> > > Max Reger: Clarinet Quintet, String Sextet: Thorsten Johanns, Diogenes Quartett, Roland Gassl, Wen-Sinn Yang
Samstag, 15. August 2020

Max Reger: Clarinet Quintet, String Sextet - Thorsten Johanns, Diogenes Quartett, Roland Gassl, Wen-Sinn Yang

Ein Hauch von Brahms


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Zwei der besten Kammermusikwerke Max Regers, das Klarinettenquintett und das Streichsextett, erfahren hier eine erstklassige Interpretation.

Max Reger – ein Brahms-Epigone? Sicherlich eine einseitige Bewertung, aber für das eine oder andere Werk Regers durchaus zutreffend. Man denke etwa an die Klavierstücke 'Träume am Kamin' op. 143 oder an die auf dieser beiden CD versammelten Kompositionen, das Streichsextett op. 118 und das Klarinettenquintett op. 146. Während das Quintett fester Repertoire-Bestandteil vieler Klarinettisten ist und sich im Konzert gut mit dem Brahms-Quintett koppeln lässt, hat es das Sextett deutlich schwerer: Reine Streichsextett-Konzerte sind selten, und ein (meist eingespieltes) Quartett muss sich für die Einstudierung mit einem Bratscher und einem Cellisten zusammentun – was aufwendige Proben bedeutet.

Auf vorliegender CD ist das Diogenes-Quartett dieses Wagnis eingegangen und hat sich mit dem Bratscher Roland Glassl und dem Cellisten Wen-Sinn Yang des Sextettes angenommen, zusammen mit dem Klarinettisten Thorsten Johanns des Quintettes. Beide Werke haben bei aller Verschiedenheit doch eines gemeinsam: Sie fordern Ausführende wie Hörer über eine Dauer von rund 37 Minuten, stellen also keineswegs leichte Kost dar. Solche würde man von Reger, dem gewieften Kontrapunktiker, aber ohnehin nicht erwarten. In beiden Kompositionen passiert es (bei aller handwerklicher Souveränität) schon einmal, dass – wie es Regers Lehrer Hugo Riemann formuliert – ‚ein Kontrapunkt den anderen totschlägt‘.

Aufmerksames Miteinander

Das Klarinettenquintett aus dem Jahr 1915 besteht aus den traditionellen vier Sätzen und weist dem Blasinstrument zwar durchaus eine führende Rolle zu. Gleichzeitig ist es aber dicht in das polyphone Geflecht verwoben, wie Susanne Popp in ihrer monumentalen Reger-Biographie betont: ‚An die Stelle einer Melodiestimme mit Begleitung rückt ein ineinander verwobener Stimmenkomplex aus Klarinette und polyphon geführten Streichern‘ (S. 452). Dass es Thorsten Johanns und den Streichern des Diogenes-Quartettes gelingt, diesen Komplex als tonschönes und bisweilen geradezu lyrisch angehauchtes Gebilde hörbar zu machen, ist einer der großen Pluspunkte dieser Einspielung. Ein aufmerksames Miteinander der Musiker zieht sich durch das gesamte Werk, ob in den fast neckischen Passagen des Scherzos oder den hochromantischen Kantilenen des Largo-Abschnittes, die Regers melodische Fähigkeiten nachdrücklich unterstreichen. Die insgesamt eher ruhig gewählten Tempi tun dem Werk gut und erleichtern dem Hörer das Nachvollziehen der strukturellen Mehrstimmigkeit. Da auch die klangliche Balance zwischen der Klarinette und den Streichern nahezu optimal ist, kann man von einer erstklassigen Aufnahme sprechen. Den fünf Ausführenden gelingt es, aus der polyphonen Dichte der Partitur eine leicht, beinahe schwebend wirkende Kammermusik zu zaubern.

Ähnlich erfreulich fällt das Fazit für die Interpretation des 1910 komponierten Sextettes aus. Zwar fehlt hier (wenn man den Vergleich mit dem Quintett überhaupt zulassen will) die klangfarbliche Abwechslung, dies wird aber durch einen sehr homogenen Klang des um Glassl und Yang erweiterten Diogenes-Quartettes ausgeglichen. Ähnlich wie im Quintett bildet der langsame Satz ('Largo con gran espressivo') das emotionale Zentrum des Werkes, Reger soll ihn sein ‚Gespräch mit dem lieben Gott‘ genannt haben. Die feinen dynamischen Nuancierungen der Partitur werden über alle vier Sätze bestens herausgearbeitet, es gelingt den Interpreten, den Spannungsbogen niemals abreißen zu lassen. Die ernste, feierliche Stimmung (anders als im Quintett gibt es hier kaum gelöste, heitere Momente) überträgt sich eins zu eins auf den Hörer und kann ihn so packen und aufwühlen – auch wenn er dabei nicht jedes Detail der überaus dichten Stimmführung nachvollziehen muss. Der Klang des Sextettes wurde klar und gut ausgewogen eingefangen, die beiden Celli bilden eine wunderbare, klanglich satte Grundlage für ihre vier Kollegen.

So sind es – bei aller Brahms-Nähe – doch zwei höchst individuelle Reger-Werke, die auf dieser CD eine in jeder Hinsicht gelungene Interpretation erfahren. Vor allem die beiden langsamen Sätze zeigen den oft geschmähten Tondichter als herausragenden Melodiker, der keinen Vergleich (auch nicht mit Brahms) scheuen muss. Die Intensität des Musizierens und die hohe Klangqualität machen diese Veröffentlichung zu einem Meilenstein der Reger-Diskographie.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Max Reger: Clarinet Quintet, String Sextet: Thorsten Johanns, Diogenes Quartett, Roland Gassl, Wen-Sinn Yang

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203534029


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Reger, Max


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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