> > > Feuilles Nocturnes: Evgeni Koroliov, Klavier
Dienstag, 4. August 2020

Feuilles Nocturnes - Evgeni Koroliov, Klavier

Stiller Meister


Label/Verlag: Tacet
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Evgeni Koroliovs Weg geht nach innen.

‚Einige Worte zum Programm dieser CD … Ich habe nahezu alle diese Stücke in meiner Kindheit oder frühen Jugend gespielt. Daher wecken sie auch heute noch schöne Erinnerungen in mir. Ich widme diese Aufnahmen meinen lieben Brüdern Wladimir und Alexander‘, schreibt Evgeni Koroliov. Die Nummer 22 der 'Koroliov Series' lohnt das Hören. Sie bietet siebzehn 'Feuilles nocturnes' Chopins, darunter Walzer, Mazurken, Etüden. Die Satzbezeichnungen lauten meist Lento, Larghetto, Andante, Allegretto. Wolfgang Wendels entwaffnend unbefangener Essay beschreibt die Haltung des Interpreten Koroliov: ‚Auf diese Form der Sublimierung war ich einfach nicht vorbereitet!‘ Dabei müssten ‚beide Ursprünge‘ des Wortes ‚sublim‘ ‚mitgedacht‘ werden: ‚‚Sub‘ als ‚unter’ und ‚lim’ als limes/Grenze. Koroliov ‚unter’-schreitet, ‚unter’-läuft ‚normale’ Ausdrucks-Grenzen.‘

Nicht, dass sich Koroliov salonkatzenhaft auf den Tasten räkelt. Ein dekadenter Kult der Nuance findet nicht statt: Die Ausdruckswerte sind zurückgenommen, auch im Leisen – vielerlei Schattierungen von Grau. Solches Klavierspiel ist selten vernommen worden, wenige bringen die nötige Disziplin der Empfindung auf. Im Übrigen kann Koroliov Haupt- von Nebenstimmen unterscheiden. Das zeichnet ihn vor vielen Zunftgenossen aus. Finessen des Anschlags und Pedalgebrauchs sind deutlich genug artikuliert, doch ohne das hörende Bewusstsein von übergreifenden Verläufen abzuziehen. Die Tempi sind verhalten, wie alles – ein stimmiges Bild. (Ob sich alle agogischen Wendungen unmittelbar aus der musikalischen Sache ergeben?)

Wenn es im 21. Jahrhundert Pianisten gibt, die Koroliovs pastellener Meisterschaft nahekommen, ist an Menahem Pressler zu denken, dem Koroliov, eine Generation jünger, die manuelle Sicherheit voraushat, an Daniel Barenboim, als er noch übte, an Ivan Moravec selig.

Die klangliche Gestalt ist vom Feinsten. Gerd Finkenstein umgarnt den Steinway D-274 mit aller audiophilen Delikatesse, deren kultivierte Liebhaber fähig sein mögen. Der Steinway wird auf Fazioli-Höhen gehoben. Der Ort des Geschehens, die Berliner Jesus-Christus-Kirche, ist bekannt und beliebt aus Karajans Zeiten. Nach Kirche klingt er gottlob nicht. Das Beiheft kommt in dreierlei Sprachen daher. Der Herrschaft des Globischen werden das Deutsche und Französische entgegengestellt – ein ehrenvolles kulturkonservatives Bekenntnis. Auch Layout und Cover nehmen mit treuherzigem Biedersinn ein. Fast möchte man weinen, vor Rührung – die Köpfe hinter Tacet scheinen der Sache verpflichtet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Feuilles Nocturnes: Evgeni Koroliov, Klavier

Label:
Anzahl Medien:
Tacet
1
Medium:
EAN:

CD
4009850025702


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Chopin, Frédéric


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Tacet

Das Wort TACET kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "er/sie/es schweigt". Es steht in den Noten, wenn ein Musiker für ein ganzes Stück nichts zu spielen hat. In einem solchen Fall steht in den Noten "TACET". Ein paradoxer Name für eine Plattenfirma?

