> > > Richard Wagner: Das Rheingold: Deutsche Oper am Rhein, Duisburger Philharmoniker, Axel Kober
Samstag, 19. September 2020

Richard Wagner: Das Rheingold - Deutsche Oper am Rhein, Duisburger Philharmoniker, Axel Kober

Neuer 'Ring' vom Rhein


Label/Verlag: CAvi-music
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dieses klangschöne und lebendige 'Rheingold' macht Laune und lässt die Vorfreude auf die weiteren drei Veröffentlichungen größer werden.

Wegen eines heftigen Wasserschadens musste das Theater Duisburg am Ende der Saison 2018/2019 vorübergehend den Spielbetrieb einstellen. Die geplante szenische Komplettaufführung des neu einstudierten 'Ring des Nibelungen' konnte nicht wie geplant stattfinden. Der nasse Unfall hatte aber auch einen positiven Nebeneffekt: In konzertanter Form gelangte der 'Ring' in der Mercatorhalle Duisburg zur Aufführung – mit voller Konzentration auf die musikalischen Aspekte des Werks. Beim hauseigenen Label der Deutschen Oper am Rhein in Zusammenarbeit mit Avi-Music ist nun das 'Rheingold' auf zwei klangschönen CDs erschienen, aufgezeichnet im Mai und November 2019 in Duisburg. Die weiteren drei Abende sollen folgen.

Axel Kober und seinen Duisburger Philharmonikern gelingt mit einem größtenteils überzeugend agierenden Solistenensemble eine lebendige Interpretation, deren Veröffentlichung vollkommen zu Recht erfolgt. Tontechnisch sind Stimmen und Orchester hervorragend ausbalanciert, nie werden die Solisten zugedeckt, müssen aber auch nicht künstlich an die akustische Rampe gestellt werden. Der organische Gesamtklang macht Freude und lässt den Hörer barrierefrei eintauchen in Wagners Musikdrama.

Untrennbare Einheit

Dieser Mitschnitt hat den momentan vermutlich besten Alberich zu bieten: Jochen Schmeckenbecher. Seit Jahren ist er mit der Partie bestens vertraut und international unterwegs, auch schon auf Tonträger im Berliner Janowski-'Ring' verewigt. Da stimmt jede Nuance, das ist jede Phrase mit Farben ausgelotet, die Figur voll und ganz durchdrungen. Bei Schmeckenbecher bilden Wort und Ton eine untrennbare Einheit, die Textverständlichkeit ist vorbildlich. Wenn dieser Alberich seinen Fluch ausstößt, läuft es einem kalt den Rücken hinunter, und auch sein Treiben mit den Rheintöchtern ist so facettenreich, dass schon die erste Szene einen Kosmos an Eindrücklichkeit darstellt. Das liegt auch an den drei hervorragenden Rheintöchtern Heidi Elisabeth Meier, Roswitha Christina Müller und Anna Harvey, die bestens aufeinander abgestimmt sind, aber ebenso solistisch glänzen.

Auf der Habenseite dieses 'Rheingoldes' rangiert auch der Mime von Florian Simson ziemlich weit oben. Simson ist ein Sängerdarsteller erster Güte, der mit seinem hellen, markanten Tenor ein wasserdichtes Rollenporträt liefert, das nur an sehr wenigen Stellen in gefährliche Nähe zur Karikatur rückt. Mit volltönendem Heldenmaterial trumpft James Rutherford als Wotan auf. Das klingt imposant und vor allen Dingen edel. So schön kann ein Wotan klingen – für den zwiespältigen Göttervater gäbe es aber noch andere Nuancen und Farben zu entdecken. Ebenso ergeht es dem Hörer mit Raymond Very als Loge, der kantabel und schönstimmig seine Partie bewältigt, das Heldische klug mit seinen lyrischen Qualitäten mischt. Doch auch hier fehlen einem die Zwischentöne, die mögliche Schärfe, der doppelte Boden.

Untrügliches Gespür

Was alle Soli eint, ist die klare Artikulation und die damit hohe Textverständlichkeit. Souverän und jugendlich gibt Katarzyna Kuncio die Fricka, Sylvia Hamvasi ist eine klangschöne Wahl für die Freia und Ramona Zaharia ist die liedhafte Erda, die ein wenig mit den Tiefen kämpft, sich dabei aber glücklicherweise nicht zum Drücken verleiten lässt. Als Riesen sind Thorsten Grümbel und Lukasz Konieczny ein durchaus unterschiedliches Brüderpaar. Während Konieczny als Fafner über die eindrucksvollere Stimme gebietet, überzeugt Grümbel als Fasolt mit der starken Inhaltlichkeit seines Vortrags, einem untrüglichen Gespür für die dramatische Situation. Bernhard Berchtold ist ein tadelloser Froh und David Jerusalem ein recht knorriger Donner, dem man ein wenig mehr vokale Verdrängung wünschen würde.

Axel Kober und die Duisburger Philharmoniker liefern keine Überraschungen oder Neuheiten, dafür aber eine dynamische Lesart mit Hand und Fuß, die nah an einem möglichen Bühnengeschehen artikuliert wird. Das macht Laune und lässt die Vorfreude auf die weiteren drei Veröffentlichungen größer werden.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Richard Wagner: Das Rheingold: Deutsche Oper am Rhein, Duisburger Philharmoniker, Axel Kober

Label:
Anzahl Medien:
CAvi-music
1
Medium:
EAN:

CD
4260085535040


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Wagner, Richard


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CAvi-music

"Es muss nicht viel sein, wenn's man gut ist" heißt die Devise für das Label, das stets den Künstler in den Vordergrund stellt, das partnerschaftlich Projekte realisiert, das persönliche Wünsche und Ideen der Künstler unterstützt, das sich vorwiegend auf Kammermusik konzentriert, das handverlesen schöne Musik in hervorragender Interpretation anbietet, mit einer Künstlerliste, die sich sehen lassen kann. Eine sehr persönliche Sache, die von Herzen kommt !! Außerdem kommen neben dem Label CAvi-music auch die Labels "SoloVoce" und "CAvi-Autentica" aus dem Hause Avi-Service for music.


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