkorchester Ivan Repušić, Leitung "


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BR-Klassik

Herausragende Musikaufnahmen der drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks werden unter einer gemeinsamen Marke den Musikfreunden angeboten. Das Label heißt BR-KLASSIK. Zum Start sind acht Tonträger sowie eine DVD am 18. September 2009 veröffentlicht worden. Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 150 Aufnahmen.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Münchner Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks genießen sowohl in der Region als auch international einen außergewöhnlichen Ruf in Bezug auf Qualität, künstlerische Kreativität und die Vermittlung von klassischer Musik. Im Konzertsaal und in Hörfunk- und Fernsehübertragungen sind die drei Klangkörper regelmäßig zu hören. Herausragende Konzerte, besonders gelungene Interpretationen und selten zu hörende Werke werden nun unter der gemeinsamen Marke BR-KLASSIK auf dem hauseigenen Label dokumentiert.

Das CD-Label BR-KLASSIK ist organisatorisch bei der BRmedia Service GmbH angesiedelt, dem für die Zweitverwertungen zuständigen Tochterunternehmen des Bayerischen Rundfunks, und wird von Stefan Piendl als Label-Manager geleitet. Mit ihm konnte der Bayerische Rundfunk einen erfolgreichen, externen Experten mit umfassender, internationaler Erfahrung für die Mitwirkung an seinem neuen Label BR-KLASSIK gewinnen.

In der Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE bringt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks historische Aufnahmen des Labels zu Gehör. Z.B. war an zwei denkwürdigen Konzertabenden die Pianistin Martha Argerich zu Gast, 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 unter Seiji Ozawa.

Im Vertrieb werden die Neuerscheinungen von BR-KLASSIK weltweit durch NAXOS betreut. Damit ist eine bestmögliche Präsenz auf allen wichtigen internationalen Märkten gewährleistet. Zu einer modernen Vertriebsstruktur gehört selbstverständlich auch die Möglichkeit des digitalen Downloads über Musikportale wie iTunes, Spotify u.a.. Auch dieser Vertriebsweg wird über die Firma NAXOS erschlossen. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit Tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK.


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