Der Produzent des Labels, Andreas Spreer, liebt das Paradox. Im April 1989 gründete der Diplom-Tonmeister die Musikfirma TACET in Stuttgart/Germany. Seither produziert TACET Musik für höchste Ansprüche auf den verschiedensten Tonträgern (CD, LP, SACD, DVD-Audio, Blu-ray). Von Beginn an erhielten die Aufnahmen herausragende Rezensionen und höchste Auszeichnungen (u. a. mehrere Jahrespreise der deutschen Schallplattenkritik, Cannes Classical Award, Echo, Diapason d'or, Grammy-Nominierung und viele mehr; stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten), aber was noch wichtiger ist, sie erfreuen sich größter Beliebtheit beim Publikum. Dabei ist noch kein Ende abzusehen: Die Zahl der TACET-Fans wächst immer weiter. Woher kommt dieser langandauernde große Erfolg?

Vielleicht liegt es daran: TACET arbeitet konsequent an der Synthese von zwei Ebenen, die häufig als sehr unterschiedlich oder sogar gegensätzlich angesehen werden: dem musikalischen Gehalt und der aufnahmetechnischen Qualität.

Als Begriff, der sowohl die musikalischen als auch die aufnahmetechnischen Vorzüge der TACET-Aufnahmen umfasst, bietet sich das Wort "Klang" an. Klang entsteht in einem Instrument, der Musiker bringt ihn daraus hervor, doch ob gewollt oder nicht - die nachfolgenden Apparaturen und Personen beeinflussen den Klang auch. Wenn alle Beteiligten, Musiker, Instrumente, Raum, Aufnahmegeräte und "Tonbearbeiter" gut zusammenpassen bzw. zusammenarbeiten, wächst in der Mitte zwischen ihnen wie von selbst etwas Neues empor, das dem Wesen einer Kompositon sehr nahe kommt. Davon handelt unser Slogan "Der TACET-Klang - sinnlich und subtil".

"This is one of the best sounding records you'll ever hear" schrieb das US-Magazin "Fanfare" über die TACET-LP L207 "oreloB". György Ligeti äußerte über die Kunst der Fuge "... doch wenn ich nur ein Werk auf die "einsame Insel" mitnehmen darf, so wähle ich Koroliovs Bach, denn diese Platte würde ich, einsam verhungernd und verdurstend, doch bis zum letzten Atemzug immer wieder hören.". "Entscheidend aber ist die Gemeinsamkeit des Geistes. Die Auryn-Leute beseelt die gleiche Kunstgesinnung..." (Rheinische Post). Stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten oder noch besser hören Sie sich TACET-Aufnahmen an und überprüfen, was die Kritiker schreiben.

Bei uns darf Musik all das anrühren und ausdrücken, was das Leben ausmacht. Sie erlaubt dem Hörer Gefühle zu empfinden, ohne sentimental zu werden. Sie kann witzig sein und zum Lachen bringen. Sie kann auf ehrliche Weise "romantisch" sein, ohne den Hörer in einen Kaufhausmief von Wohlfühlklängen zu versenken. Sie darf in unendlichen Variationen geistreich sein. Sie darf zum Denken und zum Erkennen anregen, ohne musikalische Vorbildung zu erfordern. Sie darf effektvoll sein und um die Ohren fliegen, wenn es dem Wesen der Werke entspricht. Sie kann Revolutionen im Kopf auslösen, ohne ein einziges Wort. Sie kann widersprechen und korrigieren. Musik kann Verzweiflung wecken, aber auch trösten. Und und und. Die vollständige Liste wäre endlos.

Der TACET-Inhaber und -Gründer Andreas Spreer erhielt u. a. die Ehrenurkunde des Preises der deutschen Schallplattenkritik.


